Halbleiter

Merck: Chancen auf feindliche Übernahme von Versum steigen

Der Pharmariese Merck bietet nun 53 Dollar pro Aktie des amerikanischen Halbleiterzulieferers Versum, dessen Wert damit mit etwa 6,5 Milliarden Dollar beziffert wird. Mit der Übernahme will Merck sein schwächelndes Geschäft mit Spezialchemie stärken.

Der deutsche Merck-Konzern legt mehr Geld auf den Tisch, um den US-Halbleiterzulieferer Versum zu übernehmen. Der DAX-Konzern habe sein Angebot von zunächst 48 Dollar je Aktie auf nun 53 Dollar (47,18 Euro) je Papier in bar erhöht, teilte Versum in Tempe im Bundesstaat Arizona mit.

Chancen auf eine Übernahme deutlich gestiegen

Zudem schwenkten die Amerikaner um: Nach Gesprächen mit Rechtsberatern habe die Versum-Führung entschieden, dass das Merck-Offert dem konkurrierenden Angebot des US-Spezialchemiekonzerns Entegris überlegen sei, hieß es. Dazu: Merck will Milliardenübernahme von Versum - trotz massivem Widerstand >>

Das Versum-Management wolle nun den mit Entegris ausgehandelten Fusionsvertrag kündigen und sich zu einer Übernahme durch Merck verpflichten. Zuletzt hatte Versum das Offert des Pharma- und Chemiekonzerns abermals abgewiesen und erklärt, es sei "nicht im besten Interesse" des Unternehmens.

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Nun sind die Chancen von Merck auf eine Übernahme deutlich gestiegen - wenn auch zu einem höheren Preis. Die Aufstockung des Angebots kostet die Darmstädter rund 545 Mio. Dollar. Damit würde Versum mit etwa 6,5 Mrd. Dollar bewertet. Dazu: Feindliche Übernahmeversuch von Merck: Versum gibt jetzt doch nach >>

Das anvisierte Ziel der Übernahme

Die Deutschen wollen mit der Versum-Übernahme ihr schwächelndes Geschäft mit Spezialchemie stärken, das bei Flüssigkristallen etwa für Smartphone- und TV-Displays unter asiatischer Konkurrenz leidet. Mit der Übernahme von Versum könnte sich Merck stärker auf die Elektronik-Industrie ausrichten. Versum hat 2300 Mitarbeiter und stellt Spezialgase und -chemikalien für Halbleiter her.

Ganz am Ziel ist Merck aber noch nicht: Entegris bekommt noch die Chance, seinerseits nachzubessern. Die Frist für mögliche Änderungen am bisherigen Angebot ende für Entegris am 11. April, hieß es von Versum. Man beabsichtige, mit Entegris in "gutem Glauben" zu verhandeln und alle möglichen Änderungen des Offerts des Konzerns bis dahin in Betracht zu ziehen. Sollte Versum die Vereinbarung mit dem US-Spezialchemiekonzern beenden, würde den Angaben zufolge eine Gebühr von 140 Mio. Dollar fällig. Entegris gab sich am Montag zunächst zurückhaltend. Derzeit habe man nicht die Absicht, das Gebot für Versum anzuheben, erklärte das Unternehmen.

Konzernchefs haben sich schon getroffen

Gespräche auf höchster Ebene zwischen Merck und Versum haben bereits stattgefunden, wie bei der US-Börsenaufsicht SEC eingereichte Unterlagen zeigen. Demnach haben sich Merck-Chef Stefan Oschmann und Versum-Chairman Seifollah Ghasemi am vergangenen Mittwoch und Samstag zu Gesprächen in New York und München getroffen. Dabei habe Oschmann ihn informiert, dass Merck eine Aufstockung auf 53 Dollar je Aktie erwäge. Kurz darauf gab der Konzern offiziell das höhere Offert ab.

Versum hatte sich im Jänner mit Entegris auf eine Übernahme in einem rund vier Mrd. Dollar schweren Aktiendeal geeinigt und zunächst das reine Bar-Angebot von Merck abgelehnt. Der DAX-Konzern hatte sich daraufhin zu einem feindlichen Übernahmeversuch entschlossen und die Versum-Aktionäre zur Ablehnung des Entegris-Offerts aufgerufen. (dpa/apa/red)

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