Autotest : Mitsubishi Pajero: Das Benutzfahrzeug

Auch Klänge haben Freunde. Was dem einen das aggressive Pfauchen eines Zwölfzylinders, ist dem anderen das kernige Nageln eines Diesels. So sorgt das Umdrehen des Zündschlüssels beim Pajero sofort für Sympathie – ist man Liebhaber rustikaler Fortbewegung. Unter dieser Kühlerhaube wird ehrliche Arbeit geleistet – und wo gehobelt wird, dürfen auch mal Späne fallen. Seit 33 Jahren baut Mitsubishi den Pajero und der getestete Fünftürer hat mit dem Urmodell durchaus noch gemeinsame Tugenden. Wir fuhren ihn in allen Betriebsarten: am harten Offroad-Parcours in grenzwertigen Schräglagen, auf engen Passstraßen in interessanten Kurvenlagen und auf der Autobahn. Eines vorweg: Seinen dienstbaren Charakter hat der Pajero auch in der vierten Modellvariante beibehalten. Bitte nicht aussteigen Doch der Reihe nach: Wer einmal mit einem professionellen Mitsubishi Instruktur im schweren Terrain war, beginnt bestenfalls an der persönlichen Geländefähigkeit zu zweifeln. Wir fuhren mit der fünftürigen Langversion Steigungen und Neigungen mit Expeditionscharakter. Selbst wenn man im Alltag selten 70 Zentimeter tiefe Gewässer durchwatet oder 35 Grad steile Hänge bezwingt – es tun zu können, schafft ein erhabenes Gefühl. Die ultimative Wegfahrhilfe ist das sperrbare Hinterdifferential. Wenn ein Gelände selbst damit nicht mehr befahrbar ist, fragt man sich, was ein Mensch mit einem Auto an Orten soll, an denen er nicht mehr aussteigen kann. Hier gehts weiter

Von zwei Differentialsperren, der Getriebeuntersetzung und dem Allradantrieb befreit, macht der Pajero auf der Landstraße eine passable Figur. Das Fahrwerk ist auf universellen Einsatz getrimmt, die Lenkung ein wenig indirekt, aber in schnellen Kurvenkombinationen reagiert der Große agiler als man meinen möchte. Die selbsttragende Karosserie und vier einzeln aufgehängte Räder sorgen für zeitgemäßes Fahrverhalten. Zeitgemäß ist auch der Norm-Durchschnittsverbrauch von 7,8 Litern, aus dem im Alltag wohl eher ehrliche neun Liter werden. Wirklich unangenehm ist der Durst des Japaners nur jenseits der Richtgeschwindigkeit auf der Langstrecke. Leistung gibt’s genug für 180 km/h, ab 150 gurgeln schon mal 15 Liter Diesel durch die Einspritzleitungen. Fast zweieinhalb Tonnen Gewicht und zwei Meter Bauhöhe fordern ihren Mineralölbeitrag. Vorwurf ist das keiner – schließlich beklagt auch niemand, dass ein 40-Tonner schlecht in städtische Parklücken passt. Kampfpreis Angetrieben wird der Pajero ausschließlich von einem 3,2-Liter-Selbstzünder mit 200 PS. Bei ihm ist der Trend zum Downsizing in der Motorenkonstruktion glücklicherweise noch nicht angekommen. Der Vierzylinder ist ein robustes Aggregat, das praktisch nicht umzubringen ist. Und so sind 41.290 Euro für ewiges Durchkommen ein fairer Preis. Das kostet der Fünftürer in der Inform-Ausstattung und macht ihn damit in seiner Klasse konkurrenzlos günstig. Toyotas Landcruiser startet bei gut 51.000 Euro, Landrovers Discovery gar bei 57.000. Damit sind die ernstzunehmenden Mitbewerber auch schon aufgezählt. Wir fühlten uns im zweckmäßigen Interieur der Inform-Ausstattung wohlig aufgehoben, wer mehr Luxus sucht, findet ihn in der Instyle-Variante. Hier zieht Mitsubishi alle Register. Eine opulente Vollleder-Bestuhlung darf ebenso mit an Bord wie allerhand Schnickschnack und ein 420-Watt-Soundsystem. Für dessen Klänge finden sich vermutlich genausoviele Freunde. Mitsubishi Pajero 3,2 DI-D Der fünftürige Geländewagen wird von einem Vierzylinder-Commonrail-Diesel mit 200 PS angetrieben. In der Inform-Variante mit Fünfganggetriebe, als Intense- oder Instyle-Modell mit Automatik. Serienmäßig ist das sperrbare Mitteldifferential wie das Untersetzungsgetriebe, gegen Aufpreis gibt es eine Hinterachsdifferentialsperre.Eine optionale dritte Sitzreihe macht den Pajero zum vollwertigen Siebensitzer. Das Preisband für den Fünftürer reicht von 41.290 Euro (Inform) bis 65.600 Euro (Instyle) inklusive aller Steuern. Hans-Florian Zangerl