WKO-Initiative : Wasserkraft-Zulieferer: Ist Zentralasien der neue Boom-Markt?

Michael Müller, der die beiden Länder vom AußenwirtschaftsCenter der Wirtschaftskammer (WKO) im kasachischen Almaty aus betreut, sieht auch Chancen für österreichische Betriebe als Zulieferer bei Infrastrukturprojekten im Straßen- und Eisenbahnbau, im Bergbau, aber auch im Tourismus."Für uns ist interessant, dass wir gut aufgestellt sind, wenn solche Projekte umgesetzt werden", sagte Müller gegenüber der APA. Österreichische Unternehmen betreten quasi Neuland auf den entfernten Märkten, wo es jeweils nur eine Handvoll Auslandsösterreicher gibt. In keinem beiden Länder haben sich heimische Firmen niedergelassen, und es gibt auch bisher keine Direktinvestitionen. Der Handel bewegte sich 2011 jeweils auf niedrigem Niveau im einstelligen Millionen-Bereich. Es gibt lediglich österreichische Anbieter, die über lokale Distributionspartner ihre Waren verkaufen, und eine österreichische Firma hält Anteile am Cargo Terminal auf dem Flughafen der kirgisischen Hauptstadt Bischkek. Größere Projekte können Tadschikistan, das über das größte ungenutzte Wasserkraft-Potenzial der Erde verfügt, und Kirgistan nicht selbst stemmen, sie sind auf internationale Geldgeber wie die Weltbank, die Asiatische Entwicklungsbank, die Europäische Entwicklungsbank (EBRD) oder starke Partnerländer wie China oder Russland angewiesen. Mega-Vorhaben wie die Bahnverbindung Afghanistan-China oder der Rogun-Staudamm bergen aber auch politischen Konfliktstoff in sich: So gibt es konkurrierende Pläne, wie China eines Tages auf der Schiene mit Rohstoffen versorgt werden könnte - via Usbekistan und Kasachstan oder via Tadschikistan und Kirgistan. Im Falle des Damms befürchtet das flussabwärts gelegene Usbekistan, dass Tadschikistan ihm das Wasser für seinen Baumwollanbau abgraben könnte. Im Vorjahr stoppte Usbekistan Gaslieferungen an den Nachbarn unverursachte Versorgungsengpässe, indem es den Wiederaufbau einer zerstörten Bahnlinie verzögerte. Michael Müller weist allerdings darauf hin, dass es auch kleinere Wasserkraftprojekte gibt und vor allem in Kirgistan die Möglichkeit, Geschäfte mit kleineren und mittleren Betrieben der Nahrungsmittel-oder Bauindustrie dort zu machen. In Kirgistan gibt es auch das Kasachstan-nahe und bei Kasachen beliebte private Karakol-Skigebiet sowie private Hotels am Yssykköl-See (Issyk Kul), wo österreichisches Engagement gefragt sein könnte. Anders als Tadschikistan hatte sich Kirgistan nach der Unabhängigkeit von der Sowjetunion 1991 rasch geöffnet und mit Ausnahme des Energiesektors weitreichende Privatisierungen durchgeführt, wobei dem Vernehmen nach bei offizieller Trennung nichtsdestotrotz Politiker gleichzeitig im Hintergrund Unternehmenseigner sind. Eine Kaste der Oligarchen, wie es sie Beispielsweise in Russland oder der Ukraine gibt, hat sich angesichts der vergleichsweise geringen Wirtschaftsleistung aber nicht herausgebildet. Schon seit 1998 ist Kirgistan Mitglied der Welthandelsorganisation (WTO), während Tadschikistan erst heuer aufgenommen wird. Manko: Mit Österreich besteht im Gegensatz zu Tadschikistan bisher kein Investitionsschutzabkommen. Dafür ist bei der tadschikischen Wirtschaft, die noch zu mehr als der Hälfte dem Staat gehört, das Wohlwollen der Regierungsstellen beim Marktzugang umso bedeutsamer. Gemeinsam haben die beiden Länder eine einseitige Ausrichtung der Wirtschaft. Jene Kirgistans hängt vor allem an der Goldmine in Kumtor, die von der kanadischen Centerra betrieben wird. Die jetzige Regierung will einen früheren Vertrag revidieren und mehr für den Staat herausholen Für die tadschikische Wirtschaft sind wiederum Aluminiumproduktion und Baumwollexport überlebenswichtig. Der private Konsum in beiden Staaten geht zudem auf die milliardenschweren Überweisungen Hunderttausender Gastarbeiter in Russland und Kasachstan zurück. Gemeinsam träumen Tadschikistan und Kirgistan auch davon, eines Tages lukrative Geschäfte als Stromexporteure etwa mit Afghanistan und Pakistan zu machen. Vor allem im Winter, wenn die Wasserkraft als Stromquelle versiegt, sind sie jedoch auf den Import von Erdöl und Treibstoffen angewiesen. Dann müssen zumindest die Tadschiken angesichts Strommangels und instabiler Netze regelmäßig ohne Elektrizität auskommen. (APA/red)