Autoindustrie

Opel-Mutter PSA und Fiat Chrysler mit Gewinn im Krisenjahr

Die unter dem Namen Stellantis fusionierten Autobauer Fiat Chrysler und PSA konnten sich 2020 in den schwarzen Zahlen halten, obwohl das Ergebnis bei beiden stark gesunken ist. Jetzt sitzt Stellantis auf einem milliardenschweren Polster und kann die Ausgaben in Elektroautos gut bewältigen. Trotzdem pocht Konzernchef Tavares auf "Synergien".

Die zum neuen Stellantis-Konzern fusionierten Autobauer Fiat Chrysler und PSA haben sich dank eines Schlussspurts in den schwarzen Zahlen gehalten. Bei beiden Partnern schrumpfte das bereinigte operative Ergebnis im vergangenen Jahr allerdings um jeweils mehr als 40 Prozent. Dabei profitierte Fiat Chrysler von seinem starken USA-Geschäft mit Pick-ups und SUV der Marken Dogde, Ram und Jeep und machte so einen Verlust in Europa wett.

Dank eines gemeinsamen Liquiditätspolsters von fast 60 Milliarden Euro kann Stellantis nach Ansicht von Experten nun die hohen Investitionen ins Elektro-Zeitalter stemmen. "Stellantis hat einen fliegenden Start hingelegt und konzentriert sich voll und ganz darauf, die versprochenen Synergien zu erzielen", erklärte Konzernchef Carlos Tavares am Mittwoch. Er hatte zuvor schon die Opel-Mutter PSA geführt. Dazu: PSA mit Fiat Chrysler: Die Megafusion ist nun offiziell abgeschlossen >>

Stellantis erwartet heuer eine Rendite von bis zu 7,5 Prozent

Für 2021 stellte Stellantis eine operative Rendite von 5,5 bis 7,5 Prozent in Aussicht, vorausgesetzt es komme nicht zu weiteren starken Einschränkungen im Zusammenhang mit der Bekämpfung der Coronapandemie. Zum Vergleich: Bei Fiat Chrysler lag die bereinigte Marge im vergangenen Jahr bei 4,3 Prozent, bei PSA waren es 7,1 Prozent. Aggregiert lag die Marge bei 5,3 Prozent. Tavares hat sich vorgenommen, die Rendite von Fiat Chrysler möglichst bald auf die von PSA zu heben.

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Bei dem französischen Konzern und später auch bei Opel hat Tavares die Ertragskraft durch einen harten Sanierungskurs erhöht, dem zahlreiche Arbeitsplätze zum Opfer fielen. Der gemeinsame Konzern soll seine kombinierten jährlichen Kosten um fünf Milliarden Euro senken und will dabei ohne Werksschließungen auskommen. Analysten bezweifeln, dass das ohne Stellenstreichungen möglich sein wird.

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Was passiert mit den sogenannten Überkapazitäten?

"Stellantis hat Überkapazitäten von zwei Millionen Fahrzeugen", sagte Frank Schwope von der NordLB. Der Autoanalyst rechnet in den nächsten Jahren damit, dass vor allem in Italien Werke geschlossen werden. "Kostensenkungen und der Abbau der massiven Überkapazitäten dürften die nächsten Jahre des fusionierten Konzerns prägen, damit aus Stellantis kein Atlantis wird."

Zusammengerechnet kamen die beiden Konzerne im vergangenen Jahr auf einen Betriebsgewinn von 7,1 Milliarden Euro. Das war nach Aussagen eines Mailänder Händlers deutlich mehr als erwartet. Die Stellantis-Aktie gewann daraufhin rund drei Prozent an Wert. Analysten gehen davon aus, dass die Aktie weiteren Auftrieb bekommt, wenn Stellantis daran geht, die Kostenvorteile des gemeinsamen Konzerns zu heben.

Weltweit viertgrößter Autobauer

Der italienisch-amerikanische Autobauer Fiat Chrysler und die französische PSA-Gruppe waren im Januar zum weltweit viertgrößten Autobauer mit zusammen 14 Automarken und mehr als 400.000 Mitarbeitern verschmolzen. Wie alle globalen Autohersteller will Stellantis in den kommenden Jahren viele Milliarden ausgeben, um das Fahrzeugangebot für das Zeitalter der Elektromobilität, die digitale Vernetzung und selbstfahrende Autos umzustellen. Das Geld für die Investitionen und die anstehende Restrukturierung soll durch Einsparungen und den Mittelzufluss aus den margenstarken Geländewagen der Marke Jeep und den Pick-ups von Ram in den USA aufgebracht werden. (reuters/apa/red)