Stahlindustrie

Thyssen im Aufwind: "Stahl ist grundsätzlich knapp"

Höhere Stahlpreise und die aufhellende Konjunktur der Autoindustrie ziehen auch die Ergebnisse von Thyssenkrupp nach oben. Zuletzt hat der Industrieriese seine Verluste eingegrenzt und die Prognose angehoben.

Der deutsche Stahl- und Industriekonzern Thyssenkrupp arbeitet sich aus seiner tiefen Krise heraus und hat die existenzbedrohenden Verluste deutlich eingedämmt. Dabei profitiert das Unternehmen von der Erholung der Stahl- und der Automobilkonjunktur sowie von guten Geschäften mit Industriekomponenten. Auch der laufende Konzernumbau und Stellenstreichungen haben zu der positiven Entwicklung beigetragen.

"Wir haben im zweiten Quartal Boden gut gemacht", kommentierte die Vorstandsvorsitzende Martina Merz die Zahlen für die erste Hälfte des Geschäftsjahres 2020/21. Die Neuausrichtung von Thyssenkrupp bleibe aber "ein Weg der vielen kleinen Schritte".

Stahlsparte soll eines Tages nach wie vor "eigenständig" sein

Die Stahlarbeiter von Thyssenkrupp müssen noch über das Ende dieses Jahres hinaus auf Klarheit warten, wie es mit der Traditionssparte des Ruhrkonzerns weitergeht. Nach der Absage eines Verkaufs prüft der Konzern jetzt eine Abspaltung des Bereichs mit der Option eines späteren Börsengangs. Eine Entscheidung werde heuer "definitiv nicht mehr" fallen, sagte Finanzvorstand Klaus Keysberg in einer Telefonpressekonferenz.

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Beim Stahl gebe es keinen Zeitdruck, sagte Keysberg. Der Vorstand sei überzeugt, dass ein eigenständiger Stahlbereich definitiv bessere Entwicklungschancen habe. Eine Abspaltung erfordere aber eine gründliche Vorbereitung. Im Stahlbereich arbeiten rund 26.000 der noch etwa 102.000 Mitarbeiter von Thyssenkrupp. Von den 12.000 Stellen, die im Zuge des Konzernumbaus gestrichen werden sollen, sind nach Angaben des Finanzchefs bisher 5.400 abgebaut.

"Stahl ist grundsätzlich knapp"

Beim Stahl profitiert Thyssenkrupp von den kräftig gestiegenen Preisen. "Stahl ist grundsätzlich knapp", sagte Keysberg. Gleichzeitig seien aber auch die Rohstoffpreise, vor allem für Eisenerz, "extrem hochgegangen". Das drücke die Marge von Thyssenkrupp. Zudem bekomme Thyssenkrupp als großer Zulieferer auch die Folgen des Chipmangels in der Autoindustrie zu spüren. Deshalb rechne Thyssenkrupp in diesem Bereich für die zweite Hälfte des bis Ende September laufenden Geschäftsjahres mit einer gedämpften Dynamik.

Angesichts der positiven Entwicklung in den vergangenen Monaten hob Thyssenkrupp die Prognose für das gesamte Geschäftsjahr an. Unter dem Strich rechnet Thyssenkrupp aber weiter mit einem hohen Verlust. Mit einem mittleren dreistelligen Millionenbetrag soll er aber niedriger ausfallen als bisher erwartet. Da war der Konzern von einem hohen dreistelligen Millionenverlust ausgegangen. Im vergangenen Jahr hatte Thyssenkrupp sogar 5,5 Milliarden Euro Verlust gemacht. (dpa/apa/red)

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