Bahnindustrie

Insider: Alstom legt Bombardier in wenigen Stunden ein Gebot vor

Zur Stunde berät die Führung des französischen Bahnkonzerns Alstom über ein Gebot für die Zugsparte von Bombardier, die auch ein großes Werk in Wien betreibt. In Kürze soll es Eingeweihten zufolge eine Entscheidung geben.

Der französische Zughersteller Alstom steht offenbar vor einem Übernahmeangebot für die Eisenbahn-Sparte des angeschlagenen kanadischen Konkurrenten Bombardier. Die Führungsspitze von Alstom werde in Kürze über die Abgabe eines verbindlichen Gebots entscheiden, sagte eine mit den Plänen vertraute Person der Nachrichtenagentur Reuters.

Insider: Alstom bietet knapp 6,5 Milliarden Euro

Der französische Nachrichten- und Wirtschaftssender BFM berichtete unter Berufung auf unternehmensnahe Kreise, Alstom bewerte die Zug-Tochter von Bombardier mit Sitz in Berlin dabei mit knapp sieben Milliarden Dollar (6,42 Mrd. Euro).

Die Verhandlungen liefen schon seit Monaten, Bombardier habe seine Bücher für die Franzosen bereits geöffnet, berichtete der Sender. Der Auftragsbestand der Zug-Sparte von Bombardier sei mit 35 Milliarden Dollar zwar groß, viele Aufträge seien aber wenig profitabel. Alstom wolle 70 Prozent der Anteile in bar erwerben. Der kanadische Pensionsfonds Caisse de depot et placement du Quebec, der die restlichen 30 Prozent hält, solle Alstom-Aktien bekommen.

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Zugsparte von Bombardier gilt als Ertragsperle des Konzerns

Bombardier braucht Geld, und die Zug-Sparte gilt als werthaltigster Teil des Konzerns - auch wenn sie mit operativen Schwierigkeiten kämpft, die das Unternehmen vor kurzem zu einer Gewinnwarnung gezwungen hatten.

Siemens ist zuvor an Brüssel gescheitert

Die japanische Hitachi habe ebenso abgewunken wie Siemens, hieß es in dem Bericht. Der Münchner Industriekonzern hatte seine Pläne für eine Fusion seiner Zug-Sparte mit Alstom aufgeben müssen, weil der Widerstand von EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager nicht zu überwinden war. Vor Alstom hatten die Münchner Insidern zufolge bereits mit Bombardier verhandelt.

Die Branche ist im Umbruch, weil die drei großen westlichen Zughersteller etwas gegen die Konkurrenz des chinesischen Branchenriesen CRRC unternehmen wollen, der nach Europa drängt. Doch auch eine Fusion von Alstom und Bombardier wäre kartellrechtlich nicht unproblematisch.

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Auch andere Teile von Bombardier stehen angesichts der finanziellen Engpässe zum Verkauf. Airbus steht Branchenkreisen zufolge vor der Übernahme der restlichen Anteile an seinem kleinsten Verkehrsflugzeug-Modell A220. Bombardier hatte die Mehrheit bereits im vergangenen Jahr an den deutsch-französischen Flugzeugbauer abgegeben, hält aber noch 33,6 Prozent. Bombardier scheut die Kosten für den Hochlauf des A220. (reuters/apa/red)

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