Stahlindustrie

Neuer Stahlgigant von Thyssen und Tata: 4000 Jobs sollen weg

Thyssenkrupp und die indische Gruppe Tata vereinbaren den Fahrplan für die Fusion ihrer Stahlsparten. Jetzt sollen bei beiden Konzernen insgesamt 4.000 Arbeitsplätze verschwinden. Die neue Zentrale wandert in die Niederlande.

Lange haben der deutsche Industriekonzern ThyssenKrupp und sein indischer Konkurrent Tata verhandelt, nun gibt es eine Absichtserklärung: die Konzerne wollen ihre europäischen Stahlsparten zusammenlegen. Hintergrund sind Überkapazitäten in der Branche.

Die Arbeitnehmervertreter kündigen massive Proteste an. Die Situation jetzt: Arbeiter von Thyssenkrupp wollen Stahlproduktion komplett stoppen >>

ThyssenKrupp will einen neuen europäischen Stahlgiganten schaffen, der nach Arcelormittal die Nummer zwei auf dem europäischen Markt wäre. Nach mehr als einjährigen Verhandlungen einigten sich beide Unternehmen grundsätzlich auf die Fusion ihrer europäischen Stahlsparten.

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Bei beiden Konzernen sollen je 2.000 Stellen wegfallen und Synergien im Volumen von insgesamt 400 bis 600 Mio. Euro entstehen. Aktuell dazu: Künftige Nummer 2 Europas: Die wichtigsten Eckdaten >>

Voestalpine erwartet sinkende Produktionsmengen bei Stahl

Von der Voestalpine hieß es in einer ersten Stellungnahme, man begrüße die Fusionspläne. Dies sei ein Schritt hin zu einer Konsolidierung des Stahlmarktes.

Zugleich erwartet man bei der Voestalpine jetzt, dass die produzierten Stahlmengen bei Thyssenkrupp und Tata sinken werden. Auswirkungen der Zusammenlegung auf das eigene Geschäft erwarten die Linzer dagegen nicht. Aktuell dazu: Voestalpine begrüßt die Fusionspläne von Thyssen und Tata >>

Neuer Konzern soll "Thyssenkrupp Tata Steel" heißen - Zentrale in den Niederlanden

Die neue Gesellschaft soll "Thyssenkrupp Tata Steel" heißen und ihren Sitz in den Niederlanden haben. Nach dem Zusammenschluss kommt das Unternehmen erst einmal auf rund 48.000 Mitarbeiter an 34 Standorten - wovon 27.000 von Thyssenkrupp kommen.

Thyssenkrupp soll dabei den Geschäftsbereich Steel Europe in das geplante Joint Venture einbringen. Außerdem ist im Gespräch, den Bereich Thyssenkrupp MillServices & Systems, die stahlwerksnahe Dienstleistungen erbringt und zum Geschäftsbereich Materials Services gehört, in das Gemeinschaftsunternehmen zu überführen.

Tata würde sämtliche Flachstahlaktivitäten in Europa einbringen.

Vertragsunterzeichnung 2018

Der endgültige Vertrag soll Anfang 2018 unterzeichnet werden, wie ThyssenKrupp in Essen mitteilte. Die Kontrollgremien der beiden Unternehmen müssen den Plänen noch zustimmen.

Der Betriebsrat der ThyssenKrupp-Stahlsparte sprach von einer falschen Entscheidung. "Der Vorstand hat gegen alle Warnungen alles auf eine Karte gesetzt. Das bedeutet nicht, dass wir das gutheißen", sagte der Betriebsratschef der Stahlsparte, Günter Back, der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Ziel müsse es nun sein, "das Schlimmste" zu vermeiden.

Back zeigte sich überzeugt, dass es bei einer Fusion nicht bei dem angekündigten Abbau von rund 2.000 Stellen bei ThyssenKrupp in Deutschland bleiben werde. Am Ende würden einem Zusammenschluss "wesentlich mehr" Arbeitsplätze zum Opfer fallen, meinte er. Für diesen Freitag haben Betriebsrat und die deutsche Gewerkschaft IG Metall zu einer Protestkundgebung in Bochum aufgerufen, zu der mindestens 5.000 Stahlkocher erwartet werden.

Aufsichtsräte der Mitarbeiter: Proteste wie noch nie

ThyssenKrupp-Chef Heinrich Hiesinger zeigte sich jedoch überzeugt, dass es gelingen werde, in den bevorstehenden Gesprächen auch die Arbeitnehmerseite von dem Vorhaben zu überzeugen. "Wir wollen den Stahl nicht loswerden", sagte er.

Die Arbeitnehmervertreter hatten zuvor angekündigt, bei einer möglichen Abstimmung im Aufsichtsrat geschlossen gegen eine Fusion stimmen zu wollen. Ein solches Votum wäre ein Novum in der Konzerngeschichte. Zu einer Abstimmung werde es bei der am kommenden Samstag geplanten Sitzung des Aufsichtsrats jedoch zunächst nicht kommen, kündigte Hiesinger an.

Krupp Stiftung als Großaktionär ist dafür

Die Krupp-Stiftung als wichtiger Großaktionär begrüßte das Vorhaben. Hiesinger stellte durch die Fusion eine "nachhaltige Zukunftsperspektive" in Aussicht.

Mit dem Zusammenschluss seien beide Unternehmen "weitaus besser aufgestellt, um den strukturellen Herausforderungen von Europas Stahlindustrie zu begegnen". Durch den Zusammenschluss würden beide Unternehmen von erheblichen Synergien profitieren, hieß es. Tata-Steel-Chef Natarajan Chandrasekan sprach von einem "Meilenstein" für beide Partner.

Überkapazitäten: Hiesinger spricht von einer "Abwärtsspirale"

In einem Brief an die Mitarbeiter wies Hiesinger auf "erhebliche Überkapazitäten" in der Stahlbranche hin. Die Nachfrage nach Flachstahl wachse nur sehr langsam.

Alle Stahlunternehmen arbeiteten mit Restrukturierungsprogrammen dagegen, heißt es in dem Schreiben, das der Deutschen Presse-Agentur vorlag. "Die Wirkung ist aber nur von kurzer Dauer und schnell vom Markt aufgezehrt." Dadurch entsteht eine Abwärtsspirale, die uns dazu zwingt, immer wieder schmerzhaft nachzuziehen." Um aus diesem Kreislauf auszubrechen, habe man sich für den Zusammenschluss entschieden.

Aktuell zum Thema Überkapazitäten und dem Standort Linz:  Voestalpine-Chef Eder: "Stahl bleibt" >>

Deutsche und Inder wollen jeweils 50 Prozent halten

ThyssenKrupp und Tata beabsichtigen je 50 Prozent der Anteile an dem neuen Gemeinschaftsunternehmen zu halten.

Durch die Fusion würde, gemessen an der Produktion, das zweitgrößte Stahlunternehmen Europas hinter dem Branchenprimus ArcelorMittal entstehen. Wichtigste Eckdaten zu beiden Stahlsparten hier >>

(red/dpa/apa)