Strafen

Shell: 95 Mio. Euro Strafe wegen Umweltverschmutzung

Der Ölkonzern findet sich in diesem Jahr bereits zum zweiten Mal vor Gericht wieder. Ein jahrelanger Rechtsstreit findet ein Ende. Wie eine Umweltverschmutzung aus den 1970er Jahren zu einer Strafe in Millionenhöhe führt.

Der Ölkonzern Shell musste heuer bereits einen Rückschlag hinnehmen. Aktivisten hatten den Mineralölriesen verklagt, das Urteil wurde an einem Bezirksgericht in den Niederlanden ausgesprochen. Shell muss den Ausstoß von CO2 bis 2030 um netto 45 Prozent im Vergleich zu 2019 senken. 

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Das Gericht war eindeutig: Der britisch-niederländische Konzern "muss seinen Beitrag leisten im Kampf gegen gefährlichen Klimawandel". Und die Verpflichtung gelte nicht nur für die eigenen Unternehmen, sondern auch für Zulieferer und Endabnehmer. Klimaaktivistin Greta Thunberg nannte das Urteil einen "sehr interessanten Start, das einen großen Schneeball-Effekt haben könnte", schrieb die Schwedin auf Twitter. Obwohl: eine CO2-Verringerung in der Höhe sei für den Öl-Konzern immer noch unzureichend.

Urteil wegen Umweltverschmutzung erfolglos angefochten

Doch damit nicht genug, der Mineralölriese wurde erneut verklagt.  Diesmal muss er wegen Umweltverschmutzungen im Niger-Delta eine Millionen-Entschädigung an Gemeinden im Südosten Nigerias zahlen. Die nigerianische Tochter des britisch-niederländischen Unternehmens, SPDC, akzeptierte am Mittwoch eine Strafzahlung in Höhe von knapp 95 Millionen Euro. In dem jahrelangen Rechtsstreit ging es um Umweltschäden durch Öl-Lecks in den 1970er Jahren.

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Shell war wegen der Ölverschmutzungen 2010 verurteilt worden. Seitdem hatte das Unternehmen das Urteil wiederholt ohne Erfolg angefochten. Am Mittwoch einigte sich der Konzern schließlich mit den Klägern auf einen Vergleich. Shell beharrte aber auf seinem Standpunkt, dass die Öl-Lecks durch Sabotageaktionen während des Bürgerkriegs in Nigeria von 1967 bis 1970 verursacht worden seien.

© afp/pius utomi ekpe

Ein mutmaßlich durch Shell verursachtes Öl-Leck im Niger-Delta.

Zugeständnis nach 13 Jahren

Bereits im Jänner hatte ein Gericht in den Niederlanden Shell dazu verurteilt, Entschädigungen für Öl-Lecks in zwei Dörfern in Nigeria zu zahlen. Geklagt hatten Bauern aus Dörfern im Niger-Delta. Sie hatten ihre Klage 2008 eingereicht und bekamen schließlich nach 13 Jahren Recht.

Die Ölreserven im Niger-Delta machen Nigeria zum größten Förderer in ganz Afrika. Dennoch lebt die überwiegende Mehrheit der Bevölkerung des Deltas in Armut. Durch Umweltschäden in der Region sind die bedeutendsten dortigen Wirtschaftszweige, Landwirtschaft und Fischerei, stark gefährdet. (apa/red)