Aus der Praxis

Wie HOERBIGER, Pankl und Voestalpine das Smart Production Lab für ihre Digitalisierung nutzen

Das Smart Production Lab an der FH Joanneum Kapfenberg kostete bisher drei Millionen Euro. Ein Drittel davon haben bisher 20 Kooperationen mit KMU und größeren Unternehmen eingebracht. HOERBIGER, Voestalpine und Pankl sind drei führende Industriepartner, mit denen schon länger kooperiert wird.

Mit diesen Kooperationen ist die langfristige und nachhaltige Entwick­lung des Smart Production Lab gesichert, weil so die Infrastruktur am Stand der Technik bleibt. Als Plattform für einen kontinuierlichen Wis­senstransfer zwischen den Beteiligten ist so auch die forschungsgelei­tete Lehre sichergestellt.

HOERBIGER: Fokus auf „Produktion der Zukunft“

Eine Liste mit über 25 erfolgreich angewandten Forschungsprojekten, die bis in das Jahr 2008 zurückreicht, zeugt von der Kooperationsintensität zwischen Industrial Management und Hoerbiger. Diese transdiszipli­nären Projekte – mit Themen von Produktionsoptimierung über IT­/ SAP­-Themen bis hin zu Marketing und Sales – werden häufig unter Einbindung von Wirtschaftsingeni­eur-­Studierenden durchgeführt. Weiter absolvieren jährlich zwei bis vier Studierende ihr Bachelor­-Pra­xissemester an den Hoerbiger-Standorten in Florida, Ohio und Wien. Seit 2013 ist diese Pro­jekt-­Palette um eine Facette rei­cher: ein berufsbegleitendes Mas­ter-­Traineeprogramm, in das jähr­lich ein Studierender aufgenommen wird. Im Traineepro­gramm wird während des zweijähri­gen berufsbegleitenden Masters ein aktuelles Kernthema, das sowohl Hoerbiger als auch die Hochschule treibt (beispielsweise Additive Manufacturing oder MES) kontinuierlich und wissenschaftlich systematisiert aufbereitet.

Hoerbiger fokussiert in sei­ner Kooperation im Smart Produc­tion Lab auf das Thema „Produk­tion der Zukunft“. Dazu wurde einerseits ein Projekt zum Einsatz kollaborativer Robotik in der Assemblierung durchgeführt. Ziel war es, das Optimierungspotenzial durch kollaborative Roboter im Montageprozess anhand von Feld­ versuchen im Smart Production Lab und eines Hoerbiger Use­-Cases zu identifizieren. Ande­rerseits steht das Thema Big Data in der Produktion ganz oben auf der Agenda. Daher steuert Hoerbiger als Platin­-Partner einen SAP HANA­-Server zur For­schungsinfrastruktur im Smart Production Lab bei: So können produktionsbezogene Big-­Data-­Projekte, basierend auf S/4 on HANA, realitätsnah getestet und Pilotprojekte im Unternehmen angestoßen werden.

White Paper zum Thema

VOESTALPINE: Digitales Retrofitting

Nicht nur räumlich besteht seit 1995 eine enge Bin­dung zur Voestalpine, befindet sich die FH Joanneum am Campus Kapfenberg doch im ehemaligen F&E­-Gebäude der Voestalpine Böhler Edelstahl. Auch inhaltlich arbeiten Voestalpine und Industrial Management intensiv zusam­men – sowohl in angewandten F&E-­Projekten als auch über Praxissemester und Diplomar­beiten.

Die Eröffnung des eigenen Kompetenzzentrums für Digita­lisierung in Kapfenberg veran­lasste die Voestalpine High Performance Metals Division im Zuge des Starts des Smart Production Lab als Platinpart­ner unter anderem eine Behrin­ger-­Bandsäge mit dem Ziel zur Verfügung zu stellen, ange­wandte Forschungsprojekte zum Thema „digitales Retrofi­ting“ durchzuführen. Unter­schiedliche Sensoren werden so an der Säge installiert, damit Schwingungsdaten erhoben, aufbereitet, übermittelt und in Folge analysiert werden kön­nen, um Predictive Quality and Maintenance zu realisieren. Gemeinsam wurde ein „Digital Ambassador Qualification Pro­gram“ entwickelt: An fünf Aus­bildungstagen bilden sich Füh­rungskräfte der Division unter anderem im Smart Production Lab an der Hochschule in Digitalisierungsthemen weiter.

Überdies unterstützt Voestalpine als Teil des Förder­vereins am Hochschulstandort Kapfenberg sozial schlechter gestellte Studierende mit Sti­pendien.

PANKL: Evaluierung von IoT­-Plattformen

Beinahe zeitgleich zur Eröffnung des Smart Production Lab des Instituts Industrial Management im Frühjahr 2018 eröffnete Pankl nur drei Automi­nuten entfernt seine neue, hoch­ digitalisierte Getriebefertigung. Im Fahrtwind der damit einher­ gehenden Digitalisierungsbe­strebungen und basierend auf vorherigen Kooperationen, Pro­jekten und zahlreichen Absol­venten, die heute bei Pankl tätig sind, unterstützt Pankl den Aus­bau und die Aufrechterhaltung der Smart-Production-Lab­-For­schungsinfrastruktur. Im Zuge der Kooperation wurden bereits erste angewandte Forschungs­projekte initiiert und durchge­führt. Erstes Kernthema ist die Evaluierung von IoT­-Plattformen. Ziel ist es, ausgewählte IoT­-Platt­formen technisch zu evaluieren und auf ihre Eignung zur Imple­mentierung spezifischer Use Cases bei Pankl zu beurteilen. Zu diesem Zweck wird ein Evalu­ierungsmodell inklusive Bewer­tungsmatrix entwickelt, das die wesentlichen funktionalen sowie nicht­funktionalen Anforderun­gen von Pankl berücksichtigt. Auf Basis dieses Modells werden relevante IoT­Plattformen begin­nend bei der Datenherkunft über die Datenverarbeitung bis hin zur Datenweitergabe an Drittsys­teme analysiert und gemäß einem einheitlichen Schema bewertet.

Weiters wurden im Zuge einer Abschlussarbeit die Pro­zesse für die Planung und Abwicklung interner Werksver­kehre in Hinblick auf die Zielset­zung, die Transportzeiten zu optimieren, erhoben, dokumen­tiert und analysiert. Primär galt es, die Planungs­- und Dispositi­onsprozesse mithilfe moderner IT­-Systeme zu digitalisieren und so zu optimieren. Schließlich entwickelt eine weitere Abschlussarbeit ein Konzept für die nachhaltige Integration einer Big-­Data­-Plattform, unter Berücksichtigung sowohl tech­nologischer als auch organisato­rischer Anforderungen.

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