Oberösterreich

MAN Steyr: Ein Werk mit über 100 Jahren Tradition

Die Tradition des heute zu MAN gehörenden Werks in Steyr reicht noch in die Kaiserzeit zurück - seit über hundert Jahren werden hier Lastwagen gebaut. Der Standort arbeitet bis heute profitabel, betonen Betriebsräte und die Landesregierung.

Im MAN-Werk in Steyr werden seit über 100 Jahren Lkw gefertigt. Als vor ziemlich genau einem Jahr ruchbar wurde, dass damit nun Schluss sein könnte, war Feuer am Dach. Denn an die 2.300 Leute inklusive Leasingpersonal haben hier Arbeit. Gewerkschaft und Politik versuchten - wenn auch mit Jobabbau - zumindest den Standort zu erhalten und argumentierten, dass er profitabel sei. Parallel lief die Investorensuche. Denn Steyr ohne Lkw-Bau ist in Oberösterreich schwer vorstellbar.

Werk 1914 fertiggestellt - seit 1989 gehört Standort zu MAN

Das Werk in Steyr wurde 1914 fertiggestellt. 1919 begann die Produktion der ersten Lkw. 1989 übersiedelte man unter das Dach von MAN. MAN wiederum ist Teil der VW-Nutzfahrzeug-Sparte Traton. 1999 übernahmen die Oberösterreicher die gesamte Lkw-Fertigung der leichten und mittleren Baureihe von MAN. Das sind Fahrzeuge mit zwei oder drei Achsen, auch mit Allradantrieb ausgestattet, mit 150 bis 340 PS und einem Gesamtgewicht von 7,5 bis 26 Tonnen.

Darüber hinaus werden dort auch Sonderfahrzeuge sowie Komponenten für den Produktionsverbund des Konzerns gebaut, beispielsweise Fahrerhäuser. Außerdem befindet sich in Steyr die größte Lackieranlage Europas für Lkw-Kunststoffanbauteile. Auch Forschung und Entwicklung werden an diesem Standort betrieben. Zuletzt gab es auch eine Kleinserie von E-Trucks.

White Paper zum Thema

MAN will das Werk nicht mehr

Vor einem Jahr wurden die Schließungspläne der VW-Tochter MAN für den Standort Steyr erstmals medial verbreitet. Die Maßnahme ist Teil eines konzernweiten Umstrukturierungs- und Sparprogramms, dem tausende Jobs zum Opfer fallen sollen. War die Belegschaftsvertretung in Steyr anfangs noch optimistisch, dass es "nur" zu einem Personalabbau kommen werde, war bald klar, dass die Mutter das Werk "zu Disposition" stellen will.

Im September machte MAN ernst und kündigte die Beschäftigungs- und Standortsicherungsverträge für Werke in Deutschland und Österreich aus wirtschaftlichen Gründen. Der Standortsicherungsvertrag hätte den Bestand des Unternehmens in Steyr eigentlich bis 2030 sichern sollen.

Interesse auch bei Tatra

Zuletzt hatte der tschechische Automobilhersteller Tatra mit Sitz in Koprivnice Interesse an dem Standort gezeigt, davor hatte Wirtschaftsministerin Margarete Schramböck (ÖVP) von Bemühungen berichtet, ein "Österreich-Konsortium" aufzustellen, das das Werk in Oberösterreich übernehmen könnte. Hier blieb allerdings offen, ob weiter Lkw produziert würden oder vielleicht etwas völlig anderes.

Wenig Chancen bei Karl Egger (KeKelit)

Die "Green Mobility Center"-Pläne des Konsortiums rund um den Linzer Unternehmer Karl Egger (KeKelit) dürften den Vorstand nicht überzeugt haben, Interesse des Beraters Christoph Strobl mit der Innovationsinitiative Grantiro und dem Sanierungsfonds Transformation Equity Partners scheint dort gar nicht wirklich wahrgenommen worden sein.

Details:
MAN Steyr: Linzer Unternehmer Karl Egger legt Konzept vor >>  
Tatra soll Interesse an MAN in Steyr haben >>

Recht früh fuhr der Zug - oder besser gesagt der Lastwagen - in Richtung Siegfried Wolf und seiner Beteiligungsgesellschaft WSA. Wolf habe das einzige Konzept "mit industrieller Logik" vorgelegt, sagte der MAN-Vorstandsvorsitzende Andreas Tostmann. (apa/red)

Hintergrund dazu:
Für Oleg Deripaska und die russische GAZ-Gruppe tickt die Uhr >>

Zur Person:
Siegfried Wolf: Topmanager mit besten Kontakten nach Russland >>

Industriemagazin-Schwestermedium Traktuell
Steigt Traton bei der GAZ-Gruppe ein oder ist gar eine Übernahme geplant? >>

Falls Siegfried Wolf das MAN-Werk in Steyr übernimmt und in einen Produktionsstandort für Transporter umfunktioniert, dann stellt sich eine Frage: Wo soll eigentlich nach 2023 die leichte und mittlere MAN-Baureihe vom Band laufen? Wird diese womöglich künftig in Russland produziert? Einige – zugegebenermaßen spekulative – Antworten auf diese Fragen liefert hier Traktuell.at >>