Rohstoffe

Türkei heizt Konflikt um Gasbohrungen vor Zypern weiter an

Die Spannungen zwischen der Türkei und Zypern dauern weiter an: türkische Kriegsschiffe blockieren ein Schiff des italienischen Energiekonzerns Eni und verletzen die Souveränität eines EU-Staates. Zugleich rammt ein türkisches Patrouillenboot ein Schiff der griechischen Küstenwache.

Die Spannungen zwischen Nikosia und Ankara wegen der geplanten Suche nach Erdgasvorkommen unter dem Meeresboden vor Zypern dauern an. Den fünften Tag in Folge hinderten nach Angaben der Regierung in Nikosia türkische Kriegsschiffe ein vom italienischen Energieunternehmen ENI gemietetes Bohrschiff daran, ein Erkundungsgebiet südöstlich der Hafenstadt Larnaka zu erreichen.

Diplomaten in Nikosia gingen davon aus, dass die geplante Forschung aus zeitlichen Gründen nicht mehr durchführbar sei. Das Bohrschiff "Saipem 12000" hat nach übereinstimmenden Informationen zypriotischer Medien im März einen anderen Forschungsauftrag in Marokko und muss demnach bald abreisen.

Die türkische Kriegsmarine führt seit einer Woche umfangreiche Manöver südlich von Zypern durch, die bis zum 22. Februar andauern sollen. Ankara argumentiert, durch Bohrungen nach Erdgas ohne Zustimmung der türkischen Zyprioten würden deren Rechte missachtet.

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Türkei hält den Norden der Insel seit 1974 gewaltsam besetzt

Nach einem griechischen Putsch und dem Einmarsch des türkischen Militärs ist Zypern seit 1974 geteilt. Im Norden gibt es die nur von der Türkei anerkannte Türkische Republik Nordzypern. Die gesamte Inselrepublik ist seit 2004 EU-Mitglied. Die Regierung in Nikosia kontrolliert aber nur den Südteil der Insel. Ankara erkennt das EU-Land Zypern nicht an. Das EU-Regelwerk gilt demnach nur im griechisch-zypriotischen Südteil der Insel. Gespräche zur Überwindung der Teilung Zyperns waren im Juli 2017 unter anderem wegen eines Streits um die Zukunft der 35.000 türkischen Soldaten im Norden der Insel gescheitert.

Neuer Zwischenfall mit türkischem Boot im Mittelmeer

Auch an anderer Stelle dauert das Säbelrasseln an: Nun kam es zu einem Zwischenfall in der Ägäis. Dort rammte ein türkisches Patrouillenboot ein Boot der griechischen Küstenwache.

Der Zwischenfall in der Ägäis ereignete sich in der Nacht zum Dienstag in der Nähe der umstrittenen Felseninseln Imia (türkisch: Kardak). Es seien Schäden am Heck des griechischen Bootes entstanden; es sei aber keines der 27 Besatzungsmitglieder verletzt worden, teilte die griechische Küstenwache mit.

Der griechische Regierungssprecher Dimitris Tzanakopoulos bestätigte den Zwischenfall. In letzter Zeit gebe es rund um die Türkei eine allgemeine Destabilisierung. "Und das Nachbarland trägt mit seinem Verhalten nicht dazu bei, die Turbulenzen zu überwinden. Ganz im Gegenteil", sagte er einem griechischen Nachrichtensender. Der griechische Außenminister Nikos Kotzias charakterisiert die Türkei seit Monaten als eine "nervöse Macht".

Nach griechischen Angaben hatte das betroffene Boot 28,8 Millionen Euro gekostet. 75 Prozent davon waren aus Fonds für den Schutz der Grenzen der EU gezahlt worden. Das gerammte Boot erreichte nach Medienberichten aus eigener Kraft die griechische Insel Leros.

1996 am Rande eines Krieges

Die EU rief Ankara auf, von jeglichen Handlungen Abstand zu nehmen, die die gute Nachbarschaft gefährden könnten, wie der Sprecher von Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker in Brüssel sagte. Die Türkei habe die Souveränität der EU-Staaten über deren Hoheitsgewässer und deren Luftraum zu respektieren. Das gerammte und beschädigte griechische Schiff war durch Gelder der Europäischen Grenz- und Küstenwache kofinanziert worden.

Die Nachbarstaaten streiten sich neben der Zypern-Frage seit Jahrzehnten auch um Hoheitsrechte in der Ägäis. 1996 hatte der Streit um die unbewohnten Felseninseln die beiden NATO-Staaten an den Rand eines Krieges gebracht. Ein bewaffneter Konflikt konnte im letzten Moment nach einer diplomatischen Intervention der USA abgewendet werden. Danach bemühten sich Athen und Ankara um Entspannung.

Italiens Außenminister interveniert

Am Rande des Außenministertreffens der internationalen Anti-IS-Koalition in Kuwait kam der italienische Außenminister Angelino Alfano mit seinem türkischen Amtskollegen Mevlüt Cavusoglu zusammen. Italien erwarte, dass in dem Konflikt eine "gemeinsame Lösung im Einklang mit dem Völkerrecht und den Interessen sowohl von ENI, den Ländern in der Region als auch mit den beiden zypriotischen Gemeinschaften" gefunden werde, teilte das Außenministerium in Rom mit.

Bereits am Montag hatte der EU-Ratspräsident Donald Tusk die Türkei aufgefordert, die seit Freitag andauernde Blockade vor Zypern aufzugeben und die territoriale Souveränität dieses EU-Landes zu achten.

Ankara erkennt das EU-Land Zypern nicht an. Solange es keine Lösung der Zypern-Frage gibt, dürfen nach Ansicht Ankaras keine Forschungen ohne Zustimmung der türkischen Zyprioten stattfinden.

Diplomaten in Athen äußern sich besorgt: Zwischenfälle ähnlicher Art wie der vom Dienstag und die Blockade vor Zypern könnten eine größere Krise in der Region auslösen. (dpa/ag./apa/red)

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