Standort

Slowakei will mehr Autos entwickeln statt nur produzieren

Die Slowakei will "nicht mehr nur ein Ort sein, an dem Komponenten zusammengebaut werden", so Außenminister Lajcak. Die Entscheidung von Volkswagen, das neue Werk in der Türkei zu bauen, habe für das Land keine Folgen.

Das Autoland Slowakei will sich künftig stärker auf die Entwicklung von Fahrzeugen konzentrieren und damit wettbewerbsfähig bleiben. "Wir wollen nicht nur als der Ort gesehen werden, an dem die Teile zusammengebaut werden", sagte Außenminister Miroslav Lajcak vor wenigen Tagen bei einem Besuch in der Schweiz.

"Wir wollen auch als der Ort gelten, an dem Zukunftsentscheidungen getroffen werden und überlegt wird, wie das Auto der Zukunft aussieht." Deshalb wolle das EU-Land die Struktur der Autoindustrie leicht verändern, die derzeit stark auf der Fertigung basiert. "Wir wollen uns mehr auf Forschung und Entwicklung fokussieren", sagte Lajcak der Deutschen Presse-Agentur.

Mangelnde Diversifizierung als Gefahr

Fragen nach einer Diversifizierung der slowakischen Wirtschaft, die stark von der Autobranche abhängt, wich der Minister aus. "Die Automobilindustrie ist unsere spezielle Nische", sagte er. Die Slowakei biete Fähigkeiten und Erfahrung. "Wir glauben, dass die starke Präsenz der Autoindustrie ein Fakt ist, den wir nutzen wollen, um wettbewerbsfähig zu bleiben." Der Minister räumte zugleich ein, dass die Branche unter Fachkräftemangel leide.

White Paper zum Thema

Lajcak sagte, die geplante Fabrik von Volkswagen in der Türkei habe keine Folgen für die Slowakei. "Wir verlieren dadurch nichts. Wir sind sehr zufrieden mit der Präsenz von Volkswagen in der Slowakei."

Die Slowakei mit etwa 5,4 Millionen Einwohnern hat weltweit die höchste Pro-Kopf-Autoproduktion. Im Jahr 2019 wurden von Volkswagen in Bratislava, Peugeot PSA in Trnava, Kia in Zilina und neuerdings auch Jaguar Land Rover in Nitra insgesamt 1,1 Millionen Autos produziert. Das entspricht nach Angaben des Branchenverbandes ZAP 202 Autos pro 1.000 Einwohnern. (dpa/apa/red)