Exklusiv : EU-Normen bedrohen Geschäft von Austria Email
Walter Persch fürchtet die Pickerl: „Wir werden einen Straffaktor bekommen“, meint der Produktionsvorstand von Austria Email, wenn voraussichtlich 2012 verschärfte Energieeffizienzkriterien für rein elektrisch betriebene Warmwasserspeicher in Kraft treten. Rund 50.0000 Stück davon setzt das Knittelfelder Unternehmen pro Jahr ab, das sind etwa 40 Prozent aller verkauften Speicher. Der Straffaktor könnte konkret so aussehen, dass E-Speicher ohne Solaranschluss oder Wärmepumpe ein grundsätzlich schlechteres Labelling bekommen, also nicht mehr das begehrte Pickerl der höchsten Effizienzklasse A, sondern bestenfalls ein B oder C erhalten dürfen. Was Persch unfair findet: „Die besten Geräte, die auf dem Markt sind, sollten die Chance haben, in A klassifiziert zu werden.“ In Brüsseler Konferenzräumen gehen EU-Expertengremien unter dem Rahmenwerk der Ökodesign-Richtlinie alle paar Jahre mit dem feinen Kamm über die Palette Strom verbrauchender Geräte in Haushalten und Industrie. Ziel: die Energieeffizienzkriterien für einzelne Gruppen an die Grenzen des technisch Machbaren zu treiben. Im Extremfall bedeutet dies, dass Produkte – wie die Glühbirne – komplett vom Markt verschwinden müssen. Für den Verkauf verheißt das nichts Gutes: Walter Persch rechnet damit, dass etwa ein Drittel des Austria Email-Umsatzes (im Geschäftsjahr 2009/10 knapp 58 Millionen Euro) betroffen sein könnte. Allerdings hofft er, dass das Geschäft nicht über Nacht weg bricht, sondern peu a peu. Eine Vorstudie liegt seit 2007 in den Brüsseler Schubladen. Vorschläge gibt es seit 2006, endgültig entschieden ist noch nichts, sagt Persch. Er rechnet frühestens für 2012 mit einer verbindlichen Festlegung, danach mit ein bis zwei Jahren Übergangsfrist. Bange ist Persch weniger um Kleingeräte, wie sie unter Handwaschbecken hängen. Hier könne die EU kein plötzliches Aus dekretieren, denn „in vielen Wohnungen ist gar nicht die Infrastruktur da, zum Beispiel Fernwärmeanschlüsse, um eine Alternative zu bieten.“ Kritischer sei die Lage bei Speichern mit 50 Litern und mehr. „Aber das sind nicht die Stückzahlen, die Austria Email aus dem Gleis werfen würden.“ Die zu erwartenden Umsatzrückgänge, die sich mangels endgültiger Regelung noch nicht beziffern lassen, würden zumindest zum Teil durch andere Produkte aufgefangen werden können. Überhaupt sieht Persch Austria Email tendenziell weniger stark betroffen als andere Konkurrenten, weil man bereits frühzeitig auf Energieeffizienz gesetzt habe. „Es wird eher die treffen, die jetzt schon an der Grenze sind.“