Stahlindustrie

Kurzarbeit im Stahlwerk in Košice

Das Stahlwerk in der slowakischen Stadt Košice ist ein wichtiger Standort des amerikanischen Stahlriesen US Steel - jetzt ordnet der Konzern in Košice Kurzarbeit an. Update: Offenbar werden bereits mit einem Mitbewerber Verhandlungen über einen Verkauf geführt.

Der amerikanische Stahlriese US Steel hat an seinem Standort in der slowakischen Stadt Košice ab Anfang Jänner Kurzarbeit angeordnet. In dem Stahlwerk U. S. Steel Košice wurde 2016 eine Viertagewoche eingeführt, die Beschäftigten bekommen 60 Prozent ihres Lohns bezahlt, wie der Fachdienst Platts SBB Daily Briefing meldet.

Der Standort befindet sich in der Nähe von Košice, der zweitgrößten Stadt der Slowakei. Das Stahlwerk ist nach Angaben des Konzerns eines der größten Unternehmen des Landes. Zuletzt waren hier etwa 12.000 Menschen beschäftigt.

Tschechischer Stahlhersteller Moravia Steel offenbar interessiert

Die Entscheidung, das Werk zu verkaufen, fiel vor etwa drei Jahren, als der Standort in die roten Zahlen gerutscht ist. Die Amerikaner entschieden sich damals jedoch wieder dagegen, nachdem die slowakische Regierung Staatshilfen in Höhe von etwa 15 Millionen Euro pro Jahr während eines Zeitraums von 15 Jahren zugesagt hat, wie Reuters zu diesem Thema berichtet.

Nach einem Bericht der slowakischen Zeitung "Hospodarske Noviny" hat das tschechische Unternehmen Moravia Steel Interesse an U. S. Steel Košice bekundet. Dem Bericht zufolge habe es demnach sogar bereits Gespräche zwischen beiden Herstellern gegeben.

Preis für Eisenerz bricht um 65 Prozent ein

In Košice sind dieselben Auswirkungen der aktuellen Branchensituation spürbar wie in sehr vielen Stahlwerken Europas - die gesunkene Nachfrage und vor allem Billigstahl Stahl aus China aufgrund von Überkapazitäten sorgen gerade für große Probleme in der gesamten Industrie. Vor wenigen Wochen etwa hat die Voestalpine ihre Umsatzziele nach unten korrigiert. Grund dafür seien vor allem das geringer als damals erwartete Weltwirtschaftswachstum und die niedrigen Rohstoffpreise, hieß es seitens des Konzerns. Die Verkaufserlöse sollten nun jährlich um 5 Prozent statt der ursprünglich erwarteten 5,7 Prozent wachsen.

Diese Entwicklung sei zum einen auf ein "deutlich unter den damaligen Prognosen liegendes globales Wirtschaftswachstum in den vergangenen drei Jahren" sowie auf die stark gesunkenen Rohstoffpreise zurückzuführen. Der Preis für Eisenerz und Kohle sei beispielsweise gegenüber 2012 um jeweils 65 Prozent eingebrochen. Alleine diese beiden Effekte "kosteten" - hochgerechnet bis 2020 - mehr als 3 Mrd. Euro Umsatzzuwachs.

Deutsche Stahlindustrie erwartet ein vergleichsweise geringes Minus von drei Prozent

Diesen Trends zum Trotz erwartet die Stahlindustrie In Deutschland für heuer allerdings keine dramatischen EInbrüche - sondern eine Seitwärtsbewegung oder einen Rückgang im niedrigen einstelligen Prozentbereich. "Wenn's gut läuft, gehe ich allenfalls von einer Seitwärtsbewegung aus", sagte der Präsident des Arbeitgeberverbands Gesamtmetall, Rainer Dulger, zur dpa. Eine Prognose sei schwierig, weil der Konjunkturverlauf "mehr in der Hand der Notenbanken liegt als in der Hand der Kunden und der Hersteller".

Von der Wirtschaftsvereinigung Stahl kamen inzwischen trotzdem konkrete Zahlen. Der Branchenverband erwartet für das kommende Jahr eine Rohstahlproduktion, die in Deutschland voraussichtlich um drei Prozent auf 41,5 Millionen Tonnen sinken werde. Den weltweiten Trends der Stahlindustrie könne sich auch die Stahlindustrie in Deutschland nicht entziehen, so Verbandspräsident Hans Jürgen Kerkhoff.

Erzeugung weltweit geht zurück

Weltweit ist die Erzeugung von nichtrostendem Stahl in den ersten drei Quartalen 2015 gegenüber dem selben Zeitraum des Vorjahres um einen halben Prozent gesunken. Das teilt der in Brüssel ansässige Interessensverband International Stainless Steel Forum (ISSF) mit.

Laut den Daten des ISSF war die Entwicklung in den einzelnen Regionen der Welt relativ ungleich verteilt. So war der Rückgang in Mitteleuropa und Osteuropa mit über sieben Prozent am stärksten. Die Produktion in China legte leicht um 0,7 Prozent zu, die Produktion in den beiden Kontinenten Amerikas erreichte sogar ein Plus von 2,3 Prozent - bleibt allerdings weiter auf einem vergleichsweise bescheidenen Niveau. Genauere Daten zu den Regionen der Welt sind vorerst nicht verfügbar.

Auch Produktion von Rohstahl sinkt

Zugleich geht auch die Produktion von Rohstahl weltweit zurück. Dabei fallen die Rückgänge in Europa sogar vergleichsweise milde aus - und unter den großen Herstellerländern verzeichnet ein einziges Land ein Plus. Die aktuellen Marktdaten zur Produktion von Rohstahl hier im Überblick.

Für China erwartet zugleich ein staatliches chinesisches Institut für Industriestuden, dass die Produktion von Rohstahl im kommenden Jahr deutlich sinken wird. Grund seien die enormen Überkapazitäten. Mehr zu dieser Prognose hier.

(red)