Serie Rohstoffrisiken - Richtig managen : Fässerweise Wagnisse

In den Krisenmonaten fuhr mehrmals die Feuerwehr aus. Am Steuer: Michael Zillner, Gründer und Eigentümer des Rohstoffpartners MERIT. Als 2008 die Preisbewegungen bei Rohstoffen zunahmen und der Ölpreis in den Keller rasselte, „war bei vielen Betrieben Feuer am Dach“, hat er den Crash noch sehr präsent. Mit „Feuerwehraktionen“, also Absicherungsgeschäften, begrenzte er das Risiko, wo es noch nicht zu spät war. Das rettete manchen in letzter Sekunde die Bilanz. Deshalb wundert sich der gute Mann, warum einige das Thema Risikoabsicherung im Rohstoffbereich immer noch mit spitzen Fingern anfassen. Anders die Luftfahrtindustrie. Dort sind Instrumente zur Absicherung gegen Risiken – konkret bei Kerosin – ein Überlebensfaktor. Treibstoff verursacht hier einen Kostenblock von 30 Prozent. Und Konzerne können gar nicht mehr anders, als sich Gedanken über Absicherungsstrategien zu machen – sie müssen ihrer Bilanz eine Risikobilanz beilegen. Aber auch die verarbeitende Industrie ist gut beraten, das Auf und Ab der Rohstoffpreise ernst zu nehmen. Nur ganz wenige Branchen wie die Veredelungsindustrie können die Preisbindungsklausel anwenden. Viele müssen Fixpreise akzeptieren. In Teil eins der Rohstoffserie des INDUSTRIEMAGAZIN lesen Sie, welche Risiken auf Produktionsbetriebe derzeit lauern – und wie Tools zur Absicherung von Rohstoffrisiken funktionieren.Heizöl teuerEin wenig aufatmen. Das können laut aktuellem Branchenausblick des Fachverbands Maschinen und Metallwaren die heimischen Maschinenbauer. In den letzten Monaten kam es zu einem beschleunigten Rückgang bei den Metallpreisen. Was sich auch im WIFO-Konjunkturtest widerspiegelt. Nur drei Prozent der befragten Unternehmer glauben an steigende Preise. Zugleich aber halten die hohen (Heiz-)Ölpreise die Branche in Atem (siehe Grafik: Heizölpreise). Denn Hersteller tun sich schwer, Mehrkosten bei der Rohstoffbeschaffung weiterzugeben. Deshalb gibt es Risikomanager wie Michael Zillner. Sein Job: Mittels Evaluierung des betrieblichen Risikos (siehe Kasten: So managen Sie sicher Ihre Rohstoffrisiken!), also viel Statistik und noch mehr Erfahrung, einen Maßnahmenkatalog für Unternehmen zusammenzustellen. Der es zumeist in sich hat – denn die Korrelation aller Finanzmärkte untereinander, so der Berater, sei zuletzt hochgeschnellt.Hier geht´s weiter

Entsprechend groß ist die Bandbreite an Absicherungsstrategien für Produktionsbetriebe wie etwa Maschinenbauer. Eine Strategie könnte – nach Evaluierung des Energiekostenrisikos unter Einbeziehung aller Marktschwankungen – der Sofortkauf aller erforderlichen Rohstoffe bei Auftragserteilung sein. Was bei eisern auf Bestandsoptimierung ausgerichteten Anlagen- oder Maschinenbauern häufig aber auf Widerstände stößt. Das Nachbessern von Rahmenverträgen mit Energielieferanten liegt Produktionsbetrieben erfahrungsgemäß mehr. „Betriebe können sich etwa um „attraktivere Dreijahrespreise“ bemühen, kennt Berater Michael Zillner einen möglichen Weg. Eine andere Möglichkeit: Ein Absicherungsgeschäft an der Bank – zum Beispiel den Kauf einer Call-Option – anzustreben. Preiserhöhungen sind dann abgesichert. „Und bei rückläufigen Notierungen verfallen die Optionen einfach“, weiß Zillner. Doch Vorsicht: Mitunter sind die Optionsprämien saftig. Kapitalpolster Absichern lassen sich Rohstoffrisiken auch an der Börse. „Futures-Terminkontrakte entsprechen am ehesten den Lieferantenfixierungen, die Produktionsbetriebe kennen“, sagt MERIT-Chef Michael Zillner. Short-Positionen bei Gas oder Rohöl können im einfachsten Fall mit Long-Positionen an den Terminbörsen neutralisiert werden. Dabei kompensieren Terminkontrakte bei steigenden Preisen die Kostenerhöhungen im Energieeinkauf. „Allerdings muss im schlechteren Fall Geld nachgeschossen werden“, weiß Zillner, dass ein dicker Kapitalpolster nicht schaden kann. Sein Tipp: Unbedingt die Preisformel der Lieferanten aufschlüsseln. So ist etwa der Gaspreis fast überall in Zentraleuropa an einen Korb aus Heizöl- und Fueloil-Notierungen an der Londoner Ölbörse gekoppelt. In letzter Zeit hat sich aber auch ein eigener Markt für Spotgase mit etlichen Lieferanten entwickelt. Hier lassen sich deutlich günstigere Preise erzielen. Sein grundsätzlicher Rat: Bei hohen Marktvolatilitäten könnten Optionseinkaufsstrategien mit -verkaufsstrategien kombiniert werden. Auf hohem Preisniveau eher Call-Käufe, bei tiefen Kursen eher Futures, die lange hin sind. Wenn die Risikominimierung in den Betrieben dann noch zur Chefsache erklärt würde, wäre Michael Zillner eigentlich ganz happy. Dann bliebe die Feuerwehr in der Betriebsgarage.