Erdgas

Nord Stream 2: Berlin kritisiert Drohungen aus den USA

Der deutsche Außenminister Maas beschwert sich in Washington über angedrohte Sanktionen der USA im Zusammenhang mit der russischen Gasröhre Nord Stream 2 durch die Ostsee nach Ostdeutschland. An dem Projekt ist auch die OMV beteiligt.

Der deutsche Außenminister Heiko Maas hat sich bei seinem US-Amtskollegen Mike Pompeo über die jüngste Sanktionsdrohung wegen der Ostsee-Pipeline Nord Stream 2 beschwert. In einem Telefonat mit Pompeo habe er sein "Befremden" über den Brief dreier Senatoren an den Fährhafen Sassnitz auf Rügen zum Ausdruck gebracht, sagte Maas in Berlin.

Darin hatten die Mitglieder der Republikanischen Partei von US-Präsident Donald Trump den Betreibern und Aktionären des Hafens mit Einreisesperre in die USA und Einfrieren von Eigentum in den Vereinigten Staaten gedroht. Das hatte in Deutschland parteiübergreifend für Empörung gesorgt und den Ruf nach Gegenmaßnahmen lauter werden lassen.

OMV und weitere westliche Energieriesen beteiligt

Die unter Ägide der russischen Gazprom entstehende Nord Stream 2, an deren Finanzierung auch der österreichische Öl- und Gaskonzern OMV beteiligt ist, soll Gas von Russland nach Deutschland transportieren. Gemeinsam mit Wintershall Dea, Uniper, Royal Dutch Shell und Engie trägt die OMV rund die Hälfte der Gesamtkosten von rund 9,5 Mrd. Euro. Die andere Hälfte finanziert der russische Staatskonzern und Eigner der Pipeline Gazprom.

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Pompeo reist an diesem Dienstag nach Europa, kommt aber nicht nach Deutschland. Stattdessen besucht er die Nachbarländer Österreich, Tschechien und Polen. Außerdem geht es nach Slowenien.

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Trump kritisiert die Pipeline zwischen Russland und Deutschland seit Jahren - Deutschland lasse sich militärisch vor Russland schützen, verschaffe Moskau aber gleichzeitig hohe Einnahmen aus Gasexporten. Kritiker werfen Trump dagegen vor, die Pipeline nur verhindern zu wollen, um mehr amerikanisches Flüssiggas in Europa verkaufen zu können.

Einige Strafmaßnahmen gelten bereits seit 2019

Trump hatte Ende 2019 erste Strafmaßnahmen gegen bestimmte Unternehmen ermöglicht, die am Bau von Nord Stream 2 beteiligt sind. Die betrafen aber vor allem die Verlegeschiffe aus der Schweiz. Jetzt geht es erstmals direkt gegen ein deutsches Unternehmen.

Der deutsche Fährhafen Sassnitz spielt eine zentrale Rolle beim Bau der Pipeline mit ihren zwei Strängen, die insgesamt 2.460 Kilometer lang werden sollen. Nur gut 150 Kilometer fehlen noch. In Sassnitz lagern die für die Fertigstellung benötigten Stahlrohre, die in einer Fabrik in Mukran mit Beton ummantelt wurden. Zudem liegt dort das russische Verlegeschiff "Akademik Tscherski", das zusammen mit dem russischen Schiff "Fortuna" den Pipeline-Bau vollenden soll.  (ag./apa/red)

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