Entgeltliche Einschaltung

Energie : Wie energetische Sparsamkeit in der Industrie möglich wird

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Aber Energie ist auch ein gewaltiger Kostenfaktor: Je nach Auslegung und Schwerpunkt des Betriebs fallen zweistellige Prozentzahlen des Jahresumsatzes nur zur Deckung der Energiekosten an.

Vieles lässt sich nicht einsparen, da fordert die Produktion ihren Tribut. Jedoch tun sich in vielen Unternehmen Lücken auf, die recht simpel geschlossen werden können. Für sich alleine sparen sie zwar keine Unsummen ein, erfordern auch Investitionen, aber werden in der Masse zum beachtlichen Einsparungsfaktor und haben sich schnell amortisiert.

Der folgende Artikel listet 5 Positionen, die jedes Unternehmen applizieren kann.

1. Stichwort Druckluft

Ganz gleich, ob sie zum Antrieb von Maschinen aufgewendet wird oder als Selbstzweck zum Reinigen, Aus- und Aufblasen, Druckluft ist in den meisten Betrieben eine fixe Installation – und ein oft ignorierter Energieverschwender.

Denn Tatsache ist, dass über lecke Leitungen, überflüssig lange Rohrnetze usw. teure Energie verlorengeht – mal abgesehen von den enormen Wärmemengen, die Drucklufterzeugung im industriellen Maßstab als Abfallprodukt erzeugt.

Deshalb gilt:

Druckluft-Anschlüsse müssen bedarfsgerecht geplant werden. Nicht nach pauschalen Faustregeln wie „ein Anschluss alle X Meter“.

Durch Ventile sollte gewährleistet werden, dass sich einzelne Leitungssegmente bei Nichtgebrauch abtrennen lassen. Je weniger Meter Rohrleitung mit Druck zu beaufschlagen sind, desto kürzer/seltener müssen Kompressoren arbeiten.

Es sollte geprüft werden, in wieweit die Abwärme die Heizung bzw. Warmwasserbereitung unterstützen kann.

Kompressoren müssen bedarfsgerecht angeschafft und regelmäßig gewartet werden.

Es sollten bei druckluftbetriebenen Werkzeugen Bedarfsrechnungen angestellt werden, ob diese für ihr typisches Nutzungsschema in strombetriebener Form nicht günstiger zu betreiben sind.

Zudem sollte unter den Mitarbeitern eine Kultur von „Auch Druckluft kostet Geld“ etabliert werden, denn gerade dabei hapert es oft beträchtlich.

2. Auf und zu, an und aus im Sensortakt

Nach wie vor kennen in der Industrie zu viele Dinge nur einen Default-Modus: Eingeschaltet beziehungsweise geöffnet.

Das gilt für Werkstore und -türen ebenso wie für Beleuchtungen zwischen der Halle und dem kleinsten Lagerraum. Es erstreckt sich auf Lüftungsanlagen, auf Wasserhähne, Maschinen, Laufbänder und tausenderlei anderer Dinge, die entweder grundsätzlich ein/offen sind oder auf eine menschliche Komponente zur Schaltung vertrauen.

Es ist klar, dass ersteres eine heutzutage untragbare Energieverschwendung ist – und letzteres zumindest fahrlässig, weil Menschen nun mal Menschen sind und gerade am Arbeitsplatz oft nicht so effektiv mit Energie haushalten, wie es wünschenswert wäre.

Die Lösung dagegen lautet Sensoren. Sie findet sich in Ultraschallsensoren, welche sich in praktisch jedes Gerät integrieren lassen und dafür sorgen, dass Schaltvorgänge nur ausgelöst werden, wenn sie wirklich notwendig sind – und auch nur so lange dauern, wie sie zwingend dauern müssen.

Die Lösung findet sich ferner in Sensoren, die Lichter anwesenheitsbasiert schalten oder auch in Abhängigkeit vom Umgebungslicht. Es sind Sensoren, die die Wärme von Heizungen nach der Ist-Temperatur in Räumen regeln und solche, die genau melden, wie viel Wärme, Licht, Energie etwas benötigt.

Just alles, was von Menschenhand schalt- und regulierbar ist, kann in der Industrie ungleich energieeffizienter durch Sensoren übernommen werden. Und das ist in der heute digitalisierten Welt nicht einmal mehr eine teure Investition.

3. Modernisieren an unauffälligen Stellen

Je nach Branche entfällt ein hoher Anteil des Stromverbrauchs einzig und allein auf die elektrisierte Bereitstellung von Bewegungsenergie – nicht selten sind es weit mehr als 50 Prozent.

Laufbänder

Stapler

Hydraulik und Pneumatik

Kräne

Maschinenantriebe

um nur einige zu nennen, beziehen ihre Energie zur Gänze aus elektrischem Strom. Und genau das ist das Problem, denn zwischen Hydraulikpumpen und simplen Laufbandmotoren arbeiten in vielen Betrieben elektrische Antriebe, die viel Verbesserungspotenzial haben.

Denn auch beim simpelsten E-Motor blieb die Entwicklung nicht stehen. Heutige Antriebe verbrauchen bei gleicher Leistung einen Bruchteil dessen, was alte Motoren benötigen – welche zudem vielfach für die tatsächlichen Anforderungen überdimensioniert sind.

Hier lassen sich mit moderneren, bedarfsgerechten Motoren bzw. einer digitalisierten Steuerung selbst bei vergleichsweise alten Geräten teils immense Einsparungen im Bereich von bis zu 50 Prozent erzielen.

4. Licht und mehr

Allein dadurch, dass Beleuchtung dort, wo sie nur situationsabhängig benötigt wird, durch Sensoren geschaltet wird, können bereits hohe Verbrauchsersparnisse erzielt werden.

Allerdings muss man bedenken, dass Licht noch viel mehr Einsparpotenzial bietet. Dabei ist die Umrüstung bestehender Beleuchtungsanlagen auf zeitgenössische Technik (etwa LEDs) nur die Basis. Simpel formuliert: Das sollte sowieso grundsätzlich angewendet werden.

Doch auch darauf aufbauend kann in Sachen Beleuchtung noch viel geleistet werden:

Räume, Hallen usw. sollten nach Möglichkeit so hell wie möglich gestrichen werden, idealerweise weiß. Keine andere Farbe reflektiert Licht so gut und wirkt somit als Multiplikator.

Keine Leuchte sollte in Richtungen abstrahlen, in denen kein Licht benötigt wird – im simpelsten Fall nach oben. Reflektoren sind dagegen enorm effektiv und können teilweise auch durch Betriebsschlosser mit einfachen Mitteln (etwa polierte Bleche) in Eigenregie hergestellt werden.

Viele Betriebe nutzen die Höhe ihrer Industriehallen nicht konsequent aus. Gerade LED-Technik ermöglicht es, bei gleicher Leistungsaufnahme lichtstärkere Lampen weiter oben zu installieren, so einen größeren beleuchteten Bereich pro Leuchtmittel zu bekommen und insgesamt die Leuchten-Anzahl reduzieren zu können.

Auch sollte geprüft werden, ob es sich nicht rentieren kann, Zwischenwände zu entfernen bzw. zusätzliche Wand- und Dachfenster zu installieren. Die Bauweise vieler Industriehallen ohne tragende Außenwände macht das zu einem schnellen und technisch einfachen Verfahren, welches über weite Teile des Tages ermöglicht, ganz auf Kunstlicht zu verzichten.

5. Schleusensysteme

Es ist zwar von Vorteil, wenn ein Hallentor nur so lange offen ist, wie sein Sensor es ihm vorgibt. Aber offen ist nun mal offen – im Sommer entweicht so teuer erzeugte Kalt-, im Winter hingegen Warmluft.

Vor allem dort, wo solche Außentore mehrfach täglich geöffnet werden müssen, sollten Luftschleusen installiert werden. Gänzlich verhindern, dass Wärme bzw. Kälte nach draußen entweicht, können sie zwar nicht. Aber selbst unter Einberechnung des Energieverbrauchs zur Erzeugung eines solchen Luftschleiers bleibt unter dem Strich eine teils dramatische Energieersparnis – und nur auf diese kommt es letztlich an.