Bahnindustrie

Westbahn mietet chinesische Züge

Die mehrheitlich private Westbahn wird vier Triebwagenzüge des staatlichen chinesischen Herstellers CRRC anmieten. Die Züge sollen bereits im Spätsommer nach Europa verschifft werden, die Zulassung wird im Sommer 2023 erwartet.

Kritiker befürchten, dass China durch den Deal den Sprung auf den europäischen Markt schafft.

Die Züge bestehen aus sechs Wagen mit insgesamt 571 Sitzplätzen, um 70 mehr als in den Doppelstockzügen des Schweizer Herstellers Stadler, mit denen die Westbahn bisher unterwegs ist. "Die vier Züge sind produziert, und der erste Zug wird im Laufe des Spätsommers in Europa erwartet und dann beginnt das ganze Testprozedere für die Zulassung", sagte Westbahn-Sprecherin Ines Volpert gegenüber dem "Kurier". "Wir gehen davon aus, dass die Zulassung im Sommer oder Herbst 2023 erfolgen wird".

Kritik an dem Deal kommt vom Präsidenten des Verbands der Österreichischen Bahnindustrie, Kari Kapsch. "Das ist mit Sicherheit ein Türöffner für CRRC", sagte Kapsch zum "Kurier". Problematisch sei dies, da CRRC ein Staatsunternehmen sei, dessen Produkte somit vom Staat quersubventioniert würden. Dies führe seiner Ansicht nach zu einer Wettbewerbsverzerrung. "Das würden wir nicht nur in Österreich und Europa, sondern auch außerhalb Europas zu spüren bekommen", wird Kapsch zitiert. Zudem würden die Züge in China zu dortigen Umweltschutzkriterien und niedrigeren Löhnen gefertigt und anschließend nach Europa geliefert. "Der CO2-Footprint ist dadurch natürlich wahnsinnig hoch", so Kapsch.

Bedenken äußerte auch Thomas Scheiber, Obmann des Fachverbands Schienenbahnen in der Wirtschaftskammer. "Wichtig ist für mich, dass die Wertschöpfung in Europa stattfindet", das würde den Wettbewerb beleben. Die Anmietung von Zügen durch die Westbahn sei für ihn dennoch ein zulässiger Vorgang. So würde ein relativ hoher Prozentsatz der Teile aus Europa stammen, weshalb die Chinesen auch so schnell die Zulassung bekommen würden. Der Schienenverkehr werde von der öffentlichen Hand finanziert, man müsse darauf achten, dass die Gelder in Europa investiert würden, sagte Scheiber zum "Kurier". (apa/red)

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