Energiewirtschaft

Tesla positioniert sich in Deutschland als Energieversorger

Tesla ist gerade dabei, die Automobilbranche aufzurollen. Jetzt nimmt der Elektroautobauer die Energiebranche in Deutschland ins Visier und positioniert sich als Stromlieferant.

Tesla ist gerade dabei, die Automobilbranche aufzurollen. Jetzt nimmt der Elektroautobauer die Energiebranche in Deutschland ins Visier. Der Konzern von Elon Musk, der gerade auf Deutschland-Besuch ist, lotet aus, ob die Kunden Interesse an einem neuen Stromtarif aus dem Hause Tesla haben könnten und bringt hierzu seine Batterie-, Solar- und Speichertechnik ins Spiel.

"Würden Sie eine Photovoltaikanlage und einen Heimspeicher (Tesla Powerwall) von Tesla kaufen, wenn Sie damit auf einen speziell entwickelten Tesla-Stromtarif umsteigen könnten?", wandte sich der Konzern vor wenigen Wochen mit einem Schreiben an seine Kunden, in das Reuters Einblick hatte. Gelingt der Markteintritt in den Stromvertrieb, könnte der Newcomer Experten zufolge die Branche mit Platzhirschen wie E.ON oder RWE aufmischen – insbesondere, wenn er einen oder mehrere Partner ins Boot holt. Tesla wollte sich auf Nachfrage dazu nicht äußern.

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Batterieanlagen für Strom fertigt Tesla schon

Den Grundstein für einen Vorstoß in den Energiemarkt hat Tesla längst gelegt. Zu den Produkten für zu Hause gehört die Powerwall, eine Batterieanlage, mit der sich Solarstrom speichern lässt. Und im Juni sicherte sich das Unternehmen eine Handelslizenz an der Pariser Energiebörse EPEX, die zwei Drittel des nordwesteuropäischen Kurzfriststrommarktes abdeckt. Damit ist Strombeschaffung für den Folgetag und innerhalb eines Tages möglich. "Tesla ist nicht wirklich ein Autokonzern", bewertet der Chef der Beratungsfirma Munro & Associates, Sandy Munro den Vorstoß. "Die schauen sich das Thema Energie an und wie sie dies beherrschen können."

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Teslas Interesse an Erneuerbarer Energie ist auch ein Grund dafür, dass der Konzern Brandenburg als Standort für seine neue Autofabrik gewählt hat, wie ein Insider Reuters sagt. In Brandenburg drehen sich zahlreiche Windräder. Diese produzieren jedoch oftmals mehr Strom als benötigt wird. Hier kommt Tesla ins Spiel. Mit seinen Batterien für Autos und für zu Hause und seiner Software könnte Tesla aus dem überschüssigen Strom ein Geschäft machen.

Tesla will entscheiden, wann Kunden ihre Autos laden

Auf jeden Fall bringt das kalifornische Unternehmen neue Ideen mit: In dem Schreiben werden die Kunden gefragt, ob sie damit einverstanden wären, wenn Tesla die Kontrolle über die Ladezeiten ihrer E-Autos übernähme. Dann könnte Tesla zum Aufladen Ökostrom zu Überschusszeiten beispielsweise nachts günstig einkaufen, beschreiben Branchen-Experten den Hintergedanken. Mit Hilfe der Erlöse aus dem Stromverkauf könnte Tesla die Preise für seine Fahrzeuge senken und damit den Druck auf Autobauer wie Volkswagen, Audi, Daimler, BMW oder Porsche erhöhen.

Zu den Rivalen in dem E-Mobility-Geschäft gehören große Versorger wie Eon, EnBW oder Vattenfall. Ähnliche Geschäftsmodelle wie Tesla verfolgt die zum Ölriesen Shell gehörende Stromspeicherfirma Sonnen oder der Ökostromanbieter LichtBlick, der mithilfe seiner Schwarmbatterie Solarstrom im Haus überwacht, speichert und ins öffentliche Netz speist. "Der nächste logische Schritt für Tesla wäre, in die Produktion einzusteigen, vor allem von erneuerbaren Energien", sagt Berthold Hannes, langjähriger Berater im Energiesektor. "Tesla könnte seine eigenen Standorte nutzen, zum Beispiel Dächer der Werke oder Ladestationen, oder alternativ oder zusätzlich bei Betreibern von Solaranlagen oder Windparks einsteigen."

Bis zum aktiven Stromanbieter ist es noch ein weiter Weg

Allerdings ist es noch ein weiter Weg, bis Tesla ein großer Stromanbieter in Deutschland wird. "Dass Tesla in absehbarer Zeit alleine in den deutschen Stromvertrieb einsteigen wird, ist unwahrscheinlich", sagt der Portfolio-Manager der Fondsgesellschaft Union Investment, Thomas Deser. "Zusammen mit einem kompetenten Partner aus der Energiebranche könnte das schon anders aussehen." Unklar sei aber etwa, wie viele Fahrzeuge ständig an das Stromnetz angeschlossen wären. Auch die Netzfrage sei offen. "Tesla wäre ja auf das bestehende Stromnetz angewiesen. Dort könnte Tesla aber von den klassischen Versorgern ausgekontert werden." Auch Andreas Radics, Partner bei der Strategieberatung Berylls, sieht die fragmentierte Marktlandschaft beim Strom als Hürde. "Sich durchzusetzen wäre mühselig. Es würde kein einfacher Sieg," sagte er.

Berater Munro ist dagegen von den Fähigkeiten des charismatischen Unternehmers Musks überzeugt: "Tesla wird den Markt dominieren. Da bin ich sicher."

(von Vera Eckert, Christoph Steitz, Tom Käckenhoff und Edward Taylor, Reuters/APA/red)