Österreichs 1000 wichtigste Manager

Die Machtzentren der Industrie sind im Umbruch:
Viruspandemie, Klimakrise und Digitalisierung provozieren neue,
unkonventionelle Formen der Kooperation abseits klassischer Netzwerke.
Welche Persönlichkeiten sind für den Wandel am besten gewappnet?
Die Analytiker von FASresearch nahmen für INDUSTRIEMAGAZIN das Netzwerk
der Führungskräfte der 5.000 größten Unternehmen dieses Landes unter die Lupe.

Interaktive Grafik:Klicken Sie auf die Köpfe für mehr Details.
Redaktion: Rudolf Loidl
Das Manager-Ranking entstand in Zusammenarbeit mit FASresearch

Zugegeben, dort, wo die Luft dünn wird, sind die Verwerfungen überschaubar: Die Phalanx, die sich an der Spitze des Top-1.000-Manager-Rankings herausgebildet hat, hat weiter Bestand: Siemens-Generaldirektor Wolfgang Hesoun, Raiffeisen-Banker Erwin Hameseder und Uniqua-Chef Andreas Brandstetter sind unverändert die wichtigsten Machtpole im Land. Überall anders ist die Grundstabilität der frühen Nullerjahre in Auflösung begriffen: Mit dem Rückzug von zentralen Netzwerkern wie Erste-Bank-Chef Banker Andreas Treichl hat eine Erosion der etablierten Machtreservoirs eingesetzt. Inmitten der Neuausrichtung dieser Netzwerke fordern Kimawandel, Digitalisierung und neuerdings auch eine Viruspandemie eine radikale Öffnung - transversal über Branchen-, Alters- und Altersgrenzen hinweg - heraus. Eine Transformation, für die Manager neuen Typs wie Voestalpine-Chef Herbert Eibensteiner (Rang 11) oder der designierte neue Verbund-Chef Michael Strugl (Rang 15) stehen.

Wie funktioniert das Ranking?

INDUSTRIEMAGAZIN beauftragte - wie in den Jahren zuvor - die Netzwerkanalytiker von FASresearch mit dem Ranking der 1.000 einflussreichsten Industriemanager Österreichs (alle Details zur Methodik finden Sie auf Seite XX). Die grundlegende Systematik: Einfluss ist ein Produkt aus Umsatz, Vernetzung und Variabilität des Netzwerkes. Analysiert werden hierfür die kumulierten Umsätze der Unternehmen, über die eine Person kraft Vorstands- oder Aufsichtsrats-Tätigkeit Verfügungsgewalt hat. Errechnet wird weiters die Vernetzung der Personen aus ihren Positionen in Vorständen, Aufsichtsräten, Forschungsinstitutionen, Wirtschaftsverbänden oder Vereinen. Variabilität ist der dritte Faktor, sie bildet Verbindungen in andere Branchen und andere Länder sowie zu unterschiedlichen Altersgruppen (und dem anderen Geschlecht) im Netzwerk ab.
Grundlage des Rankings sind die Firmenbuch-Daten (Erhebungszeitpunkt: 28. Juli 2020) von Österreichs 5.000 umsatzstärksten Industriebetrieben, den verbundenen Privatstiftungen und die FASresearch-Datenbank, die umfassende Informationen zu verschiedensten Netzwerk-Bereichen enthält. Detail am Rande: Mit 56 Jahren ist der Altersschnitt der Top-1000 zum Vorjahr nahezu konstant geblieben.

Warum so viele Senkrechtstarter?

Positionsverschiebungen sind im Ranking der 1.000 wichtigsten Manager ganz natürlich. Wie aber erklären sich größere Sprünge ins Spitzenfeld, bei denen gleich mehrere hundert Plätze gutgemacht werden - oder deutliche Positionsverluste bei Managern, die schon lange im Geschäft sind? Zu einem bisher unerreichten Netzwerkhebel gelangt etwa Sonja Zimmermann, die unter den Top-1000 der Rangreihung 2019 noch nicht vertreten war. Heuer belegt sie Rang 166 (und liegt damit nur zwölf Plätze hinter Vater Norbert) - die Ursache dafür ist simpel: Zimmermann hat ihren Vater im März als Aufsichtsratschefin der Berndorf AG beerbt. Durchmarschiert ist auch Georg Knill, der mit seinem Bruder Christian die familieneigene Knill Gruppe leitet: Das Amt als Präsident der Industriellenvereinigung hat seinem Vernetzungsgrad einen deutlichen Boost verliehen.

Erodiert der Machtblock der Banker?

Die Lücke, die Banker wie Andreas Treichl nach ihren Abgängen hinterlassen, füllen - Banker. Zwar ist die geballte Dominanz der Spitzenvertreter von Banken und Versicherungen in den Top-5 mit Treichls Wechsel in den Ruhestand fürs erste gebrochen und in den etablierten Machtstrukturen haben sich abseits der Finanzwirtschaft neue Gemengelagen herausgebildet. Dennoch sind mit Raiffeisen-Holding NÖ-Wien-Obmann Erwin Hameseder und Uniqa-Vorstandschef Andreas Brandstetter weiterhin zwei Spitzenmanager voran und unter den 40 bestvernetzten Managern finden sich nicht weniger als zwölf Banker und Versichererer, die sich mittelbar und unmittelbar Einflussbereich in der produzierenden Industrie sichern. "Nicht nur als Kapitalvertreter in Unternehmen, sondern auch über Ämter in Klubs und Vereinen", sagt Netzwerkanalytiker Harald Katzmair. Einer ist Treichl-Nachfolger und Erste-Bank-Vorstandschef Bernhard Spalt (Rang 13).

Wieso überflügeln Einzelvorstände häufig Vorstandsbosse (oder Eigentümer)?

Es mutet im ersten Moment ein wenig überraschend an: Sind „gefühlt“ einflussreichere Personen wie beispielsweise Vorstandsvorsitzende (oder auch Eigentümer) hinter ihren berichtspflichtigen Führungskräften wie Bereichsvorständen gereiht, fragt man sich, woran das liegen mag. Wie etwa im Fall des Semperit-Vorstandschefs Martin Füllenbach (Rang 612), der von seinem Technikvorstand Kristian Brok im Ranking der 1.000 bestvernetzten Manager doch deutlich - nämlich um 277 Ränge - übertrumpft wird. Und das, obwohl, wie Netzwerkanalytiker Harald Katzmair sagt, Vorstandsvorsitzende infolge einer höheren Gewichtung eigentlich "nach oben gepusht werden". Selbstverständlich ist die Abbildung in allen Fällen korrekt. Letztlich lässt Brok seinen CEO aufgrund seines Aufsichtsratsmandats in der Semperit Technische Produkte GesmbH hinter sich.

Wird die Netzwerkelite weiblicher?

Lediglich 96 Frauen fanden sich im Vorjahr unter den tausend bestvernetzten Industriemanagern Österreichs. Damit, so resümierten wir damals, "bleibt der weibliche CEO oder Vorstand mit Topnetzwerk eine Rarität". Heuer finden sich mit Infineon-Österreich-Chefin Sabine Herlitschka und Vienna-Insurance-Group-Vorstandsvorsitzende Elisabeth Stadler immerhin zwei Frauen in den Top-ten. Und fast noch aussagekräftiger: Es sind heuer bereits 119 Frauen im Spitzenfeld der 1.000 platziert.

Die genaue Berechnung der Werte entnehmen Sie bitte dem Punkt Das Ranking der 1.000 aus diesem Dossier.

Die Top-Ten

Das sind die zehn einflussreichsten Führungskräfte des Landes.

Der Benchmark-Kaiser

Wolfgang Hesoun

Vorstand-Vorsitz | Siemens Aktiengesellschaft Österreich

Er ist das Richtmaß für Netzwerkdichte: Spitzenwerte bei Variabilität, (direkt seinen Funktionen zurechenbarem) Umsatz und Vernetzung (100 Prozent!) machen Siemens-Generaldirektor Wolfgang Hesoun zum neuerlichen Ranking-Leader.

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Der Verbindungs-Offizier

Erwin Hameseder

Vorstand-Obmann | RAIFFEISEN-HOLDING NIEDERÖSTERREICH-WIEN registrierte Genossenschaft mit beschränkter Haftung

Ein Top-Umsatzwert, amalgamiert mit extremer Internationalität und Branchendiversität: Der Generalmajor des Bundesheeres und Spitzenbanker Erwin Hameseder, der seinerzeit in Christian Konrads Fußstapfen trat, hält den Vorjahresrang Zwei.

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Der Stabilitätsanker

Andreas Brandstetter

Vorstand-Vorsitz | UNIQA Insurance Group AG

Er ist ein verlässlicher Anker im Netzwerk der Mächtigen: Die Vernetzungswerte des ausgebildeten Historikern und obersten Uniqua-Managern schießen - vor allem bei Internationalität und Variabilität - durch die Decke.

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Der Agile

Georg Pölzl

Vorstand-Vorsitz | Österreichische Post Aktiengesellschaft

Der Langzeitmanager im Post-Universum (seit 2009 Postvorstand!), der seinerzeit als Restrukturierungs-Manager der Deutschen Telekom durchgriff, ist im Ranking in den Top-5. Auffällig: Sein hochvariables Netzwerk.

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Die Power-Frau

Sabine Herlitschka

Vorstand-Vorsitz | Infineon Technologies Austria AG

Ein extremer Vernetzungslevel und hohe Variabilität im Netzwerk machen die Infineon-Österreich-Frontfrau zu einer glänzenden Netzwerkerin. Nur beim verantworteten Umsatz ziehen die Banker davon.

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Der Selfmade-Man

Stefan Pierer

Vorstand-Vorsitz | KTM AG

Mit famosen Werten bei Umsatz, Vernetzung und Diversität hält sich der Erretter der KTM, der das Unternehmen dereinst aus der Insolvenz führte und den Motorradhersteller bis heute führt, im Spitzenfeld.

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Rainer Seele

Vorstand-Vorsitz | OMV Aktiengesellschaft

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Der Supervariable

Georg Knill

Gf. Gesellschafter | Knill Gruppe

Mit der Wahl zum IV-Präsidenten vollzieht der 47-jährige Maschinenbauer, der mit seinem Bruder Christian die Knill Gruppe leitet, den Sprung in die Netzwerkelite. Sowohl Vernetzungslevel als auch Variabilität sind top.

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Elisabeth Stadler

Vorstand-Vorsitz | VIENNA INSURANCE GROUP AG Wiener Versicherung Gruppe

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Karl-Heinz Strauss

Vorstand-Vorsitz | PORR AG

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