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Für Oleg Deripaska und die russische GAZ-Gruppe tickt die Uhr

Warum Oleg Deripaska, Siegfried Wolf, der Nutzfahrzeughersteller GAZ und womöglich auch Volkswagen vom Ausgang der US-Präsidentschaftswahlen zwischen Donald Trump und Joe Biden betroffen sind.

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Die Baureihe "Gazelle Next" des russischen Nutzfahrzeugherstellers GAZ.

Der russische Oligarch Oleg Deripaska war wegen seiner Nähe zum russischen Präsidenten ins Visier von US-Sanktionen geraten. Das lähmte auch die wirtschaftlichen Aktivitäten des russischen Nutzfahrzeughersteller GAZ, dessen Mehrheitseigentümer Deripaska ist. Unter der Präsidentschaft von Donald Trump kam es zu einer umstrittenen Aufweichung der Sanktionen gegen GAZ. Das berichtet das bei WEKA Industrie Medien erscheinende Fachmedium TRAKTUELL.

Umstritten deshalb, weil diese Sanktionen von der Öffentlichkeit nahezu unbemerkt und vorbei am US-Kongress am 22. Juli 2020 weitgehend ausgesetzt wurden, wie der frühere Berater des Direktors des amerikanischen Office of Foreign Assets Control (OFAC), Brian O´Toole, feststellt. Trump soll sogar am Tag danach mit dem russischen Präsidenten telefoniert haben.

Auch wenn es keinen Hinweis auf einen Zusammenhang zwischen dem Telefonat und der Aufhebung der US-Sanktionen gibt, sieht es O´Toole als begründet an, anzunehmen dass das Thema GAZ aufgrund der engen Beziehungen von Putin zu Deripask zur Sprache kam.

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Aufweichung der Sanktionen gegen GAZ verlängert

Putin soll bei den Präsidentschaftswahlen im Jahr 2016 zugunsten des späteren Präsidenten Donald Trump in den Wahlkampf eingegriffen haben. Trump wiederum wurde seinerseits eine zu große Nähe zum russischen Präsidenten vorgeworfen. Es kam dennoch zu US-Sanktionen gegen Zielpersonen in Russland im Umfeld von Vladimir Putin, die unter anderem auch Oleg Deripaska betrafen. Dieser musste sich in der Folge von seinem Aluminiumproduzenten Rusal trennen. Einen möglichen Rückzug aus der GAZ-Gruppe stellte der Oligarch ebenfalls in den Raum.

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Zuletzt wurde die Aufweichung der Sanktionen gegen GAZ verlängert, das geht aus einer Meldung der Nachrichtenagentur Reuters vom 23. Dezember 2020 hervor – Das ideale Datum, um kurz vor der Amtsübergabe von US-Präsident Donald Trump an seinen Nachfolger Joe Biden möglichst wenig Aufmerksamkeit zu erregen. Demnach hat GAZ noch bis 26. Jänner 2022 Zeit, sich von seinen umstrittenen Investoren zu trennen.

Nachdem der neue US-Präsident Biden bereits zu Beginn seiner Amtszeit außenpolitisch eine härtere Gangart gegenüber Russland eingeschlagen hat, ist nicht von einer weiteren Verlängerung dieser Frist auszugehen – ganz im Gegenteil. Soll GAZ also weiter geschäftsfähig bleiben, was unter dem Eindruck von US-Sanktionen im internationalisierten Umfeld der Automobilproduktion kaum möglich ist, so wird Deripaska also bald einen Käufer für seine Anteile bei GAZ finden müssen. Als Brückenbauer und Bindeglied zu westlichen Konzernen könnte sich in dieser Angelegenheit der Top-Manager und GAZ-Minderheitenaktionär Siegfried Wolf erweisen. Jener Siegfried Wolf, der kurz davor steht mit der Volkswagentochter MAN einen Deal über den Kauf des MAN Werks Steyr abzuschließen.

Mehr über die möglichen Hintergründe und was Volkswagen mit GAZ verbindet,
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