Personalia

Siegfried Wolf - Automanager mit guten Kontakten nach Russland

Er wurde 1994 von Frank Stronach entdeckt und machte Magna in Europa groß. Wolf war jahrelang im Aufsichtsrat der Staatsholding und 2019 auch als ÖBAG-Aufsichtsratschef im Gespräch.

Im zweiten Anlauf hat es doch geklappt: Mit Siegfried "Sigi" Wolf hat ein Geschäftsmann das MAN-Werk in Steyr geschnappt, der sich selten einen Deal in der Kfz-Industrie entgehen lässt. Laut "WirtschaftsCompass" hat der 63-jährige Steirer derzeit in Österreich 26 Funktionen inne, 65 weitere Funktionen wurden aus dem Firmenbuch über die Jahre wieder gelöscht. Zurzeit ist er Aufsichtsratschef der Europaniederlassung der russischen Sberban.

>> Lesen Sie hier mehr über den Kauf des MAN-Werks in Steyr...

Abwechslungsreicher Lebenslauf

Geboren wurde Wolf am 31. Oktober 1957 im oststeirischen Feldbach, wo er mit sechs Geschwistern auf dem Bauernhof der Eltern aufwuchs. Das Gymnasium brach er ab und absolvierte stattdessen eine Ausbildung zum Werkzeugmacher-Meister bei Philips in Wien. Danach holte er seinen Schulabschluss an der Bundeslehranstalt für Maschinenbau nach.

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Von Philips wechselte Wolf 1981 zu den Vereinigten Wiener Metallwerken, 1983 zum Munitionsproduzenten Hirtenberger, wo er auch Gesamtprokurist war. Dort wurde er 1994 von Magna-Chef Frank Stronach entdeckt und angeheuert und legte eine Blitzkarriere hin. Er begann zunächst als Vorstand für Forschung und Entwicklung. Schon 1995 rückte er zum Präsidenten der Magna Europa AG mit Sitz im niederösterreichischen Oberwaltersdorf bei Wien auf.

In den folgenden Jahren übernahm Magna mehrere kleine Firmen. 1998 wickelte Wolf für Magna den Kauf der Steyr-Daimler-Puch ab, die 2001 in Magna Steyr umbenannt wurde. Unter Wolf stieg die Anzahl der Magna-Mitarbeiter in Europa von rund 1.000 auf 29.000.

1999 wurde Wolf von Stronach in den Verwaltungsrat des Mutterkonzerns Magna International berufen. Er wurde dort Stronachs rechte Hand. Sämtliche Aktivitäten außerhalb der Autobranche wurden nach 2000 in die Magna Entertainment ausgegliedert. Magna Steyr richtete Wolf ganz auf den Autobau aus. Im Auftrag von Mercedes-Benz, Chrysler, Saab und BMW wurden für diese Konzerne komplette Autos gebaut.

Ende Jänner 2004 kehrte Frank Stronach überraschend an die Spitze seines eigenen Imperiums zurück, als interimistischer Nachfolger seiner Tochter Belinda, die ab 2001 Konzernchefin gewesen war und in Kanada in die Politik wechselte. Ebenso überraschend gab er die Führung wieder ab, und zwar an den Kanadier Donald Walker (der bereits von 1994 bis 2001 CEO gewesen war) und den Österreicher Siegfried Wolf. Für Wolf bedeutete das einen abermaligen Karrieresprung. Stronach zog als Chairman of the Board of Directors im Hintergrund die Fäden.

Erfolgreiche Expansion

Wolf setzte die Expansion fort. In China wurden rund zwei Dutzend Fabriken gebaut. 2007 beteiligte sich die russische Basic Element von Oleg Deripaska um 1,5 Mrd. US-Dollar (1,17 Mrd. Euro) an Magna - ein Engagement, das Deripaska in der Wirtschaftskrise wieder aufgeben musste. Eine weniger glückliche Hand hatte Wolf als Miteigentümer der 2003 gestarteten steirischen Pleite-Airline Styrian Spirit, die schon 2006 wieder aufgeben musste.

2010 holte Deripaska Wolf ganz nach Russland. Er leitete für den russischen Milliardär die Geschicke von Russian Machines. Schon davor wollten Wolf und Deripaska mit ihrem Rettungskonzept für den deutschen Autobauer Opel gemeinsame Sache machen. Magna wollte mit Deripaskas Autobauer GAZ und der staatlichen russischen Sparkasse Sberbank bei Opel einsteigen und hatte im September 2009 bereits die Zusage der damaligen Opel-Mutter General Motors - zwei Monate später sagten die Amerikaner den vor allem von Wolf vorangetriebenen Deal aber überraschend ab.

Die Beziehung zu Deripaska war es auch, die u.a. bei der MAN-Belegschaft in Steyr Skepsis hervorrief, als Wolf im Frühjahr der Belegschaft sei Übernahmekonzept für das Lkw-Werk präsentierte. In einer Urabstimmung votierten zwei Drittel der Beschäftigten dagegen. Doch Wolf ließ nicht von seinem Vorhaben ab und besserte sein Angebot nach. Jetzt wurde sein jüngster Deal fixiert.

Mitglied zahlreicher Aufsichtsräte 

Wolf saß in Österreich zudem schon in den Aufsichtsräten von Strabag, Verbund und Siemens derzeit ist er im Aufsichtsrat des oberösterreichischen Technologiekonzern Miba. Als Aufsichtsrat der Staatsholding ÖIAG (heute ÖBAG) fungierte Wolf ab Sommer 2008 auch als Chefverhandler beim Verkauf des Bundesanteils der Austrian Airlines (AUA). Auch als 2014 der mexikanische Multimilliardär Carlos Slim mit seiner America Movil die Kontrolle der teilstaatlichen Telekom Austria übernahm, saß Wolf im Aufsichtsrats der ÖIAG. Nach dem Schlamassel rund um Slims Einstieg wurde die ÖIAG zur ÖBIB umgebaut und der sich bis dahin selbst erneuernde Aufsichtsrat abgeschafft.

Auch als die ÖBIB 2019 zur ÖBAG wurde, tauchte Wolfs Name wieder auf. Wie aus sichergestellten Chatnachrichten zwischen dem späteren ÖBAG-Chef Thomas Schmid und seiner Assistentin hervorgeht, hatte Kanzler Sebastian Kurz (ÖVP) einen gewissen "SW" zum ÖBAG-Aufsichtsratschef machen wollen. 

Wolf betätigte sich mit anderen großen Namen der österreichischen Wirtschaft auch als Stifter. Gemeinsam mit Rene Benko, Ronny Pecik, Boris Nemsic, Wolfgang Rosam, Frank Stronach, Walter Rothensteiner und weiteren Wirtschaftskapitänen gründete er 2011 die Nein-zu-Arm-und-Krank-gemeinnützige-Privatstiftung. Wolf gehören unter anderem auch ein Weingut und ein Reiterhof in Weikersdorf in Niederösterreich sowie der Fontana Golfclub und das Schloss Oberwaltersdorf. (apa)