Cybersicherheit

Steigende Bedrohung durch unterfinanzierte Cyberabwehr

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EY Global Information Security Survey 2021 (GISS) hat weltweit mehr als 1.000 Cybersecurity-Führungskräfte in Unternehmen befragt, um die aktuelle Lage einschätzen zu können.

Mehr als die Hälfte (56 %) der befragten Verantwortlichen für Cybersecurity gibt an, dass ihr Unternehmen die eigenen Cybersecurity-Prozesse umgehen oder aussetzen musste, um kurzfristig den neuen Anforderungen in Bezug auf Homeoffice bzw. Telearbeit oder flexibles Arbeiten gerecht zu werden.

Gleichzeitig steigt die Sorge um die eigene Resilienz gegenüber Cyberattacken: 43 Prozent der Befragten geben an, dass sie noch nie so besorgt waren wie heute, was ihre Fähigkeit angeht, mit Cyber-Bedrohungen umzugehen. Mehr als drei Viertel (77 %) warnen, dass sie in den letzten zwölf Monaten einen Anstieg der Zahl von Cyber-Attacken wie zum Beispiel durch Ransomware erlebt haben – im Vorjahr bemerkten nur 59 Prozent eine Steigerung der Attacken.

„Die Geschwindigkeit des Wandels und die Einführung neuer Arbeitspraktiken, praktisch von einem Tag auf den anderen, hatten in Bezug auf Cyber-Sicherheit einen hohen Preis – denn viele Unternehmen haben zu Beginn der Krise Cybersecurity aufgrund des Zeitdrucks außen vor gelassen und machen jetzt einfach so weiter, obwohl die Bedrohung steigt. Zum Daily Business zurückzukehren, ohne entsprechende und an die Pandemiesituation angepasste Cybersecurity-Maßnahmen zu implementieren, birgt ein enormes Risiko. Die jüngsten Ransomware-Vorfälle unterstreichen, wie wichtig sofortiges Handeln ist", betont Gottfried Tonweber, Leiter Cybersecurity und Data Privacy bei EY Österreich.

Budgets für Cybersicherheit unterschreiten tatsächlichen Bedarf

Trotz der zunehmenden Bedrohung durch Cyberangriffe sind die Budgets für Cybersicherheit im Verhältnis zu den gesamten IT-Ausgaben weiterhin niedrig. Während die Unternehmen der Befragten im letzten Geschäftsjahr einen durchschnittlichen Umsatz von 11 Mrd. US-Dollar erzielten, betrugen die durchschnittlichen Ausgaben für Cybersicherheit nur 5,28 Mio. US-Dollar.

Das Bild variiert je nach Sektor etwas: In den stark regulierten Sektoren Finanzdienstleistungen und Technologie, Medien und Unterhaltung sowie Telekommunikation gaben die GISS-Befragten im vergangenen Jahr durchschnittlich je nach Sektor zwischen 9,43 Mio. und 9,62 Mio. US-Dollar für Cybersicherheit aus. Am anderen Ende des Spektrums investierten Energieunternehmen im Durchschnitt nur 2,17 Millionen Dollar. Es zeigen sich auch Unterschiede nach Unternehmensgröße, wobei die kleinsten Unternehmen in Relation einen deutlich größeren Anteil ausgeben.

Fast vier von zehn Befragten (39 %) warnen, dass das Budget ihres Unternehmens nicht ausreicht, um die neuen Herausforderungen der letzten zwölf Monate zu bewältigen. Derselbe Prozentsatz gibt an, dass die Ausgaben für die Cybersicherheit nicht angemessen in die Kosten strategischer Investitionen, wie z.B. die Umgestaltung der IT-Lieferkette, einbezogen werden. Gleichzeitig ist mehr als ein Drittel (36 %) der Meinung, dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis in ihrem Unternehmen ein größerer Sicherheitsvorfall auftritt, der hätte vermieden werden können, wenn mehr in die Cybersicherheit investiert worden wäre.

Drazen Lukac, Leiter Risk IT und Cybersecurity bei EY Österreich, dazu: „Die Auswirkungen der Unterfinanzierung und der Budgetbeschränkungen werden akut spürbar sein, da Attacken immer häufiger und raffinierter werden. So wie Sicherheit ein fester Bestandteil jedes physischen Produktentwicklungsprozesses ist, muss sie es auch bei der Entwicklung digitaler Produkte und Dienstleistungen sein. Das Versäumnis, Sicherheit in digitale Produkte und Dienstleistungen einzubauen, wird unausweichlich zu einem Anstieg erfolgreicher Cyberattacken führen.“

CISOs essenziell für gesicherte Zukunft der Unternehmen

Laut GISS 2021 mangelt es den wesentlichen Beziehungen zwischen CISOs (Chief Information Security Officers, also Cybersecurity-Führungskräften) und anderen zentralen Funktionen im Unternehmen an Positivität und Stärke: 41 Prozent der befragten Cybersecurity-Führungskräfte beschreiben ihre Beziehung zur Marketingfunktion als negativ, weitere 28 Prozent schätzen ihr Verhältnis zu den Eigentümern als schlecht ein. Während im Jahr 2020 noch ein gutes Drittel der Befragten (36 %) zuversichtlich war, dass die Cybersicherheitsteams in der Planungsphase neuer Geschäftsinitiativen konsultiert werden, hat sich diese Zahl im Jahr 2021 auf 19 Prozent fast halbiert.

„CISOs sind von zentraler Bedeutung für die Bemühungen der Unternehmen, sich zu transformieren und durch erhöhten Cybersicherheitsanspruch langfristige Werte zu schaffen. Die Investition in den Aufbau einer strategischen Beziehung zwischen CISOs, CEOs und dem Rest der Führungsebene trägt dazu bei, dass Transformationsprogramme nicht nur erfolgreich sind, sondern auch auf eine die Cyberrisiken reflektierende Weise für die Organisation und ihre Mitarbeiter umgesetzt werden“, erklärt Benjamin Weißmann, Leiter Cyberforensik bei EY Österreich. „CEOs, die ihre Visionen verwirklichen und ihr Unternehmen durch Technologie transformieren wollen, müssen die kontinuierlich steigende Gechäftsrelevanz von Cyber-Risiken auf ihrer Agenda haben. Es ist Aufgabe der CISOs, dafür zu sorgen, dass die CEOs den Wert von Investitionen in die Cybersicherheit richtig einschätzen und diese als integralen Bestandteil der Transformationsreise erkennen.“