Industrial Design : Der Y-Magnet: Kreativ-Berufe in der Industrie
Die Generation Y strömt auf den Arbeitsmarkt – chaotische Neugestalter, die der Freizeit mehr Wert beimessen als dem verdienten Geld, die ihre eigenen Ideen einbringen wollen und denen Freiheit mehr bedeutet als Verantwortung.
Selbstverwirklichung wird bei ihnen groß geschrieben, der Job bringt lange mehr als nur Geld zum Leben. Fließband Arbeit passt nicht dazu. Was von dieser Generation gefertigt wird, sind Einzelstücke. Werke mit Persönlichkeit, die in Handarbeit hergestellt werden. Massenproduktion? Danke, nein.
Die Neuen machen es den Recruitern schwer. Denn während die eine Hälfte zufrieden mit den kleinen Werken ist, die sie zu Hause in kleinen Manufakturen herstellen, ist die andere Hälfte ambitioniert mit dabei. Sie wollen managen, ein Unternehmen nach vorne bringen. Das Problem: So viele Stellen in der managenden Wirtschaft wie BWL-Absolventen kann es gar nicht geben.
Für den Rest gibt es das Feld zwischen der Handarbeit im kleinen Stil und dem Manager-Posten: Die Kreativwirtschaft. Nie gab es so viele Designer wie heute. Kreativ Studiengänge boomen – von Mode- über Kommunikations- zu Intermedialem Design gibt es vielfältige Bildungsgänge an den Hochschulen, die den jungen Leuten die digitalen Medien näher bringen, sie mit Ideen füttern und die Grenzen des Umsetzbarem ausloten lassen. Absolventen denken vor allem an eine Arbeitsstelle in einer Agentur. Wie viel es auch in der Industrie für sie zu tun gibt, ist den Wenigsten klar.
Jedes Produkt ging durch die Hand eines Designers
„Industrial-Design“ – ein Feld, das kaum Beachtung findet und doch so wichtig ist. Jedes Produkt, das zu irgendeiner Zeit auf den Markt kommt, ging einmal durch die Hand eines Designers. Dieser machte sich nicht nur Gedanken um das Aussehen des Produktes – Farbe, Funktion, Material und Zielgruppe müssen im Vorfeld definiert sein. Nur so wird das Produkt auch das, was es am Ende werden soll.
Diese Vordefinition und die Design-Arbeit werden heute immer wichtiger. Vieles kann von Maschinen gesteuert werden – ein Produktentwurf aber, kommt aus der menschlichen Ideenwelt, ein Mensch designt für Menschen. Dem geht Marktforschung vorweg, Materialforschung und Zielgruppenforschung. Nur wenn die Usability stimmt, wird das Endergebnis auch gekauft. Hierfür muss ein Team eng zusammen arbeiten, unterschiedliche Faktoren überprüfen und gemeinsam alle Fähigkeiten nutzen. In Zeiten von Plastik-Krisen und verschmutzten Ozeanen nimmt auch die Material Forschung mehr Aufmerksamkeit in Anspruch, als noch vor zehn Jahren. Das Umweltbewusstsein der Zielgruppe ist heute um ein Vielfaches gewachsen – Plastik und Kunststoffe, die aus Rohöl entstehen haben einen schweren Stand. Fertigungswege über den Niedriglohnsektor und Produktion in Drittwelt-Ländern fordern Proteste nur so heraus. Das macht es essentiell, dass nicht nur über das Produkt nachgesonnen wird. Material spielt eine zentrale Rolle: Wo kommt es her, wo geht es hin? Das Bewusstsein zu wecken, dass dieser Beruf spannende, vielfältige Aufgabenfelder mit sich bringt, ist jetzt Aufgabe der Industrie.
Denn der Betätigungsbereich wächst. Mit steigender Publikums-Aufmerksamkeit steigt auch die Konkurrenz. Wenn der Konsument sich mehr mit dem Produkt auseinander setzt, muss es umso cleverer designt sein, umso mehr durchdacht werden. Wer hier herausragende Absolventen gewinnen kann, der hat viel gewonnen.
Auch an anderen Stellen lohnt es sich, in einen Designer mit einer fundierten Ausbildung zu investieren. Kleinigkeiten wie Erstellung von Grafiken und Prospekten für das Unternehmen können zwar auch versierte Hobby-Gestalter, wichtige Aspekte wie die Umwandlung in den richtigen Farbmodus vor dem Druck können dabei aber verloren gehen. Das Ergebnis: Fehlerhafte Druckerzeugnisse, die durch zwei nicht getane Klicks viel Geld verschlingen. Auch hier lohnt sich die Investition in junge gute Absolventen.
Die Investition in Design(er) lohnt sich – für beide Seiten
Für den Designer kommt hier noch ein weiterer Aspekt ins Spiel. Denn während die Gestaltung von Etiketten, Broschüren und Plakaten in vielen Agenturen bereits den kompletten Arbeitsbereich eines Designers abdecken, liefert das Produktdesign in der Industrie ein viel weiteres Betätigungsfeld. Immer neue Aufgaben, die sich mit der Entwicklung neuer Materialien ergeben, lassen den Beruf interessant bleiben, während andere Jobs auch in der Kreativbranche oft nach einer Weile an Spannung verlieren.
So ist heute beispielsweise Holz ein gefragter Rohstoff. Er soll jetzt auch vermehrt an Fahrzeugen eingesetzt werden. Daten, die jetzt in der Forschung erhoben werden, kommen dann auch den Designern in der Industrie zugute. Automobildesigner werden dabei vor neue Herausforderungen gestellt – ein Job, der sich übrigens stets großer Beliebtheit erfreut. Neue Materialen, andere Eigenschaften und anderes Produktverhalten sind Faktoren, die immer wieder Einfluss auf den Arbeitsbereich des Produktdesigners nehmen und das Feld des Industrial Designers immer spannend halten werden.
Denn die jetzige Zeit entscheidet über die Zukunft: Wir müssen weg von fossilen Brennstoffen, weg von hohen CO2 Emissionen und hin zu rohstoff- und umweltschonenden Fertigungswegen. Die nächsten zehn bis zwanzig Jahre sind somit voll von Herausforderungen für die Industrie, die nur mit frischen Ideen und jungen Denkern bewerkstelligt werden können. Sich in dieser Hinsicht ganz bewusst für die jungen Kreativen zu öffnen und neue Tätigungsfelder für das weite Feld des Designs zu erschließen, lohnt sich jetzt - für beide Seiten.