Österreich

Nach Pleite von Air Berlin: Chefs von Flyniki versuchen zu beruhigen

Die Geschäftsführung des österreichischen Anbieters Flyniki informiert die Belegschaft über den Fortbestand des Unternehmens. Die Botschaft: Niki ist vom Insolvenzantrag des Mutterkonzerns Air Berlin nicht betroffen - vorerst.

Bei Niki, dem österreichischen Ableger der Etihad/Air-Berlin-Gruppe, ist eine für den heutigen Mittwoch anberaumte Kollektivvertragsverhandlung für das Bordpersonal abgesagt worden. Die Runde ist "ausgesetzt", heißt es.

Zur Zeit stehen bei Niki andere Probleme im Vordergrund: Die Pleite des Mutterkonzerns Air Berlin stellt alles in den Schatten. Der Wiener Belegschaft steht bei den Tarifverhandlungen damit kein handlungsfähiger Partner zur Verfügung. Belegschaft und Management wollen alle Kräfte auf den Weiterbestand der Firma legen.

Chefs rücken in Wien zur Beruhigung aus

Die Niki-Geschäftsführung informiert heute die Belegschaft über den Fortbestand des Unternehmens, heißt es zur APA. Die Botschaft: Niki ist vom gestrigen Insolvenzantrag von Air Berlin jetzt nicht betroffen. Die Flugpläne seien aufrecht, alle Flüge weiterhin buchbar. Die deutsche Regierung schützt Air Berlin gerade mit Staatshilfe davor, am Boden bleiben zu müssen.

In diesen Stunden trommelt die Niki-Geschäftsführung in Wien-Schwechat immer wieder Mitarbeiter zu Informationsrunden zusammen, um die Lage zu erklären. Bodenmitarbeiter und Crews sollen verunsicherten Passagieren Rede und Antwort stehen können, was den aktuellen Informationsstand betrifft. Diese Informationsveranstaltungen werden so ablaufen, dass der Flugbetrieb nicht betroffen ist.

Niki soll direkt zur arabischen Gesellschaft Etihad

Niki hat beim bisher letzten Umbau der Air Berlin die Ferienflugstrecken im Konzern übernommen. Dazu gehörte, dass Niki direkt unter die Flügel des arabischen Air-Berlin-Hauptaktionärs Etihad kommt. Schon zum heurigen Jahreswechsel hat Etihad für die Niki-Anteilsübernahme 300 Mio. Euro an Air Berlin überwiesen. Der Deal ist behördlich noch nicht genehmigt, die 300-Millionen-Geldspritze von den Berlinern aber längst verbraten.

Fakten hat Etihad aber schon geschaffen, auch nach außen: Die letzten Presseaussendungen über Niki-Winterflugpläne etc. trugen nur mehr die Briefköpfe von Etihad und Niki.

Den berühmten "Mallorca-Shuttle" betreibt heute Niki

Seit Niki die Ferienflüge von Air Berlin übernommen hat - darunter den berühmte "Mallorca-Shuttle" von deutschen Städten - ist Niki als Airline für Reisen zu europäischen Ferienzielen ein wichtiger Player geworden: Neben zur Zeit 67 wöchentlichen Abflügen ab Österreich wickelt Niki jede Woche 75 Abflüge von Schweizer Airports und 481 Abflüge von deutschen Flughäfen aus ab.

Dass der Flughafen Genf von Air Berlin für Start- und Landegebühren nun Vorauszahlung von Air Berlin verlangt, trifft Niki nicht, so Niki-Sprecherin Milene Platzer zur APA. Das sei für Niki nicht relevant, da man von Genf keine Abflüge habe.

Mit einem 150 Mio. Euro schweren Brückenkredit des deutschen Bundes ist der Weiterbetrieb von Air Berlin für die nächste Zeit gesichert, wurde aus Deutschland betont. Die Regierung in Berlin sprach davon, dass das Geld bis November reichen sollte. Deutsche Experten glauben indes, dass es bei Air Berlin wie so oft um Wochen gehen könnte.

Auch an einer anderen Front wurde beschwichtigt: Schon unmittelbar nach dem gestrigen Air-Berlin-Insolvenzantrag hat die deutsche Lufthansa mitgeteilt, dass auch die geleasten Air-Berlin-Flugzeuge, die aktuell für Eurowings und die AUA (Austrian Airlines) fliegen, wie bisher weiter betrieben werden können.

Die AUA hat derzeit fünf Flugzeuge samt Besatzungen der insolvent gewordenen Air Berlin geleast. Diese Maschinen (Airbus 320) werden auf AUA-Strecken eingesetzt, die AUA hat damit Europastrecken aufgestockt. (APA/red)