Energiehandel

Branche will Transaperenz

Ein neues EU-Gesetz will Insiderhandel und Manipulation im Strom- und Gashandel eindämmen. Verbraucher hoffen auf ein Ende schmerzhafter Preisaufschläge - Großabnehmer und Energiebörsen sind misstrauisch: Sie fürchten ein Revival regulierter Märkte. Von Peter Martens

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Insiderinformationen im Energiehandel sollen künftig kein Vorteil für einzelne eingeweihte Händler mehr sein.

Der wichtigste Effekt: Der Markt wird transparent, das Vertrauen steigt. Und deswegen, so die Hoffnung, sinken vielleicht auch die Preise. Aber zu viele Fragen seien ungelöst, sagen Kritiker, und ob die Novelle mehr nütze als schade, sei alles andere als eindeutig.

Lücken groß wie Scheunentore

Mit der Liberalisierung des Energiehandels begann in den 1990er-Jahren ein massiver Umbau. Energieerzeuger investierten Millionen ins Unbundling und gründeten eigene Handelsabteilungen, neue Akteure betraten den Markt: Händler und Energiebörsen. Bald kamen die Probleme offen zutage: „Es gibt Lücken, die sind so groß wie Scheunentore“, analysierte 2009 die deutsche Bundesnetzagentur im Auftrag der EU den Energiehandel auf Möglichkeiten zum Marktmissbrauch. Heute sagt Eileen Hieke von der Leipziger Energiebörse EEX, einem zentralen Handelsplatz auch für heimische Akteure: „Es ist richtig, dass es bisher Regelungslücken bezüglich Insiderhandel und Marktmanipulation im Strom- und Gashandel gab.“ Die EEX begrüße daher die Einführung von REMIT ausdrücklich: „Wir sehen REMIT als vertrauensbildend und förderlich für den Markt an.“ Hieke betont allerdings auch, dass bisher keine konkreten Fälle von Marktmissbrauch festgestellt worden seien. Freilich war Insiderhandel noch vor kurzem auch nicht verboten.

Branche will Transparenz

Auch sonst ist das Echo in der Energiewirtschaft überraschend positiv. „Die Branche setzt sich generell für Transparenz ein“, meint dazu Paul Pöttschacher vom heimischen Stromkonzern Verbund. Auch Georg Oppermann vom deutschen Energieriesen Eon, der in Österreich und vielen anderen EU-Ländern aktiv ist, begrüßt REMIT: Dies sei eine vertrauensbildende Maßnahme im Markt. Eon versuche seit vielen Jahren mit einer eigenen Online-Plattform, so Oppermann, „mehr Vertrauen zu schaffen und Vorwürfe des Insiderhandels zu entkräften. Unsere Insiderdaten sind seitdem der Öffentlichkeit bekannt.“ Wie auch Barbara Schmidt, oberste Interessenvertreterin der heimischen Stromwirtschaft, betont Oppermann jedoch vor allem den Vorteil, dass Daten nun europaweit einheitlich erfasst würden – statt dutzender unterschiedlicher Regelwerke für jedes einzelne Land.

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Preisaufschläge dürften sinken

Johannes Mayer von der E-Control spricht in erster Linie das Thema der Preise für Strom und Gas an: „Am Ende sind es die Energiekunden, die für das Misstrauen am Markt bezahlen müssen. Es ist zu erwarten, dass die Preisaufschläge für den heute eingepreisten Insiderhandel mittelfristig tendenziell sinken werden – mit positiven Auswirkungen auf die Preise insgesamt.“ Und ein Vertreter eines großen Energieunternehmens weist darauf hin, dass REMIT gerade Versorgern, die in Osteuropa tätig seien, deutlich entgegenkomme – denn in manchen Ländern bestehe in Sachen Transparenz noch erheblicher Nachholbedarf.

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