Digitalisierung

Erste 5G-Versteigerung in Österreich: Alle Eckdaten und Auswirkungen

Die Versteigerung von Frequenzen für den neuen Mobilfunkstandard kommt für die Telekomkonzerne sehr viel billiger als bei der Vorgängertechnologie LTE im Jahr 2013. Bei den Ausgaben liegt die Telekom Austria vorn, dahinter folgen T-Mobile und Drei.

Die Versteigerung von Frequenzen für den neuen Mobilfunkstandard 5G brachte der Republik Österreich rund 188 Mio. Euro ein. Die zur Telekom Austria gehörende Marke A1 hat dabei 64 Millionen Euro ausgegeben, T-Mobile 57 Millionen Euro und Drei 52 Millionen Euro. Das gab die zuständige Behörde bekannt.

Die Mehrheit an der Telekom Austria gehört dem mexikanischen Telekomriesen America Movil. Hinter T-Mobile steht die Deutsche Telekom, und hinter Drei der in Hongkong ansässige Konzern Hutchison.

Weitere Bieter waren Mass Response, Liwest, Salzburg AG und Holding Graz. Die Auktion fiel für die Branche damit deutlich günstiger aus als jene für die Vorgängertechnologie LTE (4G) im Jahr 2013. Für die Lizenzen gaben die Mobilfunker damals mehr als zwei Mrd. Euro aus.

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RTR: "Gute Ausstattungen für sieben österreichische Betreiber"

Die für die 5G-Frequenzauktion zuständige Telekombehörde RTR hat sich mit dem Ergebnis der Versteigerung zufrieden gezeigt. "Aus unserer Sicht spiegelt dieser Preis den Wert wider, den die Bieter dem Frequenzspektrum gegeben haben. Bei diesem Preis haben sich Angebot und Nachfrage getroffen", sagte RTR-Chef Johannes Gungl in einer Pressekonferenz.

Der Staat nimmt 188 Mio. Euro ein, das sind 138 Mio. Euro mehr als von der Regierung budgetiert. Das Mindestgebot lag bei 30 Mio. Euro, wie Gungl sagte. Österreich sei beim 5G-Ausbau damit in Europa in der Spitzengruppe, sowohl was die Frequenzmenge als auch den Zeitpunkt der Vergabe betreffe.

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Der schöne neue Mobilfunkstandard wird das Erscheinungsbild der Städte in Österreich stark verändern - 5G erfordert einen Ausbau der Sendemasten in einem nie da gewesenen Ausmaß. Damit 5G funktioniert, sind auf einer Fläche von knapp fünf Quadratkilometern, also ungefähr zwei Mal der erste Wiener Gemeindebezirk, zehn große Sendemasten notwendig - kleinere Anlagen noch nicht mitgerechnet.

"Wir haben sehr gute Ausstattungen für sieben österreichische Betreiber", gab Gungl bekannt. Neben den drei österreichweiten Mobilfunkern A1, T-Mobile und Drei haben vier Anbieter auf regionaler Ebene Frequenzen ersteigert, in Salzburg ist das die Salzburg AG, in der Steiermark die Holding Graz, in Oberösterreich die Liwest und Spusu-Mutter Mass Response sicherte sich Lizenzen in Niederösterreich und im Burgenland, verzichtete aber auf die Ballungsgebiete Wien und St. Pölten. Die RTR hofft durch die neuen Anbieter auf einen Innovationswettbewerb.

Ministerin Schramböck: "Fokus lag nicht auf Erlösmaximierung"

"Im Gegensatz zu früheren Ausschreibungen lag der Fokus dieser Auktion auf Qualität und Ausrollung und nicht auf Erlösmaximierung für das Staatsbudget", sagte Wirtschaftsministerin Margarete Schramböck (ÖVP).

Mit der aktuellen Auktion sei Österreich eines der ersten Länder in Europa, das bereits mit der Frequenzvergabe für den neuen Mobilfunkstandard begonnen habe, so Schramböck.

Minister Hofer lobt das Auktionsdesign von RTR

Infrastrukturminister Norbert Hofer (FPÖ) zeigt sich zufrieden mit dem Ergebnis der Versteigerung von 5G-Frequenzen in Österreich. "Das neue von der heimischen Regulierungsbehörde RTR gewählte Auktionsdesign war einfach und transparent", so Hofer. Auch die Gliederung in Regionen sei eine gute Entscheidung gewesen. Der Auktionserlös von 188 Mio. Euro sei zweckgebunden für die Breitbandförderung.

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Die Details zu der Versteigerung

Die Lizenzen sind mit Versorgungsauflagen verbunden, ab 31. Dezember 2020 müssen 989 Funkstationen in Betrieb sein, ab 30. Juni 2022 müssen es 3.264 sein. Der Großteil der Auflagen betrifft A1, T-Mobile und Drei mit zunächst je 303 und später je 1.000 Standorten. Meist handelt es sich um die Umrüstung bestehender Sendemasten. Es sind übrigens nicht alle angebotenen Frequenzblöcke auch ersteigert worden, es sei da und dort etwas übriggeblieben, so Gungl. Diese Nutzungsrechte können zu einem späteren Zeitpunkt vergeben werden. "Es gibt noch Spielraum", sagte Gungl.

Zur Versteigerung gelangten die Frequenzen 3,4 bis 3,8 GHz. Damit könnten Mobilfunker in den Städten hohe Bandbreiten anbieten, andererseits könnten regionale Anbieter Breitbandkunden in Randlagen versorgen, so der Minister. Bemerkenswert war die starke Beteiligung der regionalen Anbieter in Oberösterreich, Salzburg, Graz und Niederösterreich. "Um die ehrgeizigen Ziele der 5G-Strategie zu erreichen und bis Ende 2025 Österreich flächendeckend mit 5G-Diensten versorgen zu können, braucht es eine gemeinsame Anstrengung von öffentlicher Hand und den Mobilfunkern", so Hofer.

Die ersten Vorbereitungen für die Auktion der nächsten Frequenzbänder - 700, 1.500 und 2.100 MHz ("Multibandvergabe 2020") - haben bereits begonnen. Noch im Dezember 2018 wurden von der RTR Überlegungen dazu zur Konsultation veröffentlicht. Besonderes Augenmerk liegt dabei auf einer flächendeckenden Versorgung des Dauersiedlungsraums sowie eine durchgängige Versorgung der Autobahnen und hochrangigen Verkehrswege. Nach derzeitiger Planung wird die Vergabe dieser Frequenzen im 1. Quartal 2020 erwartet.

5G: Industrie und nicht Verbraucher im Mittelpunkt

Zum Aufbau eines flächendeckenden Mobilfunknetzes eignet sich das versteigerte Frequenzspektrum jedoch nicht. Das Band 3,4 bis 3,8 Gigahertz (GHz) habe schlechte Ausbreitungseigenschaften, lasse dafür aber hohe Bandbreiten zu, damit sei es gut geeignet für hohe Internetgeschwindigkeiten in Ballungsräumen. Nächstes Jahr werden in einer Multiband-Auktion auch Bänder (700, 1.500 und 2.100 Megahertz) versteigert, die eine großflächigere Versorgung ermöglichen. Ein Mindestgebot gibt es für die Versteigerung im Frühjahr 2020 noch nicht, von der Regierung budgetiert sind 350 Mio. Euro.

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Physikalisch gilt, dass niedrige Frequenzen niedrigere Datenraten zulassen, sich aber größere Gebiete erschließen lassen. Auch Gebäude lassen sich mit niedrigeren Frequenzen besser versorgen. Je höher die Frequenz, desto höher die Datenrate, aber umso geringer die Ausbreitung. Das gleiche gilt übrigens auch für WLAN-Router mit 2,4 GHz bzw. 5 GHz.

Was machen die Telekommunikationskonzerne jetzt?

Was die einzelnen Bieter mit den Frequenzen genau vorhaben, kann man bei der Behörde RTR nicht sagen. Dazu: Neuer Mobilfunkstandard 5G: Das planen Stadt Wien und A1 >> 

Allerdings wurde eines der versteigerten Frequenzbänder schon bisher für Festnetz-Verbindungen via Richtfunk (Fixed Wireless Access) verwendet. Gungl erwartet, dass der sogenannte Fixed Wireless Access eine der ersten Anwendungen für den neuen Mobilfunkstandard 5G sein wird. Mit Fixed Wireless Access lassen sich etwa in einem Kabelnetz Distanzen überbrücken, bei denen das Verlegen eines Kabels zu aufwendig wäre.

Auktion dauerte drei Wochen

Die soeben zu Ende gegangene Auktion hatte am 12. Februar begonnen und ungefähr drei Wochen gedauert. Sie fand unter strengen Auflagen statt. Die RTR hielt den genauen Termin im Vorfeld geheim - bekannt war nur, dass sie für Ende Februar geplant war. Die Teilnehmer der Auktion durften sich ebenfalls nicht äußern. Sie durften nicht einmal sagen, ob sie an der Versteigerung teilnehmen. Die Behörde wollte damit Hackerangriffen vorbeugen, wie Gungle sagte. Die Vergabe fand über das Internet statt.

Huawei spielte keine Rolle

Die Spionageaffäre um den chinesischen Netzwerkausrüster Huawei spielte bei der Vergabe keine Rolle, erklärte Gungl. Dafür gebe es auch keine gesetzliche Grundlage.

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(red mit apa)

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