Leihkraft im Nadelstreif

Immer mehr Unternehmer holen sich in der Krise Unterstützung von externen Sanierern. Drei Firmenchefs berichten von ihren Erfahrungen mit solchen Interimsmanagern.

Chemische Industrie Finanzierung

Dass diese Sitzung so aus dem Ruder läuft, hätte Karl Girrbach nicht zu träumen gewagt. „Vielleicht war ich in dieser Hinsicht ja ein wenig zu harmlos veranlagt“ sagt der mittlerweile pensionierte Miteigentümer des Vorarlberger Dentalgeräteherstellers Amman Girrbach AG, wenn er sich an die Poolsitzung seiner Gläubigerbanken an jenem Frühsommertag 2003 erinnert.
Ja, die Investition in einen ostdeutschen Stahlmöbelhersteller ging schief – und Girrbach haftet mit seinem Privatvermögen für die Altlasten des DDR-Relikts. Aber waren es nicht genau jene Banker, die hier über ihn richten wollen, die sich noch vor wenigen Monaten um die Finanzierung des Projektes prügelten?
Und, ja, die Produkte eines Lieferanten, für die Girrbach eine Abnahmeverpflichtung einging, erwiesen sich als technologisch noch nicht ausgereift. Aber kam der Vertrag nicht auf das ausdrückliche Anraten jenes Sanierungsberaters zustande, den ihm diese Banker aufgezwungen hatten?
Immerhin: Aller Probleme zum Trotz war er – bis zu jenem verhängnisvollen Frühsommervormittag – allen Ratenzahlungen überpünktlich nachgekommen.
„Die Atmosphäre am Tisch war niederschmetternd“ sagt Girrbach. Gleich nach der Präsentation seines Sanierungskonzeptes setzen ihm die Banker das Messer an. Entweder Girrbach zieht sich zurück und akzeptiert einen von den Bankern nominierten Sanierer oder die Institute stellen die Kredite fällig. Allesamt und per sofort.

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