Effizienz von außen : Energiecontracting: Versteckte Wirkkraft

„Wenn man in den Teeküchen die Herde und Mikrowellen für eine halbe Minute wegschaltet, macht das einen ziemlichen Unterschied für die Stromverbrauchsspitze.“ Karl Widmann, beim Feuerwehr-Ausrüster Rosenbauer am Standort Leonding für die Instandhaltung verantwortlich, hatte in den vergangenen sechs Jahren etliche Aha-Erlebnisse. Von 2004 bis 2010 lief bei den Oberösterreichern ein Sparprogramm, das die jährliche Energierechnung um mehr als 53.000 Euro schrumpfen ließ. Realisiert hat Rosenbauer die energetische Sanierung mit einem Einspar-Contracting-Modell. Ein externer Dienstleister garantiert einen Kostendeckel, die Ersparnis wird nach einem festgelegten Schlüssel zwischen Contractor und Auftraggeber geteilt. Geht es um ein Bündel von Einzelmaßnahmen mit kleineren Adaptierungen, refinanzieren sich die Projekte über die Vertragslaufzeit selbst. Diese Absicherung war für Karl Widmann entscheidend: „Wir sind nicht die großen Energiespezialisten. Wenn etwas nicht funktioniert, liegt das Risiko beim Contractor.“ Zusammen mit dem Gebäudetechnikkonzern Cofely als Contractor analysierten die Rosenbauer-Instandhalter Energieverbräuche und Ausstattungsstand und brachten um 365.000 Euro ihre Haustechnik auf Vordermann: Der Contractor installierte drehzahlgeregelte Heizpumpen, Wärmetauscher in Druckluftpumpen und Abluftlackierungsboxen sowie eine neue Gebäudeleittechnik. Parallel dazu lief in den Produktionshallen ein Projekt zur Energieeffizienzsteigerung: Hallenbeleuchtung und Fenster wurden getauscht, Dächer gedämmt. Rosenbauer erneuerte auch das schon etwas ältliche Blockheizkraftwerk. Für den Umweltanteil der Investitionen gab es Subventionen von Bund und Land Oberösterreich.Instandhalter Widmann beschäftigte sich nicht nur mit der technischen Ausstattung, sondern auch mit dem Verhalten der Energie-Nutzer: „Es geht um das Glätten von Verbrauchsspitzen.“ Also Maschinen sequenziell statt simultan starten – oder eben beim Hochfahren der vielen Büro-PCs in der Früh die Mikrowellen und E-Herde vom Netz nehmen. Contracting nicht für die Ewigkeit.Als Projekt für die Ewigkeit war das Sparcontracting nicht gedacht. Die Rosenbauer-Instandhalter haben den Cofely-Leuten aufmerksam über die Schulter geschaut und fühlen sich jetzt firm genug, die permanente Suche nach Sparmöglichkeiten selbst in die Hand zu nehmen. Den Überblick behält Widmanns Team heute mit Hilfe detaillierter Verbrauchsaufzeichnungen für Strom, Gas, Wärme, Druckluft und Wasser, die monatlich mit den Zielwerten abgeglichen werden.So systematisch wie der Feuerwehrfahrzeugbauer gehen noch nicht viele Industriebetriebe an ihre Energieeffizienz heran. „Nur eine Handvoll Unternehmen“, meint Axel Dick vom Zertifizierer Quality Austria, „verfügen über ein zertifiziertes Energiemanagement“. Zu oft würden Energiekosten noch als nicht zu beeinflussende Fixkosten gesehen, dabei wären fünf bis 30 Prozent Sparpotenzial bei den meisten produzierenden Betrieben drin. „Wir wissen, dass sich Sparprojekte in sechs Monaten bis zwei Jahren amortisieren.“ Was allerdings nur mit Vorbedingungen funktioniert: Verbrauchsdaten müssen bekannt sein, der Erfolg der Maßnahmen kontrolliert und Mitarbeiter laufend geschult werden. Und: „Es muss einen Energiekümmerer in der Chefetage geben“, meint Dick. Chinesische Mauer.Manchmal blockieren auch eingefahrene Organisationsstrukturen die Effizienzsteigerung. Norbert Wacek, Energiespar-Contracting-Verantwortlicher bei Cofely Österreich, muss des öfteren Chinesische Mauern beim Auftraggeber überwinden: „Produktion und Haustechnik werden immer noch oft als völlig getrennte Bereiche gesehen. Wir schlagen dann eine Brücke zwischen Finanz- und Technikmanagern und bringen die Leute an einen Tisch.“ Leicht ist das Geschäft mit den produzierenden Unternehmen nicht: Manche Betriebe stoßen sich an der vergleichsweise langen Vertragslaufzeit von Contracting-Modellen - fünf bis zehn Jahre sind Standard. „Standortsicherheit über einen solchen Zeitraum ist besonders bei Industrieunternehmen mit ausländischen Müttern oft eine Hürde“, weiß Wacek. Wird eine Produktion vor Vertragsablauf zugesperrt, drohen Abschlagszahlungen in Höhe des Restwerts der installierten Anlagen. Fortsetzung auf Seite 2: Energieverbrauch unbekannt.

Für ein erfolgreiches Energie-Contracting ist einiges an Vorarbeit fällig. Doch für effektive Sparmaßnahmen fehlen selbst in mittelgroßen Unternehmen oft noch elementare Voraussetzungen. Größter Hemmschuh ist schlichte Ahnungslosigkeit: Man schaut mit Grauen auf die Rechnung, weiß aber oft nicht, welche Maschine wann wie viel Strom verbraucht, wie hoch die Temperatur im Serverraum ist oder ob der Letzte im Büro am Abend wirklich das Licht ausmacht. Der Leidensdruck durch steigende Energiepreise reicht scheinbar noch nicht aus. 2010 befragte die Energieagentur hundert Firmen mehr als 50 Beschäftigten über ihren Umgang mit Energie: Immerhin 18 Prozent gaben zu, ihren genauen Energieverbrauch nicht einmal zu kennen.Ernst Primas, Chef des Energiemesstechnik-Anbieters Omtec, setzt zur Behebung des Wissensdefizits auf viele Zählpunkte: „Wir identifizieren 80 Prozent der Einsparungspotenziale, wenn wir mindestens 60 Prozent der Verbrauchsstellen in einem Unternehmen im 15-Minuten-Takt messen.“ So entstehen Verbrauchskurven, die Energiefresser entlarven und anhand derer konkrete Maßnahmen entwickelt werden. Die nicht unbedingt viel kosten müssen: Wenn etwa die Büro-Gasheizung an einem kühlen Sommertag mit 19 Grad Außentemperatur anspringt, weil die Klimatechnik auf 20 Grad eingestellt ist, lässt sich das mit einer halbautomatischen Steuerung nach Bedarf rasch beheben. Investitionskosten Null.Auch in der Produktion lassen detaillierte Messungen schnelle Sparaktionen zu, erläutert Primas am Beispiel einer Maschinen-Montage-Straße: „Dort wurden um 7 Uhr früh alle zu montierenden Maschinen gleichzeitig eingeschaltet, das führte zu einer irren Lastspitze. Der Externe stellt dann die dumme Frage: Muss das sein?“ Musste es nicht: Ein getakteter Einschaltplan, der festlegte, wann welche zu montierende Anlage mit 15 Minuten Aufwärmzeit ans Netz ging, brachte die Spitzenlast um 150 kW hinunter. Investitionskosten: Null. Hausaufgabe: Energiefresser findenKlein- und Mittelbetriebe können ihre Energieeffizienz zuweilen auch ohne externe Experten heben, ist Alexander Redlein, Leiter des Zentrums für Informations- und Facility Management der TU Wien, überzeugt. „Es geht oft nicht um Technologie oder große Investitionen.“ Bewusstseinsarbeit bei der Belegschaft ist für Redlein ein Knackpunkt: „In vielen Unternehmensbereichen sind die Endverbraucher sich nicht im Klaren, wie viel Energie sie eigentlich nutzen.“ Die Energiekostenanteile in ihren zentralen Prozessen und Anlagenteilen müssten die Unternehmen aber selbst finden, damit sie Contractingunternehmen und FM-Dienstleistern die richtigen Vorgaben geben können: „Nur wenn man erhebt, wo die großen Verbraucher sind, kann man wesentliche Einsparungen lukrieren. Sonst optimiert man Winzigkeiten.“ Maike Seidenberger Sie sollten an Energie-Contracting denken, wenn... .... Sie Kapital für andere Investitionen als die Energieinfrastruktur Ihres Betriebes brauchen; die Maßnahmen werden üblicherweise vom Contractor vorfinanziert..... Sie langfristig Betriebskosten senken und/oder den Wert des Betriebsgebäudes erhalten oder dessen Vermietbarkeit/Wiederverkaufswert steigern wollen...... bei Energiekosten eine vertraglich garantierte Einsparung und/oder vereinbarte Obergrenze ohne Komfortverlust wünschen...... von Organisationsaufgaben im Rahmen des Energiemanagements entlastet sein wollen...... Sie Ihren CO2-Ausstoß reduzieren wollen/müssen. Contracting-Modelle für IndustriebetriebeBeim Einspar-Contracting führt der Contractor Energieeinspar-Maßnahmen im Unternehmen durch (wie Wärmedämmung, Installieren einer effizienten Beleuchtung), die zu geringeren Energiekosten führen, und garantiert ein bestimmtes Einsparpotenzial. Beim Anlagen-Contracting errichtet der Contractor eine neue Energieanlage beim Auftraggeber und kümmert sich um Planung, Finanzierung, Bau, Inbetriebnahme, Betrieb und Service der Anlage. Er übernimmt das Funktions- und Leistungsrisiko.