Bauindustrie

Porr hofft auf den Herbst: "Können Corona-Ausfälle nicht aufholen"

Österreichs zweitgrößter Baukonzern hat noch bis Ende September Bauaufträge aus dem Frühjahr. "Dann schauen wir, was nachkommt", so Konzernchef Karl-Heinz Strauss. Besonders den Gemeinden als wichtigen Auftraggebern fehle derzeit das Geld.

Porr-Generaldirektor Karl-Heinz Strauss hofft nach dem Durchhänger durch die Coronakrise auf ein Wiederanspringen der Bauinvestitionen ab Herbst im privaten und öffentlichen Bereich. Durch den Shutdown sei man drei bis fünf Wochen in Verzug geraten, neben ÖBB, Asfinag und BIG hoffe man auch auf einen Schub seitens der Gemeinden, die aber ihrerseits mehr Geld bräuchten, sagte Strauss.

Die "Gemeindemilliarde" der Bundesregierung als Unterstützung für Investitionen in der Krise ist Mitte Juni im Parlament beschlossen worden - aus Sicht von Strauss würden die Gemeinden eher zwei bis zweieinhalb Milliarden benötigen. Denn der Einnahmenentfall durch Corona sei für die Kommunen "dramatisch".

Derzeit arbeite man bis zum Ende des Sommers die Bauaufträge aus dem Frühjahr ab, "schauen wir, was dann nachkommt", meinte der Porr-Chef vor Journalisten. Derzeit verfüge man mit 7,6 Mrd. Euro über einen Auftragspolster, der mehr als eineinhalb Jahre nach vorn reiche - die Produktionsleistung dürfte heuer knapp über 5 Mrd. Euro liegen. Ab Herbst sollten die Investitionen aber wieder anspringen, wobei er hoffe, dass der Markt nicht wieder überhitze.

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Um mehrere Wochen in Verzug

Im Frühjahr sei man drei, vier, fünf Wochen durch den covid-19-bedingten Lockdown "gestanden", teils seien bestimmte Projekte sogar noch länger in Verzug geraten. In dieser Zeit habe man geringere Erlöse erzielt, viele Kosten seien aber weitergelaufen. Aus Sicht der Bauwirtschaft sei der mehrwöchige Bau-Stillstand in Österreich unnötig gewesen, so Strauss - die auf Sozialpartnerebene erarbeiteten Sicherheitsmaßnahmen hätten gezeigt, dass sehr wohl gearbeitet werden könne. "Die Leistung, die wir durch den Shutdown verloren haben, können wir heuer nicht aufholen, die ist einfach weg", so Strauss, der betont, dass man derzeit ohnedies unter Vollauslastung arbeite. Von allen Porr-Märkten habe es außerhalb Österreichs nur in Norwegen einen Shutdown gegeben, allerdings habe sich der auf einen Einreisestopp bezogen, von dem viele Expats im Bausektor betroffen gewesen seien.

Porr wird aufgrund der Corona-Erfahrungen das seit Ende 2019 laufende Ertüchtigungsprogramm "Porr 2025" noch nachschärfen und beschleunigen. Bestimmte Strukturen und Abläufe müssten noch schneller und noch umfassender angepasst und die angesetzten Effizienzmaßnahmen intensiviert werden, hieß es. Bisher hat man im Rahmen des Programms zahlreiche Maßnahmen zur Optimierung von Prozessen, Investitions- und Einstellungsstopps sowie Kurzarbeit gesetzt. Heuer im ersten Halbjahr beschäftigte der Baukonzern im Schnitt 19.658 Mitarbeiter.

Verlust im ersten Halbjahr

Im Halbjahr stand unterm Strich ein Fehlbetrag von 22,7 Mio. Euro (nach 6 Mio. Euro Gewinn ein Jahr davor). Die Effekte der Pandemie auf die Bautätigkeit und das Porr-Geschäft hätten die Planung und Ziele für 2020 negativ beeinflusst: "Der Shutdown in Österreich sowie Zusatzkosten und Auflagen in vielen Ländern haben das Ergebnis im Halbjahr belastet."

Dass sich der Auftragseingang bis Juni um 6 Prozent auf 2,8 (3,0) Mrd. Euro verringert hat, ist laut Strauss auch einer restriktiveren Orderübernahme zuzuschreiben. In der Krise bestätige sich das Geschäftsmodell, wonach der Trend mehr in Richtung Totalunternehmer bzw. Generalunternehmer gehe. Verstärkte Investitionen sehe man in allen Ländern im Gesundheitsbereich, hier könne man schlüsselfertige Lösungen anbieten. Zudem stelle man etwa im Chemie- und Pharmabereich Produktionsrückholungen etwa aus Asien oder Südamerika fest, "da kommen wir oft zum Zug". Im Wohnbau sehe man in Europa kein Nachlassen, auch würden Büros nicht durch Home Office ersetzt, glaubt Strauss.

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Auf ihren "sieben Heimmärkten", auf denen man führend tätig sei, werde man bleiben, "wir sehen überall ein positives Umfeld", sagte der Porr-Chef: "Die mittelfristige und vor allem die langfristige Tangente bleibt stark positiv."

Die Porr-Produktionsleistung betrug bis Juni knapp 2,3 (2,5) Mrd. Euro, um 9 Prozent weniger als im Vorjahresvergleich, sie soll im Gesamtjahr leicht über 5 Mrd. Euro liegen - 2019 waren es immerhin 5,6 Mrd. Euro gewesen. Die Umsatzerlöse gingen heuer bis Juni um 5 Prozent auf 2,1 (2,2) Mrd. zurück. Das EBITDA sank dabei um 31 Prozent auf 66 Mio. Euro, das Betriebsergebnis (EBIT) drehte auf -17 Mio. Euro ins Minus (nach 17 Mio. plus ein Jahr davor). Das Vorsteuerergebnis (EBT) war mit -27 (+8) Mio. Euro negativ. Unterm Strich blieben 22,7 Mio. Euro Verlust nach 6 Mio. Euro Gewinn ein Jahr davor. Einen Ergebnisausblick für 2020 gibt es weiterhin nicht, der sei nach wie vor ausgesetzt, sagte Strauss. Die für heuer geplant gewesenen Ergebnisverbesserungen würden sich wohl auf 2021/22 verschieben, so der Porr-Chef.

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Finanziell gut aufgestellt

Finanziell sei man gut aufgestellt, die Porr verfüge über mehr als 450 Mio. Euro Cash, so Strauss, und die Kreditlinien seien "weit über das Maß hinaus, das wir brauchen". Ersatzinvestitionen führe man fort. Strategische Investitionen sehe man sich ganz genau an, im M&A-Bereich habe man alles um ein halbes Jahr nach hinten verschoben, sagte Strauss.

Mit "Porr 2025" solle die Eigenkapitalquote auf 20 bis 25 Prozent steigen, nach zuletzt 18,4 Prozent. Zudem solle die Nettoverschuldung bis 2022 kontinuierlich sinken - die Nettoschulden lagen über Ende 2019, aber unter Juni 2019.

An Covid-19-Effekten verweist Porr im Halbjahresbericht zu Österreich auf einen "massiven Leistungsrückgang", zu Deutschland auf "partielle Effekte", zur Schweiz auf "Produktionsbeeinträchtigungen durch Corona-Auflagen", zu Polen auf "Projektverschiebungen" sowie "Produktionseinbußen im Hochbau" und zu Tschechien/Slowakei auf einen "Rückgang im Hochbau". Nur geringe Effekte habe es in Rumänien gegeben, massive Einschränkungen in Katar (VAE) sowie Projektverschiebungen in Norwegen. Das Potenzial aller Märkte, außer den beiden letztgenannten, sieht man als "stark", die anderen zwei als "neutral". In Katar senke man die Projektrisiken, in Norwegen bleibe man mittelfristig, so Strauss.

Eine Bewertung und Anpassung der Ergebnisziele 2020 sei angesichts der anhaltend hohen Unsicherheit bezüglich der wirtschaftlichen Entwicklung zum jetzigen Zeitpunkt nicht möglich, heißt es im Ausblick. (apa/red)

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