Bau : Rio Tinto will Glencore nun doch nicht

In der Bergbaubranche ist der Versuch gescheitert, einen neuen Weltmarktführer zu schaffen. Der britisch-australische Minenkonzern Rio Tinto schlug nach eigenen Angaben ein Fusionsangebot des Rohstoffriesen Glencore aus. Beide zusammen würden an der Börse rund 160 Mrd. Dollar (127,3 Mrd. Euro) auf die Waage bringen. Rio Tinto ist der zweitgrößte Eisenerz-Produzent der Welt.

Wie das Unternehmen am Dienstag in Melbourne mitteilte, hatte der kleinere Rivale aus der Schweiz im Juli Kontakt zu ihm aufgenommen, war aber einen Monat später mit dem Annäherungsversuch abgeblitzt. Seitdem habe es keinen weiteren Kontakt gegeben, erklärte Rio Tinto. Der Vorstoß weckt Erinnerungen an den fehlgeschlagenen Versuch des Branchenführers BHP Billiton aus dem Jahr 2008, Rio zu schlucken.

Im Visier der Konkurrenz

Vor kurzem waren Medienspekulationen aufgekommen, dass der Konzern mit Sitz in London erneut ins Visier eines Konkurrenten geraten sei. Die Agentur Bloomberg hatte gemeldet, Glencore habe in den vergangenen Wochen bei dem chinesischen Großaktionär von Rio Tinto, dem Aluminiumkonzern Chinalco, in Sachen Fusion vorgefühlt.

Von Chinalco - mit knapp zehn Prozent an Rio beteiligt - war dazu zunächst keine Stellungnahme zu erhalten. Für die Chinesen erwies sich das Aktienpaket als Verlustgeschäft. Sie waren Anfang 2008 beim Rio-Konzern eingestiegen, der sich damals gegen die Übernahme durch BHP Billiton wehrte. Mittlerweile ist der Rio-Aktienkurs in London auf rund die Hälfte des damaligen Preises von 60 Pfund (aktuell 76,4 Euro) abgerutscht.

Branchenkenner verweisen darauf, dass die Rio-Aktionäre bei einer Übernahme des Konzerns einen massiven Aufschlag auf den aktuellen Aktienkurs fordern dürften. Zudem gelten die unterschiedlichen Firmenkulturen als erhebliche Hürde für ein Zusammengehen: Während Rio eher eine vorsichtige Linie verfolgt, wird Glencore als angriffslustig betrachtet.

Zusammenschluss sei "nicht im besten Interesse"

Die Rio-Tinto-Führung erklärte, sie sei nach Beratungen mit Juristen und Finanzberatern einmütig zu dem Ergebnis gekommen, dass ein Zusammenschluss mit Glencore "nicht im besten Interesse" des Konzerns wäre. Die Papiere von Rio Tinto legten an der Börse in Sydney um bis zu 4,7 Prozent zu. Eine feindliche Übernahme durch Glencore muss Rio Tinto nach Ansicht eines seiner größten Aktionäre in Australien jedoch nicht befürchten: "Das wäre wohl doch ein großer Bissen", sagte Manager Jason Beddow von Argo Investments.

Glencore gilt als ausgesprochen übernahmefreudig. Branchenkenner verweisen darauf, dass Eisenerz perfekt in die Produktpalette des Rohstoffriesen mit Sitz in Baar im Schweizer Kanton Zug passen würde. Das Unternehmen ist bereits bei Kupfer, Nickel, Zink und Kohle stark aufgestellt. Im vergangenen Jahr hatte es den Konkurrenten Xstrata für rund 46 Mrd. Euro geschluckt und damit die größte Übernahme in der Branchengeschichte gestemmt.

Die im März vorgelegte erste Jahresbilanz von Glencore Xstrata wies einen bereinigten operativen Gewinn (Ebitda) von 13,1 Mrd. Dollar aus und übertraf die Erwartungen der Fachleute bei weitem. Rio Tinto hatte sich dagegen nach Verlusten wegen Fehleinkäufen in Milliardenhöhe einen Sparkurs verordnet, der zuletzt Früchte trug. Im August meldete der Konzern einen bereinigten Halbjahresgewinn von 5,1 Mrd. Dollar, ein Plus von 21 Prozent. Der Preis für Eisenerz, das gewinnträchtigste Produkt in der Rio-Palette, ist zuletzt wegen des überreichlichen Angebots auf dem Weltmarkt stark gefallen und nähert sich dem tiefsten Niveau seit fünf Jahren. (APA/Reuters)