KÜNSTLICHE INTELLIGENZ | in Kooperation mit Land OÖ : Oberösterreich übersetzt KI-Strategie in Wertschöpfung
Mit der Kampagne „WunderKInd Oberösterreich“ soll die breite Öffentlichkeit umfassend über KI informiert werden.
- © Land OÖOberösterreich will sich als führende KI-Region in Europa positionieren. Nach einer Strategiephase startet das Land mit der Kampagne „WunderKInd Oberösterreich“ in die Umsetzung seiner KI-Exzellenzstrategie. Präsentiert wurde das Vorhaben durch den Landeshauptmann von Oberösterreich gemeinsam mit Universitätsprofessor Teodoro Cocca und Assoc.-Universitätsprofessor Johannes Brandstetter. Künstliche Intelligenz soll nicht nur in Forschungseinrichtungen entwickelt, sondern breit in Wirtschaft und Gesellschaft angewendet werden. Ziel sei mehr Wertschöpfung, mehr Wohlstand und die Sicherung von Arbeitsplätzen im Land.
„Oberösterreich bringt alles mit, um eine führende KI-Region in Europa zu sein – wirtschaftliche Stärke, exzellente Forschung und eine Gesellschaft, die offen für Innovation ist“, sagt der Landeshauptmann. Nun gehe es darum, dieses Potenzial „konsequent in Wertschöpfung und Arbeitsplätze zu übersetzen“. Die Kampagne markiert den Übergang in konkrete Projekte.
Der Engpass liegt beim Transfer.
Die KI-Exzellenzstrategie wurde im Auftrag des Landes mit Expertinnen und Experten aus Wissenschaft, Wirtschaft und weiteren Bereichen erarbeitet. Auch Vertreter aus Bayern wurden zum Thema Venture Capital eingebunden. In Workshops mit Industrie, Universitäten, Hochschulen und Zivilgesellschaft wurden zentrale Handlungsfelder definiert.
Die Analyse des Landes fällt eindeutig aus: Das Problem liege nicht in einem Mangel an Wissen. Oberösterreich verfüge über eine starke industrielle Basis, über Forschungskompetenz und Ausbildungsstrukturen. Entscheidend sei, vorhandenes Wissen schneller in Anwendungen, Geschäftsmodelle und konkrete Projekte zu bringen.
Meinhard Lukas verweist auf „ein starkes Fundament in Forschung und Ausbildung“. Entscheidend sei nun, den Transfer in die Praxis zu beschleunigen. Auch Brandstetter betont die Anwendungsebene: Künstliche Intelligenz entfalte ihre Wirkung erst dann, wenn sie in Industrie, Prozessen und Alltag konkret eingesetzt werde.
Für den Industriestandort Oberösterreich ist diese Ausrichtung zentral. KI wird hier als Technologie verstanden, die bestehende Stärken erweitern soll: in Produktion, Prozessoptimierung, Automatisierung, Qualitätssicherung, Entwicklung und neuen Geschäftsmodellen.
Neues Finanzierungsökosystem für Start-ups.
Ein Schwerpunkt der nächsten Umsetzungsschritte liegt auf der Finanzierung von Innovation. Oberösterreich will Start-ups den Zugang zu Venture Capital und internationalen Netzwerken erleichtern. Zugleich soll Wertschöpfung dauerhaft am Standort gehalten werden. Nach Angaben des Landes wird konkret an neuen Finanzierungsinstrumenten gearbeitet.
„Ein innovationsstarker Standort braucht nicht nur Ideen, sondern auch Kapital und Strukturen, um daraus erfolgreiche Unternehmen entstehen zu lassen“, sagt Cocca. Bereits stattgefunden haben erste Gespräche und Workshops, um Strategien für ein neues Start-up-Finanzierungsökosystem zu entwickeln.
Dabei betont das Land, keine Parallelstrukturen schaffen zu wollen. Statt neue Systeme aufzubauen, soll auf bestehenden Strukturen aufgesetzt werden.
Konkret nennt das Land mehrere Bausteine: Matchmaking-Plattformen zwischen Start-ups und Leitbetrieben, Strategien für Spin-offs aus Hochschulen, den Ausbau von Venture-Capital-Strukturen und Co-Investments sowie die Weiterführung bestehender Initiativen zum Wissenstransfer im Bereich KI in Industrie und Wirtschaft.
Ein besonderes Augenmerk liegt auf Spin-offs aus Hochschulen. Hier verweist das Land auch auf bestehende rechtliche Regelungen, die bei sogenannten Diensterfindungen ein enges Korsett vorgeben. Damit rückt eine zentrale Frage der industriellen Nutzung akademischer Forschung in den Vordergrund: Wie rasch können Forschungsergebnisse in unternehmerische Aktivität übersetzt werden?
Oberösterreich bringt alles mit, um eine führende KI-Region in Europa zu sein – wirtschaftliche Stärke, exzellente Forschung und eine Gesellschaft, die offen für Innovation ist.
Internationale Anbindung als Ziel.
Neben der Finanzierung soll die internationale Vernetzung ausgebaut werden. Angedacht ist eine stärkere Anbindung an Start-up- und Innovationsnetzwerke, auch internationale Experten sollen eingebunden werden. Industrielle KI-Anwendungen benötigen Forschungspartner, Kapital, Marktzugänge, Leitbetriebe und Talente. Oberösterreich will sich daher als Knotenpunkt eines breiteren Innovationssystems positionieren.
Der Anspruch für die Zukunft lautet also: Oberösterreich soll „ein führender Standort für industrielle KI“ werden – ein Ort, an dem Innovation entsteht, umgesetzt und in wirtschaftlichen Erfolg übersetzt wird.
KI soll in Gemeinden und Vereine kommen.
Die Strategie ist nicht ausschließlich auf Unternehmen und Forschungseinrichtungen ausgerichtet. Unter dem Schlagwort eines „KI-fitten Oberösterreich“ entstehen Bildungs- und Informationsangebote für die Bevölkerung.
In Zusammenarbeit mit dem OeAD, der Agentur für Bildung und Internationalisierung, wird ein Format entwickelt, das breiten Zugang zu Kursen und Workshops im Bereich KI ermöglichen soll. Der OeAD hat in Oberösterreich laut Land bisher 979 Workshops in 170 Gemeinden zu Digitalisierung und KI durchgeführt. Rund 9.800 Teilnehmerinnen und Teilnehmer wurden erreicht. Weitere 130 Workshops in 53 Gemeinden sind geplant.
Ab 9. April startete zudem eine landesweite Vortragsreihe der Servicestelle Ehrenamt des Landes an den Bezirkshauptmannschaften. Sie richtet sich an Ehrenamtliche und engagierte Personen in den Regionen. Im Mittelpunkt steht ein praxisnaher Einblick, wie KI-Tools Vereinsarbeit erleichtern können. Der Eintritt zu den Infoabenden ist frei, Informationen und Termine werden über treffpunkt-ehrenamt.at bereitgestellt.
Dieser Ansatz stellt den Versuch dar, KI nicht nur in Forschungseinrichtungen und Unternehmen zu denken, sondern „zu den Menschen“ zu bringen – in Gemeinden, Vereine und den Alltag.
Ergänzend wird ein digitales Weiterbildungsangebot aufgebaut. Geplant sind sieben Videomodule, ein weiteres Modul zu rechtlichen Fragen soll folgen. Die Inhalte werden auf der Weiterbildungsplattform von Treffpunkt Ehrenamt bereitgestellt.
Umsetzung in den kommenden Wochen.
Die nächsten Wochen sollen im Zeichen der Umsetzung stehen. Vorgesehen sind der Start der Kampagne „WunderKInd Oberösterreich“, der Auftakt der Vortragsreihe, die Fertigstellung der Weiterbildungsplattform sowie die Konkretisierung der Gespräche im Bereich Venture Capital. Damit setzt Oberösterreich auf eine Doppelstrategie: KI soll als industrielle Schlüsseltechnologie stärker in Unternehmen, Start-ups und Forschung verankert werden. Zugleich will das Land Akzeptanz und Anwendungskompetenz in der Breite schaffen.
Der wirtschaftspolitische Kern bleibt eindeutig: Aus Wissen sollen schneller Anwendungen entstehen, aus Anwendungen Geschäftsmodelle und daraus Wertschöpfung am Standort. „Wir haben die Strategie – jetzt setzen wir sie Schritt für Schritt um“, sagt der Landeshauptmann. Der Anspruch sei, dies „mit Tempo, mit Klarheit“ zu tun.