Trend zur Auslagerung : Lageroutsourcing: Raus damit
Die Produktion ausgelagert, das Lager selbst betrieben: Für Thomas Parkfrieder, SCM-Leiter von Eckes-Granini Austria, bot der Unternehmensumzug an den neuen Standort in St. Florian bei Linz Gelegenheit, diese für einen Industriebetrieb paradoxe Situation zu beenden und auch das Distributionslager outzusourcen. Abgefüllt werden die Fruchtsäfte und –sirupe für die Österreich-Tochter des deutschen Getränke-Konzerns bei Radlberger in der Nähe von St. Pölten, wo sich auch ein Konsignationslager befindet. „Da kann man die Ware noch eine Weile stehen lassen.“ Am früheren von der Ybbstaler Fruit Austria gemieteten Standort Kröllendorf bei Amstetten hatte Eckes-Granini das Lager noch selbst betrieben. Im Sommer 2010 reichte Parkfrieder es Kilometer-sparend an die Schachinger-Tochter i-LOG Integrated Logistics weiter: „Deren Lager liegt für uns verkehrsgünstig in Stockerau an der Achse Richtung Wien.“ Schachinger übernahm zusätzlich auch Leistungen von der Warenübernahme über die Feinkommissionierung und Zustellung bis zum Palettenmanagement. Den Displaybau wurde an Kooperationspartner Packservice ausgelagert. „Die bauen unsere Displays, liefern sie ins Lager, und sie gehen mit den Bestellungen hinaus“, erläutert Parkfrieder. Damit ist er eine Aufgabe los, die ihm seine Kunden abverlangen, die aber nicht zu seinem Kerngeschäft gehört. Joachim Kratschmayr, Österreich-Geschäftsführer von Packservice, sieht hier großes Kostenreduktionspotenzial für Produzenten, die den Handel beliefern: „Hersteller, die nur ein oder zwei Displayaktionen im Jahr durchführen, müssen weder Verpackungsmaterial noch andere Hilfsmittel vorhalten.“ KO-Kriterium SAP-Tauglichkeit.„Ein Ziel war, die Lagerkosten variabel und kalkulierbar zu machen“, sagt Parkfrieder. Ein weiterer Knackpunkt war die Prozessvereinfachung durch Anbindung an das bei Eckes-Granini neu eingeführte SAP-ERP-System: „Wir haben die Schnittstellen für den Logistiker gleich mitgebaut. Deshalb war auch die SAP-Tauglichkeit bei der Auswahl ein KO-Kriterium.“ Die elektronische Anbindung des Logistikers ermöglichte die Automatisierung von Bestellung und Auftragsabwicklung.Bartosz Piekarz, Leiter des Bereichs Logistik-Engineering bei i-LOG, beobachtet derzeit einen kostengetriebenen Trend zur Lager-Auslagerung vor allem bei Nahrungsmittel- und Getränkeherstellern: „Für sie bietet Warehousing beim Logistikdienstleister eine optimale Bündelung auf der Distributionsseite, weil die Ware vom Produzentenlager nicht erst auf die Dienstleisterplattform überstellt werden muss.“ Übernimmt der Lagerlogistiker zusätzlich noch Co-Packing und Dolly-Abwicklung, entfallen auch unnötige Transporte: „Die können bei externen Co-Packern bis zu mehreren hunderttausend Euro pro Jahr ausmachen.“ Das Einsparungspotenzial sei hoch, weil keine fixen Kapazitäten mehr vorgehalten werden müssen. Aus fixen variable Kosten machen.Neben der Variabilisierung von ehemaligen Fixkosten sieht Daniel Palm, Bereichsleiter für Produktions- und Logistikmanagement bei Fraunhofer Austria Research, Platz- und Personalnot als Gründe für die Auslagerung der Lager: „Häufig braucht die Produktion mehr Fläche, viele Unternehmen wollen auch einen reduzierten Personalstamm in der Logistik nicht sofort wieder aufbauen.“ Vor allem Branchen, die sich schnell von der Krise erholt und jetzt wegen steigender Auftragseingänge wieder mit Kapazitätsproblemen zu kämpfen haben, machen aus ihrer Intralogistik gern eine externe Leistung. „Viele beschäftigen sich mit neuen Technologien in Produktion oder Produkt, die sie in ihre Fertigung integrieren müssen. Da liegt es nahe, dass die Logistik weichen muss“, sagt Palm.Gebrüder Weiss-Logistikchef Wolfgang Bösch ortet als Auslöser von Lager-Outsorcing auch „in die Jahre gekommene Gebäude und Lagereinrichtungen, zusätzliche gesetzliche Auflagen bei Brandschutz oder Hygiene und Entwicklungen im Finanz- und Riskomanagement, wie die Volatilität von Währungen, Märkten, politischer und finanzieller Sicherheit von Ländern“. Keine höheren Lager-Mieten.Peter Hochsteger, Lager-Leiter der Spedition Johann Weiss, veranschlagt das Sparpotenzial durch Lagerausgliederung bei Industriebetrieben jedoch deutlich geringer als beim Handel: „Sie benötigen die Immobilie ja weiterhin zur Produktion.“ Dazu kommen noch Mietkosten für externe Läger – die Preisentwicklung ist durchwachsen: „Die Mietpreise stagnieren seit einigen Jahren. Eine Anpassung mit der jeweiligen Indexanpassung ist extrem schwierig.“ Es sei, denn Lage und Infrastruktur sind perfekt: „Lagerflächen mit guter Verkehrsanbindung und guter Infrastruktur wie ausgebautem Hochregal oder ausreichender Größe der Umschlagshalle samt Anpassrampen, sind nahezu nicht mehr verfügbar.“ Bei den Mieten geht folglich die Schere weiter auf, beobachtet auch Schachinger-Manager Piekarz. Wer keine besonderen Ansprüche stellt, kann billig wegkommen: „Es gibt derzeit ein Überangebot an qualitativ wenig hochwertigen Flächen, die für allgemeine Industriegüter mehr oder weniger passend sind. Knapper ist das Angebot bei hochwertigen, temperaturgeführten Lagerhallen.“ Seite 2: Viele Industriebetriebe wissen nicht, was ihr Lager kostet.
C-Teile fliegen raus.Oft tasten sich Hersteller, die ihre Lager bislang selbst geführt haben, schrittweise an die Auslagerung heran. Johann Weiss-Logistiker Peter Hochsteger sieht eine Teil-Auslagerung als Einstiegsdroge: „Wir bieten oft zuerst ein Outsourcing-Modell light an: Hier wird nur eine kleine Produktpalette ausgelagert, um den Logistiker testen zu können.“ Oft reicht auch das schon für einen kräftigen Rationalisierungsschub, sagt Fraunhofer-Experte Daniel Palm: „C-Teile-Management oder Vendor Managed Inventory-Konzepte, bei denen das Lager beim Zulieferer angesiedelt ist, sind recht risikoarme Varianten und auch von der Komplexität her überschaubar.“ Wie bei Eckes-Granini ortet er auch einen Trend, verstärkt hoch spezialisierte Dienstleistungen im Bereich Verpackung, Datenmanagement oder Transportoptimierung nachzufragen, die sogar Logistikdienstleister selbst unter-outsourcen.Durchrechnen müssten die Produzenten die Auslagerung von Warehousing-Diensten vorab jedenfalls gründlich, meint Palm: „Aber bitte mit Total-Cost-Ansätzen und nicht mit Milchmädchenrechnungen.“ Bei vielen Unternehmen läuft diese Entscheidung auf eine grundsätzliche Neustrukturierung der Produktionsstrategie hinaus. „Welcher Standort produziert was, was sind die Standortstrategien, wie sieht die Supply Chain-Strategie aus? Da sehen wir im Moment extrem viel Potential und Handlungsbedarf im produzierenden Sektor.“ Hausaufgaben nicht gemacht.Nur hapert es bei vielen Unternehmen noch mit den Hausaufgaben. „Die Logistik ist in vielen Produktionsbetrieben noch ein Stiefkind“, weiß Wolfgang Bösch. Fraunhofer befragte im Auftrag des ÖPWZ hundert heimische Unternehmen zu ihrem Beschaffungs- und Logistikmanagement und stieß bei etlichen Industriebetrieben auf dezente Ignoranz wesentlicher Leistungskennzahlen im eigenen Haus: Von den Unternehmen mit effektivem Logistikmanagement verwenden zwar fast alle regelmäßig Kennzahlen wie Lagerkostensatz oder Lagerbestand, doch von den Firmen mit schwächerem Logistikmanagement nutzt ein gutes Drittel diese Parameter überhaupt nicht, um Kosten zu optimieren.Genau das wird aber künftig notwendig sein – nicht nur steigende Treibstoffpreise zwingen die Produzenten, sich genauer zu überlegen, was wo gelagert werden muss, glaubt Fraunhofer-Experte Palm: „Die starke Zentralisierung von Lagerstrukturen in den letzten Jahren muss auch angesichts knapperer Zeitvorgaben durch Kunden und ökologischer Gesichtspunkte kritisch gesehen werden. Wir sehen einen Trend zu dezentraleren Strukturen: Bei mehr kleineren Lagern bietet sich die Nutzung von externen Dienstleistern an, statt die Lager selbst zu betreiben.“ Gebrüder Weiss-Logistikchef Bösch sieht schon einen gegenläufigen Trend: „Es geht in Richtung von regionalen Lagern mit diversen gegenseitigen Back Up-Lösungen, sodass die Verfügbarkeit auch gesichert werden kann.“ Angebotsmatrix für Ausschreibungen.Ist die Outsourcing-Entscheidung einmal gefallen, schießen sich viele Unternehmen sich schon bei der Ausschreibung ins Knie, weil sie keine präzisen Vorgaben geben und Kraut-und-Rüben-Angebote zurückbekommen, weiß Logistik-Berater Timo Koch. Er rät deshalb zu einer standardisierten Angebotsmatrix für Ausschreibungen, die Vergleichbarkeit gewährleistet: „Sie sollte präzise Prozessbeschreibungen mit entsprechenden Mengen und Durchsätzen sowie Service-Level-Agreements enthalten, mit denen Qualitätsstandards festgelegt werden.“ Weiters empfiehlt Koch die Vorgabe von standardisierten Preisblättern, in denen Lagerdienstleister die entsprechende Werte einzutragen haben: „Die abgefragten Preise sollten sich an vorgegebenen Prozessen für Wareneingang, Kommissionierung und Lagerung orientieren.“ Die harte Liste will Koch aber unbedingt durch persönlichen Kontakt mit den Lagerlogistikern auf der Shortlist ergänzt sehen: „Man sollte den Dienstleistern die eigene Logistik zeigen. Im persönlichen Gespräch lassen sich offene Punkte schnell ausräumen.“ Darauf setzt auch Johann Weiss-Lagerlogistiker Peter Hochsteger: „Der wesentlichste Faktor ist immer noch das Vertrauen.“ Deshalb kann ein Outsourcing-Prozess schon einmal ein Jahr oder länger dauern. Hochsteger setzt hier auf Transparenz: „Wir bieten mittels Internetzugang ein gläsernes Warehouse an, wo Kunden zum Beispiel die aktuelle Lagerbelegung, Artikelbewegungen oder Auftragsstatus überblicken können.“ Maike Seidenberger Sie sollten an Lageroutsourcing denken, wenn... * Logistik nicht ihre Kernkompetenz ist.* Ihre Lagerhaltung und Liefertätigkeit von hohen Auslastungsschwankungen gekennzeichnet ist.* Ihr Geschäft saisonalen Einflussfaktoren unterliegt.* Sie nicht investieren, aber das Lagerpersonal einbringen wollen.* Sie Fixkosten zu reduzieren oder variabilisieren wollen. Neu bauen oder auslagern?Kalkulation Lagerneubau* Logistikkennzahlen der heutigen Abwicklung ermitteln* Hochrechnung der Kennzahlen auf einen Zeitraum von 5 Jahren* Entwurf eines beispielhaften Lagerlayouts mit Ablaufalternativen* Ermittlung des Personalbedarfs* Ermittlung von Investitionen und BetriebskostenKalkulation Lager-Outsourcing* Betrachtung von Outsourcing-Alternativen* Hochrechnung der Logistikkosten bei externen Betrieb* Ermittlung von Anlauf- und Übergangskosten* Risikobewertung zwischen Lagerneubau und Outsourcing