Automobilindustrie

Dieses Wasserstoff-Auto kommt aus Österreich

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© Klima- und Energiefonds/APA-Foto

Und wieder ist die Vision eines Wasserstoff-Autos ein Stück näher an die Realität gerückt. Als Abschluss des Projekts Keytech4EV hat die Grazer AVL einen Prototyp demonstriert, der einen Brennstoffzellen-Batterie-Antrieb nutzt. Der Klima- und Energiefonds förderte das insgesamt 5,8 Millionen schwere Unterfangen mit 3,6 Millionen.

Die Lösung, die die AVL gemeinsam mit mehreren Partnern realisiert hat, ist gewissermaßen ein Hybrid 2.0. Denn anders als bei Wasserstoffantrieben, die aus einer Brennstoffzelle und einer kleinen Pufferbatterie bestehen, kombiniert das im Rahmen von Keytech4EV designte erste österreichische Wasserstoff-Auto die Brennstoffzelle mit einer erweiterten, größeren Batterie.

Große Reichweite

Dadurch lässt sich eine ganze Reihe an Vorteilen erreichen: Die Produktionskosten für das Antriebssystem werden reduziert, das Fahrverhalten wird verbessert und entspricht dem eines klassischen Mittelklassewagens. Zugleich vermeidet das System aber auch die beiden großen Nachteile reiner Elektroantriebe: lange Ladezeiten und schwache Reichweite. Der Wasserstoff-Elektro-Hybrid schafft mit einer Brennzelle 500 Kilometer, der Einbau einer zweiten wäre grundsätzlich möglich.

Dass bei der Entwicklung des Prototyps die Kostenfrage eine der absoluten Prioritäten war, überrascht nicht. Schließlich gilt der hohe Preis von Wasserstoff-Autos heute als der wohl stärkste Nachteil der Technologie. Zwingend nötig sei das aber nicht, wie AVL CEO Helmut List meint: „Im Prinzip gibt es an der Brennstoffzelle nichts, das teuer sein muss. In dem aktuellen Projekt haben wir bereits gezeigt, dass sich die Kosten für den Antriebstrang schon heute sehr stark reduzieren lassen. Werden größere Stückzahlen produziert, greift der Effekt erst recht.“

VW Passat als Basis

Bei den Betriebskosten erweist sich das neue Fahrzeug, das auf der Plattform eines VW Passat GTE aufgebaut wurde, als überaus markttauglich. Geht man, wie es heute aufgrund eines noch fehlenden Marktes üblich ist, von einem fiktiven Wasserstoff Preis von neun Euro pro Kilogramm, dann dürften die Kosten pro Kilometer im Wesentlichen mit jenen eines entsprechenden Benziners vergleichbar sein. Auch hier gilt freilich: Wenn sich die Technologie durchsetzt und Wasserstoff in großem Stil mit Hilfe von Sonnenenergie produziert wird, könnte der Preis deutlich fallen. In seiner Energieausbeute ist der im Rahmen von Keytech4EV vorgestellte Prototyp indessen schon jetzt sehr stark. Um vergleichbar effizient zu sein, dürfte ein Benziner nicht mehr als 2,5 Liter auf hundert Kilometer verbrauchen.

Neben den noch hohen Produktionskosten gilt heute aber auch die de facto nicht existierende Tankstellen–Infrastruktur als der zweite große Hemmfaktor für den Wasserstoffantrieb. Anders als in Japan oder Korea, wo sie zumindest in Ansätzen vorhanden ist, gibt es in Österreich gerade fünf Orte, an denen Wasserstoff getankt werden kann. Allerdings: Viele Unternehmen nützen schon heute Wasserstoff für industriellen Einsatz. Das kann ein Ausgangspunkt sein, von dem sich eine flächendeckenden Versorgungsinfrastruktur entwickelt, zuerst entlang von Autobahnen und von dort weiter. Die Geschäftsführerin des Klima- und Energiefonds Theresia Vogl, sieht den Grazer Prototyp jedenfalls auf dem richtigen Weg: „In drei bis vier Jahren“, sagt sie, „könnten Autos wie jenes, das wir heute vorgestellt haben, serientauglich sein.“ Ein Nachfolgeprojekt bei dem der neue Antrieb weiter optimiert werden soll, ist jedenfalls bereits geplant.