Serie: Ventures Almanach

Startups: Unterstützung für die ersten Schritte

Die Namensgleichheit ist kein Zufall: Ähnlich wie der Brutkasten auf der Neugeborenenstation sorgen Business-Inkubatoren für ein Klima, das Start-ups optimal gedeihen lässt. Und diese Unterstützung in einer frühen Phase der Unternehmensgründung ist in Österreich nun deutlich professioneller geworden.

Start-ups Ventures Almanach

Es waren nicht zuletzt die steigenden Temperaturen, die die Gründer der Neuschnee GmbH auf die Idee gebracht hatten: Sie wollten Schnee herstellen, der sich anders als Kunstschnee auch schon bei knapp unter null Grad Celsius in guter Qualität produzieren lässt. Außerdem sollten – anders als bei Kunstschnee – die Schneekristalle ähnlich denen von echtem Pulverschnee aufgebaut sein. Einen Prototyp zur Herstellung solchen Schnees betrieben die Forscher aus Niederösterreich in Obergurgl in Tirol auch schon. Ihr nächster Schritt soll dann die Herstellung dieses Produkts, für das die Neuschnee GmbH auch den Staatspreis Patent 2016 erhielt, in größeren Mengen sein. 

Hervorgegangen ist das Unternehmen aus dem accent Gründerservice in Wiener Neustadt, einem von acht sogenannten AplusB-Gründerzentren in Österreich. Diese setzen stark auf Gründungen aus dem universitären Bereich. Zum Beispiel kooperiert accent mit der Universität für Bodenkultur in Wien (Boku) und der FH St. Pölten. Neuschnee ist dabei nur eines von rund 110 Projekten, die accent bisher betreut hat. „Wir schauen uns jedes Jahr rund 250 Businesspläne an und 15 bis 20 pro Jahr nehmen wir auf“, sagt Geschäftsführer Michael Moll. Wer zum Kreis der Auserwählten zählt, erhält nicht nur eine Startfinanzierung von etwa 20.000 bis 30.000 Euro, sondern vor allem intensives Coaching durch einen Projektleiter.

Nicht unbedingt direkt von der Uni

Die AplusB-Zentren kooperieren zwar mit Universitäten, die Gründer selbst müssen aber nicht zwingend auf direktem Weg von der Uni kommen. „Ein paar Jahre Berufserfahrung sind oft von Vorteil“, sagt etwa Erwin Gutlederer vom CAST (center for academic spin-offs tyrol) in Innsbruck, das bis dato rund 75 Projekte betreute. Auch einen bis ins Detail ausgearbeiteten Businessplan vorweisen zu können, ist nicht nötig: „Für die Entscheidung über die Vergabe der Fördermittel muss ein Konzept über das geplante Vorhaben vorliegen, welches die wichtigsten Fragen beantwortet: Was, d. h. welches Produkt bzw. Dienstleistung wird durch das Start-up angeboten? Für wen, also die Frage nach Markt und adressierter Zielgruppe. Und schließlich durch wen, sprich die Frage nach dem Team dahinter“, so Gutlederer.

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Auch im CAST steht das Coaching der Gründer in einer frühen Phase im Vordergrund. Dieses hat bereits Unternehmen wie Blue Sparrow, das 2015 den Tiroler Innovationspreis erhielt, oder Vira Therapeutics hervorgebracht. Letzteres hat vergangenen Herbst eine Finanzierungsrunde sowie einen Kooperationsvertrag mit Boehringer Ingelheim zur Entwicklung einer onkologischen Virus-Plattform abgeschlossen.

Mehr Fördergeld

Diese Brutkästen sollen künftig noch mehr Start-ups heranziehen: Denn bis 2018 stellen Infrastrukturministerium und Wirtschaftsministerium gemeinsam 20 Millionen Euro zusätzlich zur Verfügung, die vor allem in der PreSeed- und Seedphase helfen sollen. Mehr Geld gibt es aber auch für private Inkubatoren: So wurde 2016 das aws-Programm „Jump Start“ eingeführt. Beim ersten Call wurden fünf Einreichungen ausgewählt, die jeweils 150.000 Euro erhielten. Diese waren das Speed Start Studio in Dornbirn, Up to Eleven in Graz sowie die drei Wiener Inkubatoren Sektor5/5starts, Impact Hub Vienna und TUW i2nkubator. Für bis zu fünf Start-ups, die von diesen Inkubatoren betreut werden, gibt es zusätzlich Zuschüsse von maximal 22.500 Euro.

Wie die jungen Talente, die zu erfolgversprechenden Gründern heranreifen sollen, ausgewählt werden? „Wir wollen keinen Businessplan und auch kein Motivationsschreiben“, sagt Floor Drees, Managing Director von 5starts. Vielmehr gelte es, einen Fragenkatalog auszufüllen. Zum Beispiel sollte das Gründerteam wissen, wie es sich vom Mitbewerb unterscheiden will. Das tatsächliche Businessmodell wird dann gemeinsam mit den Betreuern von 5starts ausgearbeitet. Ebenso erhalten die ausgewählten Gründer spezifische Workshops und Hilfe bei der Finanzierung sowie im Marketing.

Diese Unterstützung bei den ersten Schritten ist bei Sektor5/5starts nicht neu. Auch hat der Wiener Inkubator bereits so bekannte Start-ups wie MySugr, Codeship oder blossom.io hervorgebracht. Dennoch hat die „Jump Start“-Förderung laut Drees eine entscheidende Verbesserung gebracht: „Informell hatten wir das Inkubatorenprogramm schon immer. Doch jetzt hat es einen neuen Level erreicht und ist es professioneller geworden.“

Mehr zur heimischen Start-up-Szene finden Sie in unserem Ventures Almanach