Erdgas

Nach Vermittlung von Berlin: Neue Gespräche im Gasstreit mit Türkei

Nach Gesprächen mit Kanzlerin Merkel kündigt der türkische Staatschef Erdogan an, nun doch Gespräche mit Griechenland und Zypern führen zu wollen. Das sorgt für Erleichterung auch bei der Nato.

Wegen der Spannungen um Gasbohrungen im östlichen Mittelmeer hat die Türkei angekündigt, mit ihrem Streitpartner Griechenland Gespräche führen zu wollen. Beide Seiten stünden "bereit, mit Sondierungsgesprächen zu beginnen", erklärte die türkische Präsidentschaft. Die griechische Regierung bestätigte die bevorstehenden Gespräche.

Zuvor hatten der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan, die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und EU-Ratspräsident Charles Michel in einer Videokonferenz über das Thema beraten. Die neue Runde der Gespräche solle in Istanbul stattfinden, teilte das griechische Außenministerium mit, ohne ein genaues Datum zu nennen.

Der Verlauf der Gespräche hänge von den nächsten Schritten Griechenlands ab, erklärte Erdogan laut der Erklärung seines Büros. "Der Impuls, Spannungen abzubauen und Kanäle für den Dialog zu schaffen, muss auf gegenseitigen Schritten beruhen."

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Der türkische Staatschef hoffe, dass der EU-Gipfel Anfang Oktober "neues Leben" in die Beziehungen zwischen der EU und Ankara bringen werde, hieß es weiter. Bei dem Gipfel soll auch über mögliche neue EU-Sanktionen gegen die Türkei gesprochen werden.

Das griechische Außenministerium bestätigte, die Fortsetzung der seit 2016 auf Eis liegenden Gespräche mit Ankara. Ein Treffen soll demnach zeitnah in Istanbul stattfinden.

Erdogan schlug laut der Erklärung der türkischen Präsidentschaft vor, eine regionale Konferenz mit allen an dem Streit beteiligten Parteien abzuhalten, einschließlich der türkischen Zyprioten. Eine solche Konferenz könne sich "positiv und konstruktiv" auf die Situation im östlichen Mittelmeer auswirken, sagte Erdogan.

Der Präsident war bereits in seiner Rede bei der Generaldebatte der UN-Vollversammlung auf die Spannungen zwischen Ankara und Athen eingegangen. In einer Videoansprache forderte der türkische Präsident einen "aufrichtigen" Dialog zur Beilegung des Streits. Zugleich prangerte er "Schikanen" des Westens an.Seit der Entdeckung reicher Gasvorkommen im östlichen Mittelmeer gibt es heftigen Streit um deren Ausbeutung. Sowohl die EU-Mitglieder Griechenland und Zypern als auch die Türkei erheben Anspruch auf die betreffenden Seegebiete und untermauern diesen auch durch die Entsendung von Kriegsschiffen.

NATO-Generalsekretär begrüßt deutschen Vermittlungserfolg

NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg hat sich erfreut darüber gezeigt, dass sich die Bündnismitglieder Türkei und Griechenland auf die Wiederaufnahme von Gesprächen über eine Beilegung ihres Streits über Seegebiete verständigt haben. Er begrüße, dass die diplomatischen Vermittlungsbemühungen Deutschlands zu einer Einigung über Sondierungsgespräche geführt hätten, sagte der Norweger in Brüssel.

Auch bei den im NATO-Rahmen geführten Beratungen zur Reduzierung des Risikos von militärischen Zwischenfällen zwischen der Türkei und Griechenland habe man bereits gute Fortschritte erzielt.

Gefährliche Eskalation in den vergangenen Wochen

Hintergrund der Gespräche ist, dass der Streit zwischen Griechenland und der Türkei wegen türkischer Erdgaserkunden zuletzt gefährlich eskaliert war. Im Zuge von Militärmanövern in einem umstrittenen Seegebiet war es sogar zu einer Kollision zwischen einem griechischen und einem türkischen Kriegsschiff gekommen.

Griechenland wirft der Türkei vor, sie erkunde vor griechischen Inseln illegal Erdgasvorkommen. Die Regierung in Ankara weist die Vorwürfe zurück und vertritt den Standpunkt, dass die Gewässer zum türkischen Festlandsockel gehören. (afp/dpa/apa/red)