Innovation in der Krise

Wacker-Neuson-CEO Martin Lehner: „Wir schalten nicht zurück“

Ein Spar- und Effizienzprogramm sichert beim Münchner Baumaschinenhersteller Wacker Neuson jetzt kurzfristig Liquidität. Am Kurs, mit digitalen Diensten rund um Baumaschinen Differenzierung zu schaffen, hält Wacker-Neuson-CEO Martin Lehner fest.

Von

Wacker-Neuson-CEO Martin Lehner will die Softwarekompetenz des Baumaschinenherstellers weiter stärken: "Ein Schicksal, wie es Tesla-Konkurrenten gerade ereilt, darf uns nicht passieren“

Mehr als 500 Kopf stark ist die Konzern-F&E von Wacker Neuson - das sind gut neun Prozent aller Beschäftigen. Die Elektronik- und Softwareentwicklung wächst dabei deutlich überproportional, was CEO Martin Lehner bis heute gut zu begründen weiß.

Da wäre die Konsolidierung der Baumaschinenbranche, die – anders als im Landmaschinenbereich – noch nicht erfolgt ist. Jedoch ihren Schatten vorauswirft. Was mit Unternehmen passiert, die im Zeitalter der Vernetzung etwa zu spät auf Software setzen, mag Lehner bei einem Autokonzern beobachten. Dort wurde viel zu spät auf Bündelung einer Inhouse-Softwareschiene gesetzt. Das Ergebnis? Eine zähe Aufholjagd.

Ein Spar- und Effizienzprogramm ist zwar auch bei Wacker Neuson dazu da, jetzt kurzfristig Liquidität zu sichern. Dazu zählt neben Produktivitätssteigerungen in den Werken auch die Anpassung der Vertriebsorganisation in einigen Ländern durch direkte Anbindung der Vertriebspartner an die Produktionswerke unter Beibehaltung der lokalen Vertriebs- und Servicemannschaft zur Händlerunterstützung. So konnten Logistik- und Verwaltungskosten reduziert werden. Doch bei der Innovation hält der Baumaschinenhersteller, der in Hörsching seine Entwicklung für Bagger und Dumpergebündelt hat und Fahrzeuge schon standardmäßig mit Telematikmodulen ausstattet, Kurs. 

White Paper zum Thema

„Wir schalten nicht zurück“, sagt Lehner. Mit digitalen Diensten, Vernetzung und Elektromobilität rüstet man sich für eine Zeit, in der es vielleicht „gar keinen Bagger mehr braucht, um Löcher zu graben“ (O-Ton Lehner). Oder zumindest keinen Fahrer vor Ort. Im Start-up-Ambiente der Linzer Tabakfabrik - der Baumaschinenhersteller ist seit November eingemietet - gedieh eine solche Idee. Ein Minibagger ohne Fahrerkabine, remote per Datenbrille aus dem Büro gesteuert. „Da bleiben wir dran“, sagt Lehner. 

Auch an einer anderen Front verstärkt man den Softwarebereich - trotz Coronapandemie. Als Kerninvestor des Startup Industry Fonds von Speedinvest – Wacker Neuson ist mit einem Millionenbetrag investiert, etwa in das Schüttgutplattform-Startup Schüttflix – will man sich ein Schicksal, wie es Tesla-Konkurrenten gerade ereilt, ersparen. „Das darf uns nicht passieren“, sagt Lehner.