Chatbots

Vier Antworten zu Chatbots

Es sind zwei Punkte, die Chatbots zu echten Game-Changern machen. Erstens: Anders als Apps, die immer auf das Endgerät des Users geladen werden müssen, liegen Bots am Server. Für den User bedeutet das: kein lästiges Herunterladen und Installieren mehr, sondern einfach per Messenger-Dienst den entsprechenden Bot anwählen und los geht’s. Was zum zweiten großen Vorteil führt: Während Apps mit wischen und tippen bedient werden und man das Benutzen einer jeden App bis zu einem gewissen Grad erst lernen muss, kommuniziert der User mit einem Chatbot in natürlicher Sprache. Er tippt seine Frage oder Befehle wie bei einer SMS oder einer Messaging-Anwendung in ein Textfeld und die Maschine antwortet binnen Sekunden, ebenfalls in menschlicher Sprache.

Noch ist das Sprach- und Verständnisvermögen der meisten Chatbots bescheiden. Sie können etwa, wie die derzeit ziemlich gehypte Chat-Bot-Anwendung Mica, die von der Wienerin Barbara Ondrisek entwickelt wurde, auf die Angabe des Ortes, an dem sich der User gerade befindet, die in der Nähe liegenden In-Lokale nennen und auch noch die eine oder andere Frage nach den Lieblingsgetränken seines Gegenübers stellen, das war es dann aber auch schon wieder. Jedenfalls bei den meisten heute existierenden Bots. Beerud Sheth vom Bot-Plattform-Entwickler Gupshup, einem der weltweiten Pioniere der Bot-Revolution, merkt dazu an: "Ein Bot muss sehr gut programmiert sein, dann kann er auch auf sehr viele Fragen Antworten geben und gut mit dem User interagieren. Mit künstlicher Intelligenz im engeren Sinn hat das allerdings dennoch nicht viel zu tun."

Bernhard Hauser und David Pichsenmeister vom Wiener Start-up oratio gehen davon aus, dass es in Zukunft Chatbots geben wird, die den sogenannten Turing-Test bestehen, bei dem geprüft wird, ob ein Roboter mit einem Menschen so kommunizieren kann, dass der Mensch es nicht merkt, gar nicht mit einem realen Gegenüber zu tun zu haben. Je näher man diesem Ideal kommt, desto größer wird die Einsatzbreite der Chatbots, etwa bei E-Commerce zur Kommunikation mit den Kunden oder als Ersatz für Hotlines. Vereinzelt gibt es derartige Anwendungen bereits jetzt. In wenigen Jahren ist aber auch der Einsatz in der Industrie denkbar, etwa wenn der technische Support von Servicetechnikern durch Chatbots übernommen wird. Doch wie menschenähnlich Chatbots auch einmal agieren werden: Transparenz sei wichtig, sagen Hauser und Pichsenmeister: "Ich möchte ja nicht verkohlt werden und am Ende herausfinden, das ist gar keine echte Person auf der anderen Seite."

Ein mit dem Aufkommen der Chatbots oft verbundenes Szenario ist die Vorstellung, dass sie die Apps ablösen und wir – anstatt uns mit unzähligen Apps, von denen wir die meisten nur wenige Male im Leben nutzen, abzumühen – einen Chatbot bekommen, der im Internet nach den richtigen Anwendungen sucht, sie startet, bedient und uns das fertige Ergebnis liefert. Im Moment sieht es nicht danach aus, dass diese Hoffnung bald Realität wird. Eher im Gegenteil. Je nachdem, was der User machen möchte – Lokale suchen, Reisen buchen, sein Bankkonto bedienen oder Kundenservice betreiben –, wird er dafür auch eigene Bots brauchen. "Allein heuer erwarte ich Hunderte, wenn nicht Tausende von neuen Bots und ich glaube, es ist nicht falsch zu sagen, dass wir eines Tages Millionen davon haben werden", sagt Beerud Sheth von Gupshup. Allerdings: Es scheint wahrscheinlich, dass mit der Zeit sogenannte Super-Bots entstehen, die selbstständig nach Bots suchen, die eine bestimmte Aufgabe lösen können und mit ihnen im Hintergrund kommunizieren, ohne dass der User einschreiten muss.