Medizintechnik

Siemens Healthineers plant nach großer Übernahme Kapitalerhöhung

Die Medizintechniktochter von Siemens will sich nach einem milliardenschweren Zukauf im Herbst einen Teil des Geldes an der Börse besorgen, sagen Eingeweihte.

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Die Siemens-Medizintechniktochter Siemens Healthineers will sich einen Teil der Milliardensumme für den Kauf des Krebstherapie-Spezialisten Varian möglichst noch im Herbst an der Börse besorgen. Das ideale Zeitfenster für die angekündigte Kapitalerhöhung beginne nach dem August und ende in der Vorweihnachtszeit, sagte eine mit dem Überlegungen vertraute Person.

Eine weitere Kapitalerhöhung könne im kommenden Jahr folgen, hieß es. Damit würde der von Healthineers angestrebte Gesamterlös von 7,5 bis 7,6 Mrd. Euro aus der Ausgabe neuer Aktien auf zwei Tranchen verteilt. Siemens und die Tochter Healthineers lehnten Stellungnahmen dazu ab.

Milliardenschwere Übernahme

Der Medizintechnik-Konzern aus Erlangen hatte am Sonntag angekündigt, seinen auf Krebsbehandlung spezialisierten langjährigen US-Partner Varian Medical Systems für 16,4 Mrd. Dollar (13,8 Mrd. Euro) zu übernehmen. Healthineers bietet je Varian-Aktie 177,50 Dollar in bar, was einem Aufschlag von 24 Prozent auf den Schlusskurs vom Freitag entspricht.

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Rund die Hälfte des Kaufpreises will Healthineers durch die Ausgabe neuer eigener Aktien finanzieren. Einen ersten Schritt an die Börse hatte das Unternehmen für das laufende Jahr angekündigt. Weil infolge der Kapitalerhöhung Streubesitz und Handelsvolumen steigen, könnte Healthineers künftig neben seinem Mutterkonzern einen Platz im DAX einnehmen.

Die andere Hälfte des Kaufpreises will Healthineers durch Schulden finanzieren. Bei Aufnahme des Fremdkapitals wollen Siemens und seine Tochter die Stärke des Konzernverbunds ausspielen, wie der Insider sagte. Denn weil Healthineers das Geld nicht selbst am Markt beschaffen müsse, sondern der Mutterkonzern diese Aufgabe übernehme, profitiere die Medizintechniktochter von der langjährigen Erfahrung und Reputation von Siemens. Beide Unternehmen hatten angekündigt, dass Siemens die eingesammelten Gelder zu "marktüblichen Bedingungen" an die Tochter weiterreicht - das verlangen nicht zuletzt die deutschen Steuergesetze. Zudem hält Siemens die Tochter mit einer Brückenfinanzierung liquide.

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Der Kauf soll im ersten Halbjahr 2021 abgeschlossen werden. Mit Widerstand der Kartellbehörden rechnen die Deutschen nicht, wie ein zweiter Insider sagte. Denn die Geschäfte von Healthineers und Varian überlappten sich nicht. Es gebe auch keine Anzeichen für Störfeuer eines anderen Bieters oder von Investoren, die einen höheren Preis für die Varian-Aktie herausschlagen wollen. Ein gewisses Risiko für die Übernahme bestehe allerdings darin, dass die USA Sicherheitsbedenken geltend machen könnten. Die zuständige Behörde CFIUS ist bei ausländischen Firmenkäufern gefürchtet. Sollte die Fusion scheitern, müsste nach den Vertragsbedingungen der dafür verantwortliche Partner dem anderen einen dreistelligen Millionenbetrag zahlen.

Siemens will sich an der Kapitalerhöhung nicht beteiligen

Weil Siemens sich an der Kapitalerhöhung nicht beteiligen will, lässt der Konzern seinen Healthineers-Anteil von derzeit 85 Prozent auf rund 72 Prozent verwässern. Siemens hatte bereits bekräftigt, aber auch künftig eine Mehrheit zu behalten. Das bedeute, dass Siemens zumindest 50 Prozent und eine Aktie halten wolle, sagte der erste Insider.

Der Zukauf rief an der Börse ein geteiltes Echo hervor. Zwar wird der kalifornische Krebstherapie-Spezialist Varian als willkommene Ergänzung des Portfolios von Healthineers gewertet. Doch der Kaufpreis von 16,4 Mrd. Dollar stößt auf Kritik. Auch unter dem Eindruck der geplanten Kapitalerhöhung war die Healthineers-Aktie am Montag mit einem Abschlag von 7,7 Prozent einer der größten Verlierer im Nebenwerteindex MDax. Die Siemens-Titel legten dagegen um 2,4 Prozent zu. (reuters/apa/red)

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