Fahrzeugbau

Blei wird immer teurer, weil große Autobatterien gefragt sind

Der Boom bei klassischen Autobatterien treibt den Bleipreis nach oben. Besonders die Start-Stopp-Automatik erobert massiv Marktanteile - und verlangt größere Bleibatterien. Dagegen fristen Elektroautos und Hybridfahrzeuge bei den realen Zahlen weiter ein Nischendasein.

Elektromobilität hin, Hybridisierung her: Die klassische Bleibatterie ist nach wie vor der Hauptstromlieferant in Autos. Da sich Experten zufolge daran auf absehbare Zeit nichts ändert, wird die Bleinachfrage das Angebot auch weiterhin übersteigen. Rohstoffanleger können daher auf steigende Preise hoffen.

Getrieben wird der wachsende Bedarf des Industriemetalls von der zunehmenden Verbreitung der sogenannten Start-Stopp-Automatik in Fahrzeugen. Dabei schaltet der Motor automatisch ab, sobald das Fahrzeug im Leerlauf steht - zum Beispiel vor einer roten Ampel. Sobald der Fahrer von der Bremse geht, springt das Fahrzeug automatisch wieder an.

"Start-Stopp" setzt sich immer weiter durch

"Start-Stopp ist ein günstiger, effektiver und technologisch wenig anspruchsvoller Weg für Autobauer, Emissionen zu reduzieren und gesetzliche Vorgaben zu erfüllen", betont Analyst Farid Ahmed vom Research-Haus Wood Mackenzie. Bis 2020 würden voraussichtlich alle Neufahrzeuge in Europa und Japan mit dieser Automatik ausgerüstet. In den USA und China steige der Anteil rasant.

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"In kleineren Start-Stopp-Batterien für den VW Golf oder den Ford Focus werden 16 Kilogramm Blei benötigt", sagt Christian Riedel, Chefsprecher für Europa, den Nahen Osten und Afrika beim US-Autozulieferer Johnson Controls. "Das sind etwa 28 Prozent mehr als in einem normalen Auto."

Im vergangenen Jahr stieg der Bleipreis an der Londoner Metallbörse LME zeitweise um 60 Prozent - doppelt so stark wie der Kupferpreis. Mit 2576,50 Dollar je Tonne (2.438,7 Euro) markierte Blei im November 2016 ein Fünfeinhalbjahreshoch. Aktuell kostet das Metall knapp 2.300 Dollar. Während die Nachfrage anzieht, stockt nach der Schließung mehrerer großer Zink-Minen der Nachschub. Zink und Blei werden häufig in den selben Lagerstätten abgebaut.

Händler erwarten offenbar einen Engpass

Die bei der LME eingelagerten Bleibestände pendeln zwar seit Monaten um die Marke von 190.000 Tonnen. Inzwischen sind aber etwa 36 Prozent davon bereits verkauft. "Offenbar bauen Händler Positionen auf, weil sie einen Engpass erwarten", sagt Analyst Neil Hawkes von der Beratungsfirma CRU.

Johnson-Controls-Sprecher Riedel zufolge sind weltweit 35 Millionen Fahrzeuge mit Start-Stopp-Batterien ausgerüstet. Dies sind etwa 40 Prozent der 89 Millionen Autos, die nach Schätzungen der US-Bank Morgan Stanley 2016 verkauft wurden. Der deutsche Hersteller BMW lieferte sogar 99 Prozent seiner knapp 2,4 Millionen Wagen mit dieser Technologie aus.

Zum Vergleich: Den Experten von CRU zufolge wurden in den vergangenen Monaten weltweit gerade einmal 1,1 Millionen Elektro- und sogenannte Plug-In-Hybride verkauft, die an einer Steckdose aufgeladen werden können und die mit Lithiumbatterien betrieben werden. Bis 2025 werde dieser Anteil auf gut sechs Millionen steigen. Zu diesem Termin wollen Volkswagen und Daimler ein Viertel ihres Pkw-Geschäfts mit stromgetriebenen Fahrzeugen machen.

Experten zufolge können auch Aktienanleger vom Start-Stopp-Boom profitieren. Johnson Controls will seine Produktion dieser Autobatterien auf 50 Millionen mehr als verdoppeln. Die Aktien des US-Autozulieferers legten im zweiten Halbjahr 2016 in der Spitze um mehr als 70 Prozent zu.

Die Titel des japanischen Rivalen GS Yuasa notieren derzeit auf einem Zweijahreshoch. Andere wichtige Mitspieler auf dem Bleimarkt sind die Erzhütte Korea Zinc und der Bergbaukonzern Glencore. Dessen Papiere haben binnen Jahresfrist fast 150 Prozent zugelegt. (reuters/apa/red)

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