Neue Modelle : Großstadt-Machos - Die neuen SUVs
Dafür, dass das Segment der SUVs ein eher junges ist, zeigt es sich überaus robust: In Europa ist mittlerweile jeder zehnte Neuwagen ein so genanntes Sport Utility Vehicle – also eine Geländelimousine. In Österreich und Deutschland sogar jeder siebte. Der Grund dafür dürfte wohl in der multiplen Einsetzbarkeit als Familien- und Freizeitfahrzeug samt großem Kofferraumvolumen liegen. Und im sportlich bullige Auftritt. Oder dem praktische Allradantrieb – der bei den heutigen SUVs jedoch keineswegs mehr Voraussetzung ist – und der prinzipiellen, wenn auch eher selten praktizierten Geländetauglichkeit.Analog zu den übrigen Fahrzeugtypen haben sich auch in jenem der SUVs verschiedene Kategorien herausgebildet: die Oberklasse, die grosso modo von den deutschen Premiummarken sowie Range Rover und Lexus abgedeckt ist; die Mittelklasse, das wäre zum Beispiel der BMW X3 oder der Audi Q5; die Kompaktklasse (Nissan Qashqai, VW Tiguan usw.) sowie die Kleinwagen-SUVs à la Suzuki Jimmy. Der mit Abstand größte Anteil (mehr als 60 Prozent der SUV-Neuzulassungen) entfällt auf die Kompaktklasse, und hier sind in diesem Jahr zwei von Grund auf neue Modelle dazugekommen, die sich mit Sicherheit zu bedeutenden Mitspielern mausern werden: Audis Q3 und der Range Rover Evoque. Gemorphter Q3.Audis Qualitäten sind ja grundsätzlich nicht hoch genug einzuschätzen – allen voran das technoid-teutonische, quasi „gemorpht“ uniforme Design –, aber in Sachen SUV, muss man sagen, waren die Ingolstädter die Letzten auf dem Terrain: ein Umstand, der umso erstaunlicher ist, als doch ausgerechnet sie sich als die großen Allrad-Spezialisten etabliert hatten. Wie auch immer: Erster unter den deutschen Anbietern war der Sowieso-immer-Primus Mercedes-Benz mit der 1997 vorgestellten M-Klasse, es folgten BMW mit dem X5 und, eine Weile später und zeitgleich, VWs Touareg und der Porsche Cayenne.Sie alle wurden ganz außerordentliche, selbst ihre Urheber noch überraschende Erfolge, weshalb man sich schließlich auch bei Audi etwas einfallen lassen musste: in Form des stromlinienförmig-futuristisch designten Q7, der 2006 herauskam. Und auch dieser Spätankömmling wurde vom Markt mitnichten abgestraft, sondern im Gegenteil mit offenen Armen aufgenommen – eine Ermutigung, gleich zwei Jahre später den Q5 folgen zu lassen. Heuer ist nun der kompaktformatige Q3 dazugekommen, und da es wohl keine Automarke gibt, deren Corporate Design so homogen ist wie jenes von Audi, so ist auch der Q3 vor allem eines: unverkennbar Audi. Dazu gehören Attribute wie die coupéhafte Linienführung – die sich durch eine niedrige, früh wieder absinkende Dachlinie und eine sehr flach stehende D-Säule äußert – sowie scharfe Kanten, keilförmige Scheinwerfer und natürlich der Single-frame-Kühlergrill.Der fünfsitzige Q3 ist 4,39 m lang, 1,83 m breit und 1,59 m hoch, er wiegt in der Basisversion 1.445 kg und fasst 460 l Gepäckraum, die sich durch Umklappen der Fondslehnen auf 1.365 l erhöhen lassen. Eine Dachreling ist ebenso wie die Durchlade inklusive Skisack Serie. Gleiches gilt für die Klima- und das Audiosystem mit acht Lautsprechern, das Start-Stopp-System, den Berganfahr-Assistenten sowie das Stabilisierungssystem ESP samt elektronischer Quersperre.Einiges im Q3 kommt direkt aus der Mittel- bzw. Oberklasse – freilich nur als Sonderausstattung. So etwa das adaptive Licht für die Xenon plus-Scheinwerfer sowie diverse Fahrerassistenzsysteme: der Parkassistent, der das Fahrzeug selbsttätig in die Lücke steuert; der Audi side assist, der den Spurwechsel per Radar erleichtert; und der Audi active lane assist, der beim Halten der Spur hilft. Der Audi Q3 rollt zum Start mit einem TDI-Motor und zwei TFSI-Motoren vom Band, sie sind allesamt mit permanentem Allradantrieb bestückt. Die drei Vierzylinder, die zwischen 125 kW (170 PS) und 155 kW (211 PS) leisten, kombinieren die Direkteinspritzung mit der Turboaufladung und einem Rekuperationssystem. Dynamischer Evoque.Dem Range Rover müssen wir zugute halten, dass er das SUV-Segment – zumindest in Europa, von den US-Country-Gefährten reden wir hier nicht – mehr oder weniger erfunden hat. Ab 1970 war er das standesgemäße Gefährt der betont bürgerlichen Kreise, sobald sie sich „locker“ gaben und sich zünftig in ländliche Gefilde (oder auch nur ins Einkaufszentrum) begaben. Im heurigen Jahr hat der Range Rover, den es bisher in der mächtigen Standard- sowie einer nicht nennenswert kleineren, motorisch aufgepeppten „Sport“-Version gab, nun einen Dritten im Bunde dazubekommen: den völlig neu designten, optisch aufsehenerregenden Evoque im Kompaktformat.Das Ergebnis sieht ein bisschen so aus, als hätte sich ein Avantgardedesigner in die Militärabteilung verirrt: ultraflache, schießschartenartige Fenster und Scheinwerfer, ungewöhnlich hohe und noch ansteigende Gürtel- und, damit kontrastierend, scharf abfallende Dachlinie. Ein dynamisch rüberkommender „Hingucker“, wie man so sagt, der in zahlreichen Spielarten kommt: als Coupé wie als Fünftürer; mit Vorder- bzw. Allradantrieb; als 2,2-Liter-Turbodiesel (mit 150 bzw. 190 PS) bzw. Benziner (240 PS); sowie in drei Ausstattungsvarianten. – Ebenfalls komplett neu – wenn auch optisch unverkennbar der kleine Bruder des CX-7 sowie des CX-9 – ist der Mazda CX-5. Er kommt wahlweise mit Front- bzw. Allradantrieb sowie als Benziner mit 165 PS sowie als Diesel (150 bzw. 175 PS). Dank eines extrem hohen Verdichtungsverhältnisses der Motoren sowie des serienmäßigen Strat-Stopp-Systems sollen sich Top-Verbrauchswerte ausgehen: So kommt der schwächere Diesel auf 4,5 l/100 km und 119 g CO2/km. Der Mazda CX-5 kommt im Frühjahr 2012 auf den Markt. Fortsetzung auf Seite 2: Die neuen SUV-Modelle
Neben einem Range Rover Evoque beispielsweise wirkt der VW Tiguan schon eher hausbacken, aber das ist vielleicht ein unfairer Vergleich, und außerdem: Viele Kunden mögen gerade das. Andernfalls hätte er sich wohl kaum zum Primus in der Kompaktklasse (in Österreich und Deutschland) aufschwingen können. Obwohl er relativ spät, nämlich vor erst vier Jahren, erstmals auftauchte, putzte er seine fernöstlichen Mitbewerber vom Schlag eines Nissan Qashqai, eines Hyundai iX35, Toyota RAV4 oder eines Kia Sportage doch auf Anhieb vom Feld. Man merkt schon, wir befinden uns hier mitten in der Neigungsgruppe Non-Premium, also nicht unter den Audis, Range Rovers oder BMWs dieser Welt.Jetzt ist der Tiguan einer sachten Modellpflege unterzogen worden. Optisch wurde die Frontpartie ein wenig jener des großen Bruders Touareg angeglichen, motorisch sind drei der sieben Vierzylinder-Direkteinspritzer neu. Die vier Benziner leisten zwischen 122 PS und 210 PS, die Selbstzünder zwischen 110 und 170 PS. Rekordhalter im Verbrauch ist der Tiguan 2.0 TDI mit BlueMotion Technology mit bloßen 5,3 l/100 km. Serienmäßig sind nützliche Dinge wie das Start-Stopp-System und die Müdigkeitserkennung (bei den Ausstattungsvarianten „Sport & Style“ sowie „Track & Style“), optional gibt es das stufenlose Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe und zahlreiche Assistenzsysteme. Grundsätzliche Vorzüge des Tiguan sind das hohe Kofferraumvolumen von 1.510 Litern und die Verfügbarkeit in einer Onroad- sowie einer Offroad-Version (mit erhöhtem Böschungswinkel von 28 Grad). – Ebenfalls aktuell modellgepflegt: der optisch gelungene Opel Antara mit optimierter Fahrwerkabstimmung und neuen, kräftigeren Motoren (ein Benziner mit 167 PS, zwei Diesel mit 163 bzw. 184 PS). Effizienter ML.Für Oberklasse-SUVs ist das Umfeld in den letzten Jahren schwieriger geworden. Ohne ins ohnehin bekannte Detail gehen zu wollen, wollen wir hier nur die Stichworte Benzinfresser-Image, Ölpreisanstieg, Teuerung, Klimaschutz und geringe Sozialverträglichkeit fallen lassen. Bei Mercedes-Benz versucht man diese Argumente durch ein erhöhtes Augenmerk auf energieeffiziente Maßnahmen zu kontern. Dazu gehören bei der neuen M-Klasse etwa der geringe Luftwiderstandsbeiwert cW = 0,32 sowie das Motoren-Downsizing. So ersetzt das bereits in der S-Klasse zum Einsatz kommende Vierzylinder-Aggregat mit EU-6-Niveau den 3,0-Liter-V6 des Vorgängers. Dieser ML 250 BlueTEC 4MATIC bringt es im NEFZ-Verbrauch auf bloße 6,0 l/100 km (158 g CO2/km). Auf die gesamte Reihe bezogen, konnte der Verbrauch der aktuellen M-Klasse gegenüber dem Vorgänger um durchschnittlich 25 Prozent gedrückt werden.Sowohl die beiden Diesel (mit 204 bzw. 258 PS) als auch der Benziner (306 PS) kommen als 4MATIC, sprich, mit permanentem Allradantrieb. Dass Mercedes-Benz das Thema offroad auch bei einem so edlen und kostbaren – in freier, unbefestigter Wildbahn wohl eher seltener anzutreffenden – Geschöpf wie dem ML ernst nimmt, stellt das umfangreiche serienmäßige Offroad-Programm unter Beweis. Es umfasst Positionen wie die elektronische Traktionssteuerung 4ETS, ein Offroad-ABS, einen Anfahr-Assistent und anderes mehr. Die neue M-Klasse, die soeben ihren Marktstart hat, kommt im markant eckig-kantigen Design, wie wir es vom Kompakt-SUV GLK her bereits kennen, das diesfalls aber elegant abgeschliffen wurde. Harald Sager