Energiehandel

Was bringt REMIT?

Ein neues EU-Gesetz will Insiderhandel und Manipulation im Strom- und Gashandel eindämmen. Verbraucher hoffen auf ein Ende schmerzhafter Preisaufschläge - Großabnehmer und Energiebörsen sind misstrauisch: Sie fürchten ein Revival regulierter Märkte.

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Insiderinformationen im Energiehandel sollen künftig kein Vorteil für einzelne eingeweihte Händler mehr sein.

Es waren wilde Zeiten im Energiehandel. Bis zuletzt. Wer sich auskannte und eine kleine Information bekam, konnte innerhalb weniger Stunden eine halbe Million Euro verdienen – ganz legal. Zum Beispiel so: Ein großer Stromerzeuger plant, am nächsten Donnerstag für Wartungszwecke ein größeres Kraftwerk vom Netz zu nehmen. Weil das in seiner Region zu einem spürbaren Engpass führt, gibt der Produzent seine Entscheidung rechtzeitig davor bekannt. Doch bis zu ihrer Veröffentlichung vergeht eine Weile. Genug Zeit, damit ein erfahrener Energiehändler Wind davon bekommt – und sich mit großen Mengen Strom für genau den nächsten Donnerstag eindeckt. Nach Veröffentlichung des Wartungstermins steigt der Preis massiv an – und der Händler reicht den eben gekauften Strom mit edler Geste – und einem schönen Schnitt – an den Markt weiter.

Ermittlungen in England

Eine hypothetische Situation? Keineswegs. Alle Teilnehmer im Strom- und Gas-Großhandel konnten bei dem Spiel bis vor kurzem noch dabei sein: Erzeuger genauso wie Stromnetzbetreiber, Händler, Inhaber von Pipelines und Speicheranlagen, industrielle Abnehmer und auch Finanzhäuser. Im Kern es ging immer um eins: Insiderinformationen. Wann wird eine Anlage oder Leitung abgeschaltet, wann tritt wieder eine unerwartete Nachfrageschwankung ein? Inzwischen wechselt jede Kilowattstunde Strom drei bis vier Mal den Besitzer, bevor sie beim Verbraucher landet. Beim Gas hat sich die gehandelte Menge innerhalb von sechs Jahren verfünffacht. Große, auf die Lieferung angewiesene Abnehmer mussten so immer deutlich mehr Geld auf den Tisch legen. Behörden ermitteln zurzeit in Großbritannien wegen einer konkreten Manipulation im Großhandel mit Gas. Und die USA prüfen eine Strafe von 435 Millionen Dollar gegen die Barclays Bank, die den Stromgroßhandel manipuliert haben soll. In Kontinentaleuropa dagegen ist es seit einiger Zeit still geworden um das Thema Insiderhandel.

Neues EU-Gesetz

Zu verdanken ist das in erster Linie einem neuen EU-Gesetz, das in diesen Wochen europaweit implementiert wird und im ersten Halbjahr 2014 „scharf geschaltet“ werden soll: Die Rede ist von REMIT (EU-Verordnung Nr. 1227/2011). Das zentrale Ziel der Maßnahme: Transparenz und Vertrauen schaffen, indem jede mögliche Insiderinformation allen zugänglich gemacht wird. Alle, die große Energiepakete im Großhandel kaufen und verkaufen, müssen sich registrieren und künftig alle großen Transaktionen an die EU-Kontrollbehörde ACER in Laibach melden. Damit können ACER und die nationalen Regulierer alle auffälligen Bewegungen schnell nachvollziehen. Zugleich sind Informationen, die Preisbewegungen auslösen können, innerhalb einer Stunde zu veröffentlichen und so allen anderen zugänglich zu machen.

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