Mobile Roboterzellen : Automatisiert in 30 Minuten

Hubert Pesendorfer ist gespannt wie ein Flitzebogen. Zum Jahreswechsel nahm der -Chef des oberösterreichischen Automatiserers Promot mobile Roboterzellen ins Sortiment auf – nun will er herausfinden, wie die Industrie darauf reagiert. Pesendorfer übt sich zwar in Understatement – die Zellen könnten aber ein ziemlicher Heuler werden. Denn baute man die bisherigen Standardzellen zur Be- und Entladung von Werkzeugmaschinen an der einen Maschine ab und an einer anderen wieder auf, „war das doch immer ein rechtes Theater für den Kunden“, erzählt Pesendorfer. Ein Monteur musste extra ins Werk des Kunden fahren und die Zelle „auf Reisen“ schicken. Zudem gehörten Schnittstellen überprüft und das Roboterprogramm musste „penibel eingefahren werden“, weiß Pesendorfer. Seit dem Jahreswechsel scheint alles viel einfacher. Denn der Betrieb aus dem beschaulichen Roitham, der mit über 3500 verkauften Automatisierungszellen mittlerweile eine fixe Größe in der Industrie ist, entwickelte eine mobile Automatisierungszelle – auf Rädern. Binnen 30 Minuten sei die Zelle, die für Roboter der Marke Kuka, Fanuc und Motoman konzipiert ist, an NC-Fertigungsmaschinen „ab- und wieder aufgebaut“, strahlt Pesendorfer.Dafür wurde einerseits eine einfach bedienbare Steuerung über die Robotersteuerung gelegt (Beckhoff CX5000 PLC). Das Tool verwaltet die Eigenheiten der einzelnen Maschinen – etwa Achspositionen oder Beladelogiken. Es soll den Bediener aber auch mit einem recht intuitiven „Teach“-Modus im kartesischen Koordinatensystem „erfreuen“, so Pesendorfer. Anders gesagt: Spezielle Roboterkenntnisse sind nicht mehr erforderlich.Laut Hersteller sei die Zelle nicht für mannlose Schichten geeignet – dafür aber für den „autonomen Betrieb“ einer Werkzeugmaschine bis zu 180 Minuten. Als Teilespeicher stehen zwei universelle Magazinschubladen (800 x 600 Millimeter) für Werkstücke bis zu (standardmäßig) zehn Kilo bereit. Greifer und Greiferfinger sind einfach umzurüsten.Zum Transport: Für kürzere Wege sind die – fix montierten – Räder da. „Für den Transport über weitere Strecken ist die Zelle alternativ per Hubstapler zu bewegen“, so Pesendorfer. Die Kosten seien „transparent“: Für eine Roboterzelle sind etwa 60.000 Eurozu veranschlagen. Dazu kommen noch die Kosten für die Maschinenanbindung: Sie liegen bei rund 8000 Euro pro angebundener Maschine. Pesendorfer beobachtete, dass Betriebe sinnvolle Automatisierungen zuletzt immer wieder aufschoben – „die Angst, keine langfristige Auslastung für die Zelle zu finden“, geht derzeit um, weiß er. Zumindest diese Sorge will er der Industrie nehmen. Daniel Pohselt So funktioniert die Zelle Schritt 1: KonfigurationLassen Sie sich eine auf Ihre Fertigung zugeschnittene Automatisierungszelle zusammenstellen. Mehrere standardisierte Greifer sind erhältlich: Damit können horizontale Futter von NC-Drehmaschinen, aber auch vertikale Spannlagen beziehungsweise Aufspannungen in Verzahnungs- oder Bearbeitungszentren be- und entladen werden. Folgende Roboter stehen zur Auswahl:Kuka KR6, KR16Fanuc M-20iAMotoman HP20 Schritt 2: MigrationÄndern sich in Ihrem Betrieb häufig die Losgrößen oder würden Sie gern flexibel andere Maschinen automatisieren? Dann bringen Sie die Zelle binnen 30 Minuten zur nächsten Werkzeugmaschine (Grafik: Von Maschine 1 zu Maschine 2 beziehungsweise von Maschine 3 zu Maschine 4). Für längere Distanzen können Sie die Zelle auch per Gabelstapler manipulieren. Schritt 3: FixierenArretieren Sie die Automatisierungszelle mit einem Handgriff in der fixen Bodenplatte. Durch diese Verbindung mit dem Boden steht die Zelle exakt und stabil. Für unbemannte Schichten ist die Zelle nicht vorgesehen – dafür aber für den „autonomen Betrieb“ einerWerkzeugmaschine bis zu 180 Minuten. Daten Hersteller: Promot Automation, RoithamStandardumfang: Automatisierungszelle mit roboter, auf Rollen, mit Greifer, bis max. 10 Kilo schwere Werkstücke, 2 Magazinschubladen (je 600 x 800 mm), Promot-Prosys-PC-BedienoberflächeKosten: 1 Roboterzelle: 60.000 Euro, 1 Maschinenanbindung (und jede weitere): rund 8.000 Euro