Coronavirus

Coronavirus: Chinas Wirtschaft gerät stark unter Druck - und zieht ganz Asien mit

Mit Chinas Turbowachstum ist es schon länger vorbei. Jetzt trifft die Epidemie, die auf den illegalen Wildtiermärkten des Landes ihren Ursprung nahm, die Wirtschaft des Landes umso stärker. Auch in Japan und Thailand wächst die Furcht vor großen Schäden.

Das Coronavirus belastet zunehmend die Wirtschaft in Asien. So zieht in Japan am Horizont das drohende Szenario einer Rezession auf, nachdem das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im vierten Quartal mit einem Minus von 6,3 Prozent zum Vorjahr ungewöhnlich stark einbrach.

"Es besteht eine ziemlich hohe Wahrscheinlichkeit, dass die Wirtschaft von Jänner bis März erneut schrumpft", warnte Ökonom Taro Saito vom Forschungsinstitut NLI. Auch in Thailand befürchten die Planungsbehörden einen Rückgang beim BIP, da die Viruskrise voraussichtlich das Tourismusgeschäft des Landes mit seinen Traumstränden verhagelt. Vor allem aber in China, wo viele Firmen ihre Tore wegen der Epidemie vorerst schließen mussten, dürfte die Viruskrise voll durchschlagen.

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71.000 Menschen sind infiziert

Die Gesamtzahl der Toten durch das Virus liegt mittlerweile bei 1.770 - die der bestätigten Infektionen bei fast 71.000. In der besonders betroffenen Provinz Hubei waren am Sonntag verschärfte Regeln eingeführt worden, um die Virus-Verbreitung einzugrenzen. Unter anderem wurden die Städte der Provinz angewiesen, die Straßen für alle Privatwagen zu sperren.

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Die chinesische Notenbank kappte vorsorglich den Zinssatz für mittelfristige Darlehen (MLP) erneut - und zwar um zehn Punkte auf 3,15 Prozent. Damit sollen Kreditgeschäfte im Volumen von umgerechnet 26,4 Milliarden Euro erleichtert werden. Es wird erwartet, dass die Zentralbank am Donnerstag eine Senkung des Referenz-Zinssatzes (LPR) folgen lassen wird.

Auch der von der kommunistischen Führung seit Mitte der 1990er-Jahre fest etablierte Zeitplan für den jährlichen Volkskongress wackelt wegen der Epidemie: Der für den 5. März vorgesehene Beginn der Sitzung der rund 3.000 Delegierten wird womöglich verschoben, wie die Nachrichtenagentur Xinhua meldete. Ein Ausschuss soll darüber am 24. Februar entscheiden. Als Grund wird angeführt, dass die Eindämmung des Virus Priorität habe.

Chinas Wirtschaft bekommt bereits den Handelskonflikt stark zu spüren

Die Krise trifft die auch vom Handelskonflikt mit den USA geschwächte Wirtschaft des Schwellenlandes zusätzlich, die sich vom Turbowachstum früherer Jahre längst verabschiedet hat. Angesichts der abflauenden Konjunktur ist Chinas Zentralbank bereits mehrfach aktiv geworden: Sie senkte den Referenzzins LPR (loan prime rate) seit Sommer 2019 in mehreren Schritten. Er liegt nun bei 4,15 Prozent. Seit Anfang 2018 hat die PBOC zudem die Reserveanforderungen in acht Stufen verringert.

"Der Markt geht immer mehr davon aus, dass China umfassende fiskalpolitische Impulse einleiten wird", sagte Commerzbank-Analyst Hao Zhou. Beflügelt von der Zinssenkung legte die Börse in Shanghai um rund 2,3 Prozent zu.

Auswirkungen auf unzählige Industriebetriebe Europas

Da sich China in den vergangenen Jahrzehnten zunehmend zur Werkbank der Welt entwickelt hat, spüren auch westliche Industrieländer quasi automatisch die Auswirkungen der Krise. Auch die restlichen Schwellenländer und die gesamte Weltwirtschaft hängen viel stärker am Wohle Chinas als noch 2003 bei Ausbruch des SARS-Virus. "Der Anteil Chinas an der globalen Wirtschaftsleistung hat sich seitdem verdreifacht, und China ist zu einem wesentlichen Käufer praktisch jeden Rohstoffs geworden", sagt Portfoliomanager Jeroen Blokland von Robeco.

Fast die Hälfte der befragten US-Unternehmen in der Volksrepublik gibt laut der Amerikanischen Handelskammer in Shanghai (AmCham) an, dass ihre globalen Geschäfte unter dem Virus-Ausbruch leiden. Rund 78 Prozent der befragten 100 Unternehmen erklärten, dass ihr Personal nicht ausreiche, um die Fertigung wieder komplett hochzufahren. Vorgaben der Behörden im Zuge der Viruskrise erschweren es Mitarbeitern, nach bereits ausgeweiteten Werksferien an den Arbeitsplatz zurückzukehren.

VW plant um

Auch Volkswagen muss wegen der Krise umplanen: Der Autobauer verschiebt den Produktionsstart seines chinesischen Gemeinschaftsunternehmens mit dem Partner SAIC. Der Betrieb soll nun erst am 24. Februar wieder aufgenommen werden. Zudem werde die für Ende April geplante Automesse in Peking verschoben, teilte der Veranstalter mit. Die Messe ist für die deutschen Autobauer ein wichtiger Termin, weil China für Volkswagen, BMW oder Daimler der weltweit größte Einzelmarkt ist.

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Ökonom Ulrich Stephan von der Deutschen Bank verweist darauf, dass auch der Einzelhandel in der Volksrepublik die Auswirkungen der Epidemie stark zu spüren bekomme: "Neben Instantprodukten wurden online verstärkt frische Lebensmittel gekauft – deren Bestellungen explodierten regelrecht um mehr als das 20-fache, da Restaurants wegen des Infektionsrisikos gemieden wurden oder geschlossen waren." Die Nachfrage nach Kosmetika, Möbeln oder Haushaltsgeräten habe hingegen abgenommen. "Chinesische Firmen aus dem Konsumsektor dürften entsprechende negative Effekte in ihren Bilanzen für das erste Kalenderquartal zeigen – für den weiteren Jahresverlauf gibt es jedoch Hoffnung auf Besserung."

(Von Winni Zhou und Leika Kihara und Emily Chow - Reuters/APA/red)

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