Österreichs 1000 wichtigste Manager

Kann man Einfluss objektiv messen? Man kann.
Die Statistiker von FAS Research analysierten für INDUSTRIEMAGAZIN
das Netzwerk der Führungskräfte der 5000 größten Unternehmen dieses Landes.
Wer punktet bei Vernetzung, Umsatzkraft und Branchenvariabilität?
Das sind Österreichs tausend wichtigste Manager.

Interaktive Grafik:Klicken Sie auf die Köpfe für mehr Details.
Redaktion: Rudolf Loidl
Das Manager-Ranking entstand in Zusammenarbeit mit FASresearch

Lange waren sie im Ranking der tausend wichtigsten Manager der unangefochtene Souverän: Banker wie Erste-Group-Chef Andreas Treichl oder Versicherungschefs wie Uniqa-Vorstandsboss Andreas Brandstetter. Und fürs erste ist ihre geballte Präsenz auf den vorderen Rängen – selbst mit dem Rückzug von Treichl in den Ruhestand – nicht ganz gebrochen. Drei Vertreter der Finanzwirtschaft unter den Top 5 – das ist immer noch ein erstaunliches Machtreservoir, das mit Globalisierung und Digitalisierung zusehends erodiert. Nicht zufällig schiebt sich heuer mit Siemens-Generaldirektor Wolfgang Hesoun ausgerechnet ein Vertreter jener Manager-Spezies an die Spitze, deren (hochvariable) Netzwerke konsequent darauf ausgerichtet sind, in den Verteilungskämpfen der neuen digitalen Ära zu bestehen.

Wie funktioniert die Rangreihung?

Wie auch in den Vorjahren beauftragte INDUSTRIEMAGAZIN die Netzwerkanalytiker von FASresearch mit dem Ranking der 1.000 einflussreichsten Industriemanager Österreichs. Die Grundsystematik: Einfluss ist ein Produkt aus Umsatz, Vernetzung und Variabilität des Netzwerkes. Analysiert werden hierfür die kumulierten Umsätze der Unternehmen, über die eine Person kraft Vorstands- oder Aufsichtsrats-Tätigkeit Verfügungsgewalt hat. Errechnet wird zweitens die Vernetzung der Personen aus ihren Positionen in Vorständen, Aufsichtsräten, Forschungsinstitutionen, Wirtschaftsverbänden oder Vereinen. Variabilität ist der dritte berücksichtigte Faktor, sie bildet Verbindungen in andere Branchen und andere Länder sowie zu unterschiedlichen Altersgruppen (und dem anderen Geschlecht) im Netzwerk ab. Grundlage des Rankings sind die Firmenbuch-Daten von Österreichs 5.000 umsatzstärksten Industriebetrieben, den verbundenen Privatstiftungen und die FASresearch-Datenbank, die umfassende Informationen zu verschiedensten Netzwerk-Bereichen enthält.

Warum schieben sich so viele Banker ins Spitzenfeld?

Raiffeisen-Holding NÖ-Wien-Obmann Erwin Hameseder, Uniqa-Vorstandschef Andreas Brandstetter, Erste-Group-Chef Andreas Treichl – die geballte Dominanz von Vertretern der Finanzwirtschaft unter den Top 5 ist mitnichten ein Zufall, sondern vielmehr ein Beleg dafür, welche zentrale Rolle Bankern und Versicherern in der heimischen Wirtschaft immer noch zufällt: Ihr Engagement reicht weit über ihre Kernfunktionen in Bank und Versicherung, sind sie doch überdurchschnittlich stark über ihre Funktionen in Aufsichtsräten von Industrieunternehmen, Forschungseinrichtungen oder Vereinen anzutreffen. Deutlich mehr als ein Drittel der Kontakte im Geflecht würden wegfallen, "wenn man die Beziehungen der Banker aus dem Netzwerk gänzlich entfernen würde", sagt Netzwerkanalytiker Harald Katzmair. Gebrochen wird die Dominanz der Finanzwirtschaft jedoch durch zwei Industriekapitäne, die sich mittelbar und unmittelbar Einflussbereich in der produzierenden Industrie sichern: Rang Eins und Vier gehören Wolfgang Hesoun, Generaldirektor Siemens Österreich sowie Georg Kapsch, Vorstandschef der Kapsch Group.

Wo sind eigentlich die (vielen) Frauen?

Der Frauenanteil in der heimischen Industrie wächst nachweislich – jedoch vor allem in den unteren Führungsstufen. Damit bleibt der weibliche CEO oder Vorstand mit Topnetzwerk (und Chancen auf die Top 100 unserer Rangreihung) weiterhin eine Rarität. Ein Befund, der sich im Spitzenfeld ablesen lässt: Die einzige Frau in den Top 10 findet sich auf Rang Sechs. Nur 96 Frauen finden sich im gesamten Ranking. Immerhin: Im Jahr 2009 waren es nur halb so viele. Der Top-Frau im Ranking, Casinos-Austrias-Chefin Bettina Glatz-Kremsner, folgt Stefan Pierer, Vorstandsvorsitzender KTM AG auf Platz Sieben. Auf den Rängen Acht, Neun und Zehn: Karl-Heinz Strauss, Vorstandsvorsitzender der Porr, Heinrich Schaller, Vorstandsvorsitzender der Raffeisenlandesbank Oberösterreich und Post-Chef Georg Pölzl.
Hier finden Sie die 100 wichtigsten Frauen Österreichs im Ranking – inklusive ausführlicher Portraits.

Warum ziehen Einzelvorstände oft an Eigentümern (oder Vorstandsbossen) vorbei?

Es ruft im ersten Moment Erstaunen hervor: Sind „gefühlt“ einflussreichere Personen wie Eigentümer oder Vorstandsvorsitzende hinter ihnen berichtspflichtigen Führungskräften wie etwa Bereichsvorständen gereiht, fragt man sich zurecht, wieso. Wie etwa im Fall des Palfinger-Gründers, Aufsichtsratschefs und Miteigentümers Hubert Palfinger auf Rang 669 (und dessen Vorstandsvorsitzenden Andreas Klauser auf Rang 334). Denn übertrumpft – und zwar deutlich – werden beide von Palfinger-Technikvorstand Martin Zehnder (Rang 212). Doch die Abbildung ist in allen Fällen korrekt. Mit aktuell acht aufrechten Firmenbuch-Funktionen schlägt Zehnder seinen CEO um fünf an der Zahl. Zudem ändern sich die Mechanismen schlagkräftiger Netzwerke. Mit der Veränderung der Wertschöpfungsketten entstehen neue, globale Netzwerke, die mit den verfügbaren heimischen Quellen (noch) nicht abgebildet werden können.

Die genaue Berechnung der Werte entnehmen Sie bitte dem Punkt Das Ranking der 1.000 aus diesem Dossier.

Die Top-Ten

Das sind die zehn einflussreichsten Führungskräfte des Landes.

Der Verbindungstechniker

Wolfgang Hesoun

Vorstandsvorsitzender | Siemens AG Österreich

Siemens-Chef Wolfgang Hesoun ist der Maßstab, an dem es sich zu messen gilt: Hervorragende (direkt seinen Funktionen zurechenbare) Umsatzwerte, Maximalwerte bei Netzwerkdichte sowie hohe Variabilität fügt der Manager zu einem unschlagbaren Amalgam.

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Der Umsatzkaiser

Erwin Hameseder

Vorstand Obmann | RAIFFEISEN-HOLDING NIEDERÖSTERREICH-WIEN registrierte Genossenschaft mit beschränkter Haftung

Eine Agglomeration aus Spitzenwerten - vor allem maximaler Umsatz - bringen den Generalmajor des Bundesheeres, der dereinst Kontakteknüpfer Christian Konrad beerbte, auf Rang Zwei der Netzwerkelite der Industrie.

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Der Hoffnungsträger

Andreas Brandstetter

Vorstandsvorsitzender | UNIQA Insurance Group AG

Diesen Mann im Netzwerk zu haben ist eine potenziell lohnende Tangente: Der ausgebildete Historiker und Uniqa-Boss, dem im Raiffeisenuniversum noch einiges zugetraut werden darf, punktet vor allem durch einen (beinahe) makellosen Umsatzwert.

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Der Marathon-Mann

Andreas Treichl

Vorstandsvorsitzender | Erste Group Bank AG

Er war bis zuletzt der Inbegriff von Netzwerkdichte: Andreas Treichl, seit 23 Jahren Vorstandschef der Erste Bank Gruppe, schafft es im letzten Jahr vor seinem Ruhestand – auch dank seines unglaublich diversen Netzwerkes – souverän in die Top 5.

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Der machtvolle Industriekapitän

Georg Kapsch

Vorstandsvorsitzender | Kapsch AG

Ein nahezu perfekt verschränktes Kontaktenetz bringt Georg Kapsch, dem mächtigsten Industrieboss im Ranking, den Spitzenrang Fünf. Bei der Diversität kann er es sogar mit den – traditionell starken – Bank- und Versicherungschefs aufnehmen.

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Die Polit-Gestählte

Bettina Glatz-Kremsner

Generaldirektor/in | Casinos Austria AG

Die ehemalige ÖVP-Vizechefin – und einzige Frau in den Top Ten der mächtigsten Manager – punktet mit überdurchschnittlich guter Vernetzung. Und das querbedingt in unterschiedlichen Branchen und Alterskategorien.

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Der Supervariable

Stefan Pierer

Vorstandsvorsitzender | KTM AG

Hochpräsentable Werte, sowohl bei Umsatz, Vernetzung als auch Diversität: Der Selfmade-Unternehmer Stefan Pierer, der KTM aus der Insolvenz holte, schafft es mit einem guten Mix in die Top Ten der Rangreihung.

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Der Netzwerk-Architekt

Karl-Heinz Strauss

Vorstandsvorsitzender | PORR AG

Der Baumanager und Porr-Miteigentümer ist das Starkstromhäuschen der Bauwirtschaft: Bei Umsatz top und als früherer Manager im Raiffeisenuniversum sozialisiert, sind schöne Hebel im Netzwerk vorhanden.

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Der Heimkehrer

Heinrich Schaller

Vorstandsvorsitzender | Raiffeisenlandesbank Oberösterreich AG

Der Linzer Bankmanager, bereits RLB OÖ-Vorstand von 2004 bis 2006, entwickelt sich nach der Hofübergabe durch Ludwig Scharinger wie sein Vorgänger zu einer Ausnahmeerscheinung: Er punktet mit Topwerten bei Diversität – und Umsatzmaximum.

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Der Resolute

Georg Pölzl

Generaldirektor/in | Österreichische Post AG

Seit 2009 Postvorstand (und für den Zeitraum bis 2022 wiederbestellt), hat Georg Pölzl, der seinerzeit als Restrukturierungs-Manager der Deutschen Telekom durchgriff, sukzessive sein Kontaktenetz erweitert. Mit Erfolg: Rang 10.

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