Autoindustrie

Streik bei Fiat in Serbien: Serbiens Regierungschefin vermittelt

Bei der Arbeitsniederlegung im serbischen Werk von Fiat Chrysler in Kragujevac will die serbische Regierungschefin Ana Brnabic vermitteln. In den serbischen Medien gibt es Vermutungen, dass Fiat sich vom ehemaligen Standort des Autobauers "Zastava" zurückziehen könnte.

In dem seit Wochen anhaltenden Streik bei der serbischen Fiat-Chrysler-Tochterfirma in Kragujevac will nun die serbische Regierungschefin Ana Brnabic vermitteln. Das Unternehmen ist mit Abstand der größte Exporteur Serbiens.

Mit Abstand größter Exporteur Serbiens

Rund 2.000 Beschäftigte des Unternehmens fordern seit dem 27. Juni eine Steigerung ihrer Löhne von durchschnittlich 38.000 (umgerechnet 316 Euro) auf 50.000 Dinar (416 Euro). Die italienische Geschäftsführung des Unternehmens verlangt jedoch zuerst den Stopp der Streiks, um die Verhandlungen mit den Beschäftigten überhaupt aufzunehmen.

Wegen des Streiks wurden, wie serbische Medien berichten, bereits 4.000 Fahrzeuge vom Typ "Fiat 500 L" weniger als geplant hergestellt. Lokalen Medien zufolge ist die Produktion in dem Werk in den letzten Jahren anhaltend im Sinken begriffen.

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Zugleich gab es in den letzten Tagen in den serbischen Medien Spekulationen darüber, dass Fiat Chrysler womöglich den Abzug aus Serbien vorbereiten könnte. Mehr dazu hier: Fiat könnte sein Werk in Serbien schließen >>

Zastava: In den 1990er Jahren arbeitete Porsche mit

Einst war der jugoslawische und später serbische Hersteller Zastava ein international exportierender Autobauer, der seit den 1950er Jahren Fahrzeuge in Lizenz von Fiat und später als eigene Entwicklung fertigte und einige Modelle nach Westeuropa und in die USA verkaufte.

Eines dieser Modelle war etwa der seit 1981 verkaufte "Zastava Yugo 45". In den 1990er Jahren beteiligten sich der deutsche Sportwagenbauer Porsche und der Zulieferer Bosch an der Weiterentwicklung des Motors. Italiens legendärer Autodesigner Giorgetto Giugiaro, der die Originalformen des ersten Volkswagen Golf entworfen hat, beteiligte sich an Überarbeitungen. Doch zur Serienfertigung des neuen Zastava Yugo sollte es so bald nicht mehr kommen.

Nach dem Ausbruch des Krieges im ehemaligen Jugoslawien kamen zuerst Produktionsverzögerungen, weil der "Yugo" ein echtes Produkt "made in Yugoslavia" war - mit der Herstellung von Komponenten im ganzen Land, vor allem aber in Kroatien und Slowenien. Dann kam das Handelsembargo gegen Serbien. Schließlich zerstörte ein Luftangriff die Autoproduktion fast vollständig, der eigentlich die Waffenproduktion im Werk von Zastava in Kragujevac direkt nebenan treffen sollte.

Als der Krieg zu Ende war, produzierte Zastava die Autos ab 2000 weiter - erreichte jedoch nur einen Bruchteil seiner früheren Produktionszahlen.

Fiat steigt 2008 ein

Im Jahr 2008 übernahm Fiat die Mehrheit am Autobauer. Der italienische Konzern hält seither einen Anteil von 67 Prozent. Die anderen 33 Prozent des Werkes sind weiterhin im staatlichen Besitz.

Die beiden Eigentümer hatten entsprechend ihrer Beteiligungshöhe insgesamt 1,3 Milliarden Euro in die Modernisierung des Betriebs investiert. Der mit der einstigen serbischen Regierung unterzeichnete Vertrag läuft noch bis 2018. Im Vorjahr lag der Wert des Standortes in Zastava bei über 930 Millionen Euro.

(pm/apa)