Feuerfest

Bei RHI müssen fast alle Kontrolleure gehen - auch Gusenbauer und Gorbach

Nach der Fusion mit dem brasilianischen Konzern Magnesita müssen bei RHI alle Aufsichtsräte bis auf drei Kapitalvertreter gehen, darunter auch die ehemaligen Politiker Alfred Gusenbauer und Hubert Gorbach. Die Fusion werde Ende Oktober abgeschlossen sein, sagt Konzernchef Borgas. Die Zentrale wandert in die Niederlande und die Firma an die Londoner Börse.

Die beiden österreichischen Ex-Politiker Alfred Gusenbauer und Hubert Gorbach werden nach der Fusion der RHI mit der brasilianischen Magnesita dem neuen Aufsichtsrat nicht mehr angehören.

Von den zwölf RHI-Aufsichtsräten werden alle ausscheiden, außer den Kapitalvertretern Herbert Cordt, David Schlaff und Stanislaus zu Sayn-Wittgenstein sowie Wolfgang Ruttensdorfer als unabhängiges Mitglied. Das kündigte RHI-CEO Stefan Borgas in einer Telefonkonferenz an.

Neu hinzustoßen in den Verwaltungsrat des fusionierten Unternehmens RHI-Magnesita (RHI-MAG) wird wie berichtet der ehemalige Chef der Raiffeisenbank International (RBI), Karl Sevelda. Daneben wird es noch einen brasilianischen Vertreter der Magnesita und fünf unabhängige britische Verwaltungsräte geben.

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Fusion wird Ende Oktober abgeschlossen - Zentrale wandert in die Niederlande

Die Fusion werde Ende Oktober tatsächlich abgeschlossen werden können, sagte Borgas, der auch designierter Chef des RHI-MAG-Konzerns ist. Die Konzernholding wird ihren Sitz in den Niederlanden haben und an der Londoner Börse notieren.

Nach Abschluss der Fusion werden die drei Hauptaktionäre 41,2 Prozent an der neuen Gesellschaft halten. Die MSP Stiftung von Martin Schlaff wird 22,8 Prozent, die beiden Sayn-Wittgenstein zuzurechnenden Stiftungen Chestnut und Silver jeweils 4,2 Prozent und der Magnesita-Kontrollblock 10 Prozent am Unternehmen besitzen. Die restlichen 58,8 Prozent werden Streubesitz sein. Die Anteile der drei Kapitalvertreter seien nicht syndiziert und es gebe unterschiedliche Haltepflichten, so Borgas.

Hohe Kosten

Die mit der Fusion verbundenen Einmalkosten hat die RHI noch nicht vollständig verdaut. Auch im zweiten Halbjahr werden sie mindestens noch einmal so hoch wie im ersten Halbjahr sein, sagte Borgas. Im ersten Halbjahr waren 12,6 Mio. Euro angefallen. Das operative Ergebnis (Ebit) werde per Jahresende aber mindestens auf Vorjahresniveau liegen.

Der Schuldenstand werde nach der Fusion für den gesamten Konzern knapp über 1 Mrd. Euro liegen, bei einem Pro-forma-Ebitda von 340 Mio. Euro.

Das generelle Marktumfeld sei gut, der Stahlmarkt laufe gut, ähnlich auch der Nichtstahlmarkt und das Nichteisengeschäft und Glasgeschäft. In China sei die Umstrukturierung auf hochqualitative Stähle gut für die RHI.

Die "unaufgeregte" Umsatzentwicklung werde sich im zweiten Halbjahr verstärken. Das relativ schlechte operative Ergebnis im zweiten Quartal wegen der Einmalkosten für die Fusion bereitet Borgas keine nachhaltigen Sorgen, es drehe im dritten Quartal wieder und sollte auch im vierten Quartal ordentlich weitergehen. Per Jahresende sollte es mindestens auf Vorjahresniveau liegen. Das belege auch das Auftragsbuch.

"Wir werden uns weiter darauf konzentrieren, unseren Free-Cashflow überzuerfüllen, um nach dem Merger so solide wie möglich zu sein", sagte Borgas.

Mehrere Werke werden verkauft

Für den Merger habe man die wesentlichen Kartellgenehmigungen bekommen. In den USA und Brasilien ohne Auflagen, in Europa müssten kleinere Geschäftseinheiten in Spanien, Italien und Deutschland verkauft werden. Man sei nicht nachhaltig davon betroffen, ihr Umsatzanteil belief sich 2016 auf 3 Prozent bzw. rund 50 Mio. Euro: RHI finalisiert Fusion mit Magnesita - und will jetzt Werke schließen >>

Der Verkauf dieser Werke sei fast abgeschlossen, man habe einen verbindlichen Käufer. Alle Verträge seien unterschrieben und befänden sich bei der europäischen Kartellbehörde. Das dauere sechs Wochen. Borgas erwartet keine größeren Schwierigkeiten. Die künftige Finanzierung des neuen Konzerns sei ebenfalls bereits gesichert.

Schwierigkeiten mit Anstieg der Preise in China

Die eigentliche Sorge gelte den dramatischen Preisanstiegen der meisten in China hergestellten Rohstoffe um das Doppelte oder Dreifache, sagte Borgas. Chinas Regierung mache mit Umweltschutzmaßnahmen Ernst und habe hunderte Fabriken stillgelegt. "Das ist eigentlich ein positiver Trend, aber wir waren auch betroffen", so Borgas.

Die signifikante Erhöhung der Rohstoffkosten habe noch nicht über die Marktpreise weitergegeben werden können. Das werde noch bis Ende des dritten Quartals dauern. Die eigenen Fabriken würden aber alle auf internationalem Umweltschutzniveau laufen. (APA/red)

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