Österreichs 1000 wichtigste Manager

Kann man Einfluss objektiv messen? Man kann.
Die Statistiker von FAS Research analysierten für INDUSTRIEMAGAZIN
das Netzwerk der Führungskräfte der 5000 größten Unternehmen dieses Landes.
Wer punktet bei Vernetzung, Umsatzkraft und Branchenvariabilität?
Das sind Österreichs tausend wichtigste Manager.

Interaktive Grafik:Klicken Sie auf die Köpfe für mehr Details.
Redaktion: Rudolf Loidl
Das Manager-Ranking entstand in Zusammenarbeit mit FASresearch

Große Sterne leuchten am hellsten, wenn sie kurz vor dem Verglühen sind. Das trifft auf die Spitze des Netzwerkes der Österreichischen Wirtschaft zu, denn die Nummer 1 im Ranking, der wichtigste Manager des Landes, Andreas Treichl, seit Juli 1997 Vorstandschef der Erste Bank Gruppe, wird mit Ende kommenden Jahres in den Ruhestand gehen. Doch die astrologische Analogie passt durchaus auch auf das große Ganze: Mit Treichl verlässt einer der letzten großen Netzwerkmagneten die Arena. Lange nach dem Rückzug der großen Integratoren Christian Konrad, Veit Sorger, Ludwig Scharinger oder Claus Raidl verglühen auch die Reste jenes typisch Österreichischen Netzwerkes, das aufgrund der Globalisierung und Digitalisierung der heimischen Wertschöpfung längst an Bedeutung verloren hat.

Wie funktioniert das Ranking?

Auch in diesem Jahr erstellten die Netzwerkanalytiker von FASresearch im Auftrag von INDUSTRIEMAGAZIN das Ranking der 1.000 einflussreichsten Industriemanager Österreichs. Der Grundgedanke: Einfluss ist ein Produkt aus Umsatz, Vernetzung und Variabilität des Netzwerkes. Analysiert werden die kumulierte Umsätze der Unternehmen, über die eine Person kraft Vorstands- oder Aufsichtsrats-Tätigkeit Verfügungsgewalt hat. Errechnet wird auch die Vernetzung der Personen aus ihren Positionen in Vorständen, Aufsichtsräten, Wirtschaftsverbänden, Forschungsinstitutionen und Vereinen. Der dritte Faktor, Variabilität, bildet Verbindungen in andere Branchen, in andere Länder, zu unterschiedlichen Altersgruppen sowie dem anderen Geschlecht im Netzwerk ab. Grundlage des Rankings sind die Firmenbuch-Daten von Österreichs 5.000 umsatzstärksten Industriebetrieben, den verbundenen Privatstiftungen und die FASresearch-Datenbank, die umfassende Informationen zu verschiedensten Netzwerk-Bereichen enthält.

Warum sind Banker so weit vorne in der Rangreihung?

Nach Andreas Treichl, der vielleicht letzten wirklich großen Banker-Persönlichkeit dieses Landes, nimmt mit Andreas Brandstetter der Vorstandsvorsitzende der Uniqa Versicherung Platz 2 im Ranking ein. Auf Platz 3 folgt Erwin Hameseder, der Vorstandsvorsitzende der Raiffeisen-Holding Niederösterreich-Wien. Das ist kein Zufall sondern beweist, wie zentral die Finanzwirtschaft noch immer in der heimischen Wirtschaft ist: Denn diese sind überdurchschnittlich stark über ihre Funktionen in Aufsichtsräten von Industrieunternehmen, Forschungseinrichtungen oder Vereinen (zusätzlich zu ihren Kernfunktionen in Bank und Versicherung) engagiert. „Würde man die Beziehungen der Banker aus dem Netzwerk gänzlich entfernen, würden rund 40 Prozent der Kontakte im Geflecht wegfallen“ sagt Netzwerkanalytiker Harald Katzmair.

Die genaue Berechnung der Werte entnehmen Sie bitte dem Punkt Das Ranking der 1.000 aus diesem Dossier.

Ab Rang Vier folgen erstmals Industriekapitäne im Einflussranking der produzierenden Wirtschaft: Georg Kapsch, Vorstandschef der Kapsch TrafficCom und Präsident der Industriellenvereinigung führt vor Wolfgang Hesoun und dem scheidenden Voestalpine-Chef Wolfgang Eder.

Warum sind so wenige Frauen an der Spitze?

Auf Platz Sieben befindet sich die einzige Frau in den Top 10 des Rankings: Bettina Glatz-Kremsner, Vorstand der Casinos Austria AG, zuletzt auch als Personalreserve der Regierung im Gespräch – ist eine von nur 102 Personen weiblichen Geschlechts in den Top 1000. Warum das so ist, ist eine Frage, die selbst Netzwerkanalytiker nur unzureichend beantworten können. Immerhin: Innerhalb der letzten zehn Jahre hat sich einiges bewegt. Im Ranking 2009 haben es nur 51 Frauen in die Top 1000 geschafft. Und die Demografie gibt Hoffnung: Das Durchschnittsalter der 901 Manner in unserer Rangreihung beträgt 55,81 Jahre, das Durchschnittsalter der 102 Frauen liegt immerhin bei nur 50,86 Jahren.

Der Top-Frau im Ranking, Bettina Glatz-Kremsner, folgt Stefan Pierer, Vorstandsvorsitzender KTM AG auf Platz Acht. Auf Rang Neun findet sich Georg Pölzl, Vorstandschef der Österreichischen Post AG wieder. Knapp unter die Top 10 hat es heuer Arnold Schiefer, Aufsichtsratschef der ÖBB-Holding, geschafft.

Warum sind Eigentümer (oder Vorstandschefs) oft hinter ihren Vorständen?

Manchmal liest sich unsere Analyse ein wenig kurios. Nicht selten kommt es vor, dass „gefühlt“ einflussreichere Personen wie Eigentümer oder Vorstandsvorsitzende hinter ihnen berichtspflichtigen Führungskräften, wie etwa Bereichsvorständen, gereiht sind. So mutet es zum Beispiel seltsam an, wenn Herbert Knapp, Gründer, Aufsichtsratschef und Miteigentümer des gleichnamigen Intralogistikkonzerns auf Rang 437 (und sein Vorstandsvorsitzender Gerald Hofer auf Rang 460) gereiht sind – während Finanzvorstand Christian Grabner Rang 257 belegt. Doch die Abbildung ist in allen Fällen korrekt. In unserem Beispiel weist etwa Christian Grabner mit sechs Funktionen (darunter etwa im Aufsichtsrat der FFG) ein weitaus dichteres Netzwerk (etwa im österreichischen Firmenbuch) auf als seine Bosse. Die Entwicklung ist auch erklärbar: Mit der Veränderung der Wertschöpfungsketten entstehen neue, globale Netzwerke, die mit den verfügbaren heimischen Quellen (noch) nicht abgebildet werden können. Knapp-CEO Gerald Hofer, um bei unserem Beispiel zu bleiben, muss seine Ansprechpartner längst nicht mehr nur in Österreich finden. „Diese Veränderung der Wertschöpfungsketten lässt neue Machtzentren entstehen, die größtenteils außerhalb Österreichs liegen – und die Zentrifugalkräfte in den heimischen Netzwerken noch verstärken“ sagt Harald Katzmair. Womit wir wieder bei den verglühenden Sternen wären.

Die Top-Ten

Das sind die zehn einflussreichsten Führungskräfte des Landes.

Der letzte Netzwerkmagnet

Andreas Treichl

Vorstand-Vorsitz | Erste Group Bank AG

Andreas Treichl ist das Maß aller Dinge, was Netzwerkdichte und Diversität angeht. Seit 1997 Vorstandschef der Erste Bank Gruppe wird der letzte große Netzwerkmagnet im kommenden Jahr in den Ruhestand gehen.

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Der Hoffnungsträger

Andreas Brandstetter

Vorstand-Vorsitz | UNIQA Insurance Group AG

Von Platz Eins trennt den Uniqa-Boss und studierten Historiker der im Vergleich geringere Umsatz. Mit dem Generationenwechsel, der im Raiffeisenuniversum stattfinden wird steht Brandstetter in Zukunft der Weg an die Spitze weit offen.

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Offizier und Umsatzsieger

Erwin Hameseder

Vorstand-Obmann | RAIFFEISEN-HOLDING NIEDERÖSTERREICH- WIEN regGen

Maximaler Umsatz, ein Vernetzungsgrad im unteren Spitzenfeld aber eine geringe Variabilität kennzeichnen das Netzwerk des Raiffeisen-Bosses. Der Generalmajor des Bundesheers hat einst Christian Konrad beerbt.

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Der mächtigste Industriekapitän

Georg Kapsch

Vorstand-Vorsitz | Kapsch TrafficCom AG

Beste Verbindungen erschafft Georg Kapsch, der mächtigste Industrieboss im Ranking. Der Vernetzunggrad und die Diversität im Netzwerk schlagen sogar jene der Bank- und Versicherungschefs, die traditionell das Ranking anführen.

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Der Maximalvernetzte

Wolfgang Hesoun

Vorstand-Vorsitz | Siemens Aktiengesellschaft Österreich

Siemens-Boss Wolfgang Hesoun ist der bestvernetzte heimische Manager. Durch die relativ geringen (direkt seinen Funktionen zurechenbaren) Umsatzwerte und das nur durchschnittlich diverse Netzwerk reicht es nur für Platz Fünf.

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Der Stählerne

Wolfgang Eder

Vorstand-Vorsitz | voestalpine AG

Mit seinem langsamen Rückzug (auch aus internationalen Ämtern) sinken Vernetzung und der Diversitätswert im Netzwerk von Wolfgang Eder merklich. Weil der Voestalpine-Boss immer noch relativ hohe Umsätze verwaltet, reicht es für Platz 6.

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Die Fast-Finanzministerin

Bettina Glatz-Kremsner

Vorstand-Mitglied | Casinos Austria Aktiengesellschaft

Überdurchschnittlich gut vernetzt – und das auch noch sehr breit und divers: Die einstige Wunschkandidatin des Kanzlers fürs Finanzressort ist die einzige Frau unter den Top 10 der mächtigsten Manager.

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Der informell Mächtige

Stefan Pierer

Vorstand-Vorsitz | KTM AG

Der Self-Made Mann Stefan Pierer ist heuer (laut Forbes) zum Euro-Milliardär aufgestiegen. Im Netzwerkranking half der hohe Vernetzungsgrad und die Diversität des Netzwerkes auf unterem Spitzenniveau für den Platz unter die Top 10.

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Der McKinsey entwachsene

Georg Pölzl

Vorstand-Vorsitz | Österreichische Post Aktiengesellschaft

Weit über sein McKinsey-Netzwerk hinaus sind die Kontakte von Post-Boss Georg Pölzl in den letzten Jahren gewachsen. Trotz relativ niedrigen (direkt seinen Funktionen zurechenbaren) Umsatzwerten reicht es für die Top 10.

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Der freiheitliche Reservist

Arnold Schiefer

Aufsichtsrat-Vorsitz | Österreichische Bundesbahnen-Holding Aktiengesellschaft

Die freiheitliche Personal-Allzweckwaffe war schon als Infrastrukturminister, als Verbund-Chef und als ORF-Finanzer im Gespräch. In seiner Funktion als Chefkontrollor der ÖBB zog er mit hohem Vernetzungsgrad und Spitzenwerten bei der Diversität in die Top 10.

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