Ukraine-Krise : HeidelbergCement stellt Produktion im Osten ein
Der Baustoffkonzern HeidelbergCement hat wegen der kriegerischen Auseinandersetzung in der Ostukraine ein Zementwerk in der Nähe von Donezk stillgelegt. Die Separatisten hätten Bedingungen gestellt, worauf sich HeidelbergCement nicht einlassen wollte.
"Im Einklang mit den EU-Sanktionen wollen wir nicht mit den Separatisten kooperieren und haben die Produktion deshalb eingestellt", sagte ein Sprecher des Unternehmens am Dienstag. Die wirtschaftlichen Auswirkungen auf den Konzern seien zu vernachlässigen. Dennoch gebe es auch diplomatische Bemühungen in dieser Sache, ergänzte der Sprecher, wollte aber keine Einzelheiten nennen.
Absatzrückgänge in der Ukraine
HeidelbergCement ist eines der ersten deutschen Großunternehmen, das ein Werk wegen des Ukraine-Konflikts schließt. Zuletzt hatte der drittgrößte Baustoffproduzent nach Lafarge und Holcim bereits Absatzrückgänge in der Ukraine gemeldet. Dort haben die Rebellen die Gebiete um Donezk und Luhansk im Osten des Landes nach den international nicht anerkannten Wahlen Anfang November zu unabhängigen Volksrepubliken erklärt. Die Kämpfe zwischen Regierungstruppen und Rebellen hatten in den vergangenen Wochen wieder zugenommen. In dem Konflikt sind seit April rund 4.000 Menschen ums Leben gekommen.
Die drei Werke von HeidelbergCement in der Ukraine steuern zusammen weniger als ein Prozent zum Konzernumsatz des Dax-Konzerns bei. Die beiden anderen Werke im Westen und der Mitte des Landes seien bisher nicht beeinträchtigt, ergänzte der Sprecher. Die Zementmühle in der Nähe der Grenze zu Russland, die ausschließlich den lokalen Markt beliefert, hat eine Produktionskapazität von zwei Millionen Tonnen Zement im Jahr. Die Auslastung lag aber schon vor dem Konflikt wegen der schlechten wirtschaftlichen Entwicklung unter 50 Prozent. Insgesamt hat HeidelbergCement in seinen rund 100 Werken im vergangenen Jahr weltweit 91 Millionen Tonnen Zement und Klinker verkauft.
Ob die Produktion in der Ostukraine überhaupt wieder aufgenommen wird, ist dem Sprecher zufolge nicht absehbar. Derzeit seien die rund 500 Mitarbeiter noch mit Reinigungsarbeiten beschäftigt. "Wenn sich die Situation nicht klärt, sind die Jobs gefährdet", ergänzte der Sprecher. Alle Arbeitskräfte kämen aus der Ukraine, sodass keine deutschen Mitarbeiter aus Sicherheitsgründen nach Hause geholt wurden. (APA/Reuters)