Turbinenservice-Tochter : Siemens gibt TurboCare-Mehrheit ab

Die Siemens-Einheit ging aus einer früheren Kooperation mit dem US-Elektrokonzern Westinghouse hervor und hält vor allem ältere Turbinen von Fiat und Westinghouse in Schuss. Zudem sollte TurboCare das Serviceangebot der Münchner auf Turbinen anderer Hersteller erweitern. Nun kommt sie unter die Kontrolle der Schotten, die künftig mit 51 Prozent die Mehrheit an dem Joint Venture mit 4.500 Beschäftigten halten. Der Wood-Manager Mark Dobler übernehme dessen Führung.

Mehr Rendite herausholen

Zuletzt erwirtschaftete TurboCare einen Gewinn vor Steuern von 21,2 Millionen Dollar (15,6 Millionen Euro), die Wood-Sparte 16,5 Millionen Dollar. Siemens bringt Werte über 428 Millionen Dollar in die Partnerschaft ein, die Briten über 619 Millionen Dollar, wie Wood mitteilte. Nach drei Jahren seien Synergien über 15 Millionen Dollar zu erwarten. Daneben rechnet der Wartungsanbieter noch mit einer Zahlung von 70 Millionen Dollar, die von der Gemeinschaftstochter an Wood fließen soll. Angaben zum Umsatz machten die Unternehmen nicht. Aus der Siemens-Tochter sei künftig noch mehr an Rendite herauszuholen, sagte Wood-Chef Bob Keiller. Erst Anfang des Jahres hatte TurboCare sein US-Geschäft saniert und mehrere Standorte zusammengelegt.

Die beiden neuen Partner haben in den Verträgen, die ab dem ersten Quartal 2014 gelten sollen, bereits Ausstiegsklauseln vereinbart. So können sie ihre Anteile sich gegenseitig anbieten oder mitverkaufen, wenn einer sie an einen Dritten abgibt. In der Vergangenheit hat sich Siemens häufig mittels ähnlicher Konstrukte aus Geschäftsfeldern über die Zeit ganz verabschiedet.

Kompetenz-Bündelung

Zusammen wollen die beiden Unternehmen künftig ihre Kompetenzen bei der Wartung von Kraftwerks- und Industrieturbinen sowie Generatoren bündeln. Insbesondere mit Gaskraftwerken in Europa liefen die Geschäfte zuletzt schlecht, in Übersee allerdings deutlich besser. Siemens betreibt in seinem Energie-Sektor weiterhin ein Service-Segment für die Turbinen aus eigener Herstellung.

Das Servicegeschäft mit Energietechnik zählt bei Siemens eigentlich zu den Ertragsperlen mit Renditen von mitunter über 20 Prozent und langjährigen Verträgen. Um Kunden nicht zu härteren Preisverhandlungen anzustiften, hält der Konzern die Zahlen für seine Kraftwerkswartungsdivision sogar unter Verschluss. Die Abtretung an Wood spricht nach Ansicht von Experten allerdings dafür, dass sich für Siemens die Wartung von Fremdturbinen nicht so gerechnet hat wie erhofft.

Analysten erfreut

Analysten begrüßten den Schritt aus Sicht der Briten. Allerdings hätte sich mancher Anleger gewünscht, Wood hätte das Geschäft verkauft. Die Schotten ringen mit Konkurrenten, die Turbinen auch selbst bauen. Bei Neubauten schließen Energieversorger und Industrieunternehmen in der Regel längerfristige Serviceverträge mit den Herstellern ab. Um mitzuhalten, bot der Dienstleister aus Aberdeen häufig riskante Pauschalverträge an, die bei Fehlschlägen auf die Marge drückten. "Unser Risikoprofil war in der Gasturbinensparte bisher zu hoch", räumte Wood-Chef Keiller ein. (APA/Reuters)