Elektroindustrie

Starkes erstes Quartal bei Siemens - Großaufträge in der Bahnsparte

Der Technologieriese überrascht mit einem starken Jahresauftakt: Die Bahnsparte kann ihre Ergebnisse auch in der Krise halten und meldet neue Großaufträge. Die Bereiche Automatisierung und Software sowie die Digitalisierung der Infrastruktur liefen besser als erwartet. Haupttreiber war vor allem die Nachfrage in China.

Der deutsche Technologiekonzern Siemens hat mit einem starken Jahresauftakt positiv überrascht: Das Unternehmen hat im ersten Quartal bis Ende Dezember nach vorläufigen Zahlen operativ mehr verdient als gedacht. Vor allem die Automatisierungs- und Softwaregeschäfte und der Bereich Smart Infrastructure hatten sich stark entwickelt und deutlich höhere Ergebnisse im Vergleich zum Vorjahr geliefert. Haupttreiber war vor allem China.

Siemens will nun seinen Ausblick für das Geschäftsjahr 2020/21 überprüfen, wie der Konzern zur Vorlage seiner vorläufiger Zahlen in München mitgeteilt hatte. Bisher geht der Konzern von einem moderat steigenden vergleichbaren Umsatz sowie einem moderat zunehmenden Gewinn nach Steuern aus. Den Bericht zum ersten Quartal will das Unternehmen am 3. Februar vorlegen.

Nachfrage in der Sparte Digital Industries erholt

Die Nachfrage in der Siemens-Sparte Digital Industries konnte sich im Vergleich zum Vorjahreszeitraum erholen. Auftragseingang und Umsatz stiegen auf vergleichbarer Basis um zwei beziehungsweise fünf Prozent. Nominal war das Neugeschäft jedoch leicht rückläufig. Das bereinigte operative Ergebnis (EBITA) stieg um 57 Prozent auf 848 Mio. Euro. Das lag deutlich über den Analystenerwartungen. Gründe für den guten Lauf seien eine bessere Entwicklung im kurzzyklischen Automatisierungsgeschäft, eine höhere Kapazitätsauslastung sowie ein starker Ergebnisbeitrag aus dem Softwaregeschäft. Dabei profitierte Siemens auch von Einsparungen.

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Ergebnisanstieg bei der Digitalisierung der Infrastruktur

Auch die Sparte Smart Infrastructure konnte das bereinigte EBITA deutlich steigern: Um fast 40 Prozent auf 391 Mio. Euro. Auch hier hatten Analysten in einer vom Unternehmen zusammengestellten Schätzung mit weniger gerechnet. Wie bei Digital Industries auch fielen Aufwendungen für den Abbau von Stellen im ersten Quartal deutlich geringer aus, ebenso wurden Kosten im Zusammenhang mit der Pandemie gespart - etwa bei Reisen oder Marketing. Der Auftragseingang konnte auf vergleichbarer Basis um sieben Prozent zulegen, der Umsatz um vier Prozent.

Bahnsparte kann ihre früheren Ergebnisse halten

Dagegen entwickelte sich das Zuggeschäft mit einem bereinigten Ebita von 219 Millionen etwa auf Vorjahresniveau. Dank mehrerer Großaufträge legte das Neugeschäft jedoch vergleichbar um 67 Prozent zu. Der Umsatz stieg vergleichbar um vier Prozent.

Das vergangene Geschäftsjahr 2019/20 (per 30. September) war für den Technologiekonzern durchwachsen ausgefallen: Siemens litt unter einem schwächeren wirtschaftlichen Umfeld und einer sinkenden Nachfrage etwa aus der Autoindustrie und dem Maschinenbau. Die Lage verschärfte sich im Jahresverlauf durch die Corona-Pandemie.

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Aktienkurz erreichte in der Vorwoche ein Rekordhoch

An der Börse reagierten die Anleger begeistert, die Aktie schnellte auf ein Rekordhoch. Die Aktie stieg kurz nach dem Handelsstart auf einen neuen Rekord und ließ damit die vor zehn Tagen erreichte Bestmarke hinter sich. Zuletzt lag die Aktie an der Dax-Spitze noch mit rund 5 Prozent bei 130,04 Euro im Plus. Ein Händler sprach insgesamt von einer sehr positiven Überraschung. Die Aktien erschienen vor diesem Hintergrund zu günstig bewertet. Analysten reagierten ebenfalls positiv. Goldman Sachs erhöhte das Kursziel auf 145 Euro. Vom Analysehaus Jefferies hieß es, die Profitabilität im Segment Digital Industries sei "beeindruckend hoch". Deshalb seien höhere Ziele für das gesamte Geschäftsjahr nun "sehr realistisch".

Ein Analyst der US-Bank JPMorgan urteilte: Mit dem Zahlenwerk könnte der Industriekonzern in dieser Berichtssaison ein Zeichen gesetzt haben. Der Konzern habe bereits Anfang Jänner auf bessere wirtschaftliche Bedingungen als gedacht hingewiesen, vor allem in China. (dpa-afx/apa/red)

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