Arbeitsmarkt

In Österreich fehlen weiterhin Informatiker

In der heimischen IT-Branche herrscht trotz der Coronakrise weiterhin ein großer Mangel an Spezialisten. Vertreter des Fachverbands Ubit in der Wirtschaftskammer fordern Gegenmaßnahmen, etwa mehr Geld für Hochschulen.

Die Coronakrise hat im vergangenen Jahr das Geschäft von IT-Firmen und Beratern kräftig angekurbelt. "Corona hat einen Digitalisierungsboom ausgelöst", sagte der WKÖ-Fachverbandsobmann für Unternehmensberatung, Buchhaltung und IT (UBIT), Alfred Harl, bei einer Online-Pressekonferenz. Der IT-Fachkräftemangel habe sich deswegen in Österreich weiter zugespitzt. Die WKÖ fordert Gegenmaßnahmen von der Regierung.

Der UBIT-Obmann ortet bei heimischen Unternehmen teilweise noch "viel Handlungsbedarf" bei Digitalisierung und Cybersecurity. "Die Pandemie war ein Kick für IT-Umstellungsmaßnahmen." Neben IT-Firmen haben auch Buchhalter und Unternehmensberater den von der Coronakrise betroffenen Betrieben organisatorisch unter die Arme gegriffen, etwa mit Dienstleistungen im Bereich Liquiditätssicherung, Überbrückungskredite und Kurzarbeit.

Der stellvertretende UBIT-Obmann, Martin Zandonella, schätzt den IT-Fachkräftemangel auf durchschnittlich 24.000 Personen in Österreich, davon allein 10.000 im Bereich Unternehmensberatung, Buchhaltung und Informationstechnologie. In fünf Jahren könnten bis zu 30.000 IT-Fachkräfte fehlen, erwartet Zandonella. Durch die fehlenden Arbeitskräfte würde ein Wertschöpfungsverlust in Milliardenhöhe entstehen. Der WKÖ-Vertreter fordert Maßnahmen der Regierung gegen den IT-Fachkräftemangel. Fachhochschulen und Universitäten sollten im Bereich IT-Ausbildung mehr öffentliche Gelder erhalten und die teilweise hohe Drop-out-Quote bei den Studierenden müsse gesenkt werden, sagte Zandonella.

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Außerdem sei ein umfassender Informatik-Unterricht in den Allgemeinen höheren Schulen (AHS) notwendig und IT-Themen sollten auch schon im Kindergarten behandelt werden. Ohne diese Maßnahmen werde man nicht die nötigen Fachkräfte haben, warnte der WKÖ-Vertreter. Zwei positive Signale sieht Zandonella dennoch. Das Interesse an IT-Berufen bei jungen Menschen sei in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen und die mit 700 Mio. Euro dotierte Corona-Joboffensive der Regierung werde auch viele IT-Weiterbildungen fördern.

UBIT-Obmann Harl fordert von der Regierung auch mehr Geschwindigkeit beim Breitbandausbau und eine "transparente Strategie". Die veranschlagten 10 Mrd. Euro seien "noch lange nicht ausgeschöpft". Harl plädiert auch für offene Breitbandnetze, damit kleinen Betriebe sich an dem großen Markt beteiligen können. Der kürzlich vorgestellte neue österreichische Breitbandatlas ist für den UBIT-Obmann "ein guter erster Schritt zu mehr Transparenz". Der Atlas gibt Auskunft über die Breitband-Internetversorgung im Land. (apa/red)